Cally Spooner in Amsterdam

Du warst wundervoll auf der Bühne

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In Amsterdam lässt Cally Spooner den Kapitalismus von Frauenstimmen singen

Es ist wie der Endpunkt einer langen Reise: Über zwei Jahre hinweg hat die Künstlerin Cally Spooner (geboren 1983) einen A-cappella-Chor aus 18 Frauen in unterschiedlichen Städten der Welt auftreten lassen. Nun kehrt das Projekt "And You Were Wonderful, On Stage" an den Ort seiner Erstaufführung zurück, ans Stedelijk Museum in Amsterdam. Das im Frühjahr 2013 gerade wiedereröffnete Haus beauftragte die Londonerin mit einem Performanceprojekt für ein großes Treppenhaus in seinem historischen Gebäude.

Ein Projekt, das man wohl am besten als Musical beschreiben kann: "And You Were Wonderful, On Stage" versammelt ausschließlich weibliche Stimmen zu einem Chor aus der postfordistischen Arbeitswelt. Es geht um gefallene Idole und zerstäubte Sprache, Mechanismen der Selbstmotivation und der Optimierung. Der Chor imitiert unter anderem Beyoncés Playback-Gesang bei der Amtseinführung des US-Präsidenten und Lance Armstrongs Dopingbeichte im Fernsehen. Auch bei der Performa 13 in New York war Spooners Musical zu sehen sowie 2014 in der Tate Modern im Rahmen von BMW Tate Live. "Für Spooner waren diese Aufführungen wie ein längerer Rechercheprozess, ein Ausprobieren", erklärt die verantwortliche Kuratorin des Stedelijk, Britte Sloothaak.

In Amsterdam wird aus der Liveperformance nach einer Choreografie von Adam Weinert eine Rauminstallation mit fünf Videoleinwänden – erstmals arbeitet Spooner mit diesem Format. Das Werk ist Teil einer neuen Serie von Einzelpräsentationen des ehrwürdigen Museums, die sich jüngeren Positionen widmen und damit Künstler auch direkt unterstützen: Das Stedelijk Museum hat "And You Were Wonderful, On Stage" nicht nur beauftragt und mit Spooner zusammen koproduziert, sondern auch für die Sammlung angekauft.

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