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Viviane Sassen in Hamburg

Fenster ins Jenseits

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In den Hamburger Deichtorhallen spielt die Fotografin Viviane Sassen mit den Schatten

"Umbra", so der Titel von Viviane Sassens Solo in den Hamburger Deichtorhallen, das ist der Schatten. Ein Gleichmacher, wie der Tod. Details und Texturen verschwinden; Stein, Pflanze, Mensch verschmelzen im Geistertanz. Drei Kindheitsjahre verbrachte Sassen in Kenia, immer wieder kehrt sie nach Afrika zurück, für die Modefotografie oder freie Projekte. In beiden Sparten ist sie erfolgreich, 2013 nahm sie an der Venedig-Biennale teil.

Obwohl die 1972 in Amsterdam geborene Künstlerin mit großer ästhetischer Bandbreite aufwartet, franst die als stringente Raumfolge entwickelte Ausstellung nirgendwo aus. Neben verschatteten Motiven, die wie Fenster ins Jenseits wirken, finden sich helle, starkfarbige Bilder, in denen Sassen ihr Medium auf den Spuren von László Moholy-Nagy in den Konstruktivismus treibt.

Menschen fasst sie skulptural auf. Sassen fokussiert auf Gestik, bewegte Körper – Gesichter vermeidet sie. Die Bilder schauen nicht zurück, man blickt fasziniert, aber auch befremdet auf diese Welt aus Licht und Schatten. Obwohl: In der fesselnden Laufbild-Installation "Totem" geraten die Betrachter zwangsläufig in den Projektionsstrahl. Wir dringen in die andere Welt vor – wenn wir Schatten werden.

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