Documenta in Kassel gestartet

Steinmeier: "Die Kunst hat Vorrang"

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Die Documenta in Kassel läuft. 100 Tage lang hat die Kunst das Sagen in der hessischen Stadt. Bundespräsident Steinmeier lobt das mutige Konzept. Starke Sicherheitsvorkehrungen begleiten die Kunst-Schau

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos haben am Wochenende die Documenta in Kassel eröffnet. Bis zu einer Million Besucher werden auf der weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst erwartet. 100 Tage lang zeigen Künstlerinnen und Künstler in der nordhessischen Stadt ihre Werke und Darbietungen.

Politik ist ein großes Thema der diesjährigen Documenta, steht aber nicht im Mittelpunkt. "Die Kunst hat Vorrang und das ist gut", sagte Steinmeier. Pavlopoulos betonte, die Documenta zeige, "wie Europa der Welt durch die Kultur die Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit senden kann."

Bei ihrem Rundgang am Samstag ließen sich die beiden Staatsoberhäupter von Künstlern Installationen erklären und legten dabei buchstäblich Hand an, um die Zahnräder der "Mühle des Blutes" in Bewegung zu setzen. Der Nachbau einer Sklavenmühle ist der Beitrag des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela zur alle fünf Jahre stattfindenden documenta.

Steinmeier bezeichnete die Documenta als mutig: "Sie ist eine politische Ausstellung", sagte er. Doch sie lasse sich nicht politisch instrumentalisieren. Dafür habe der künstlerische Leiter Adam Szymczyk gesorgt.

Besonders angetan war der Bundespräsident vom "Parthenon der Bücher". Der mit verbotenen Büchern behängte Tempelnachbau der argentinischen Künstlerin Marta Minujín sei bereits ein Symbol der Documenta 14. "Der Parthenon spiegelt die Konflikte unserer Zeit", sagte Steinmeier. Dazu gehöre das Ringen um Vernunft und um den Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit. Auch in den ersten Eindrücken von Documenta-Besuchern auf sozialen Medien war der Bücher-Parthenon besonders häufig zu sehen.

Erstmals seit 1955 gibt es mit Athen einen zweiten Documenta-Standort neben Kassel. In der griechischen Hauptstadt hatte die Ausstellung bereits im April begonnen, dort dauert sie bis zum 16. Juli. "Die Entscheidung war nicht nur mutig, sondern auch richtig", lobte Steinmeier. Man habe von Athen gelernt: "Überprüft eigene Vorurteile, nehmt die Perspektive des anderen ein - nur so lassen sich Gemeinsamkeiten finden", appellierte Steinmeier an die Besucher.

Zahlen zum Besucherandrang am Kasseler Eröffnungswochenende gab es nicht: Die Documenta-Veranstalter wollen erst nach den ersten 50 Tagen eine Halbzeitbilanz vorlegen. Auch die Polizei hatte keine Zahlen.

Der Eröffnungsrundgang Steinmeiers war von starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Große Teile des Friedrichsplatzes, des zentralen Standortes der Documenta in Kassel, waren abgeriegelt. Auch einige Ausstellungsgebäude blieben wegen des Besuchs der Staatsoberhäupter am Morgen zu, obwohl die Ausstellung bereits lief. Ein Gleitschirmflieger über dem Gelände wurde von einem Polizeihubschrauber schnell aus dem Luftraum eskortiert. Von Samstagmittag an strömten nach dem Abbau der Absperrungen tausende Besucher auf den Friedrichplatz.

Die Kunst hat in Kassel nun 100 Tage lang das Sagen - bis zum 17. September, dann endet die Documenta in Kassel.

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