Ausstellung im MoMA

Zwischen Poesie und Konzeptkunst

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New York kämpft sich durch das Erbe des Marcel Broodthaers

Marcel Broodthaers gilt als "Künstler für Künstler", und die konzeptuelle Ausrichtung der Ausstellung hat in den USA so manchen Kunstkritiker dazu veranlasst, ihr den Stempel "schwierig" aufzudrücken. Sie bietet – neben den berühmten fragilen Skulpturen aus schwarzen Muscheln und beigen Eierschalen und dem blassrosa Teppich aus Sand – tatsächlich viel Stoff zum Lesen. Oder auch nicht: 1964 tauchte der damals 40-jährige Broodthaers 50 unverkaufte Kopien eines Gedichtbandes in nassen Verputz und machte sie unlesbar: Die Skulptur "Pense-Bête" markiert den Bruch zwischen dem Poeten und dem Konzeptkünstler Broodthaers. Die Poesie blieb Konstante seiner Arbeit, einzig das Medium wandelte sich, wie der Kurzfilm "La Pluie" (1969) verdeutlicht: Broodthaers schreibt mit Tinte auf weißem Papier, auch
wenn der Regen das Geschriebene wieder zerrinnen lässt.

Kernstück der Ausstellung ist das von Broodthaers in seiner Wohnung gegründete "Musée d’Art Moderne, Département des Aigles", zu dessen Konservator er sich 1968 ernannte. Vier Jahre nach der Gründung erklärte der Künstler den Bankrott seines ready-made Museums, kratzte sein restliches Geld zusammen, ließ das Emblem eines Adlers auf einen Goldbarren drucken und bot diesen zum Kauf an. Vergebens. Das MoMA ist spät eingesprungen: Die meisten der ausgestellten Werke wurden erst vor fünf Jahren mit der Brüsseler Sammlung Daled erworben.

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