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Auktion von Andreas Murkudis

"Ich mag die Idee, dass sich andere Menschen darüber freuen"

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Der Berliner Concept-Store-Betreiber Andreas Murkudis verkauft in einer Online-Auktion seine private Sammlung aus raren Design-Objekten und -Ephemera. Ein Interview 
Andreas Murkudis betreibt in Berlin-Mitte einen Concept Store, der eher nach Museum als nach Geschäft aussieht. Ab dem 7. April verkauft er in vier Auktionen seine private Popkultur-Sammlung. Mit Monopol sprach er über seine Lieblingsteile und darüber, wie er früher in Paris mit seinem Bruder Modenschauen gestürmt hat.

Monopol: Wie kam die Idee zu den Auktionen?
Andreas Murkudis: Ich habe ein großes Archiv von spannenden Sachen, die ich seit 40 Jahren mit mir herumtrage. Aber ich komme gar nicht dazu, mir die Dinge anzuschauen. Wieso sollten sie dann nicht andere Menschen glücklich machen? Ich habe die Idee dann mal bei Freunden angetestet, und die waren alle Feuer und Flamme.

Hätte man dann nicht auch ein Event in Ihrem Laden machen können?
Die Idee der Online-Auktion hat vor allem mit dem Launch unserer neuen Website zu tun. Der Künstler Olav Christopher Jenssen hat ein neues Logo kreiert, und ich wollte etwas Besonderes und Spannendes anbieten. Ich bin kein Fan von Online-Shops und möchte, dass die Leute in meinen Laden kommen. Sie sollen die Sachen anfassen, die sie kaufen möchten. Aber eine Online-Auktion finde ich gut.

Was werden Sie bei den Auktionen anbieten?
Vor allem Sachen, die man nie kaufen konnte. Zum Beispiel Ausgaben des "Six Magazine" von Comme des Garçons, von dem zwischen 1988 und 1991 insgesamt acht Hefte erschienen sind. Es gibt zum Beispiel auch Einladungen von Helmut Lang, die einem Fax gleich gelayoutet sind, oder zwei Sonnenhüte von Margiela, die mit einem Gummiband miteinander verbunden sind. Außerdem die erste Einladung zur Schau von Comme des Garçons aus dem Jahr 1984. Passend zur baldigen Jil-Sander-Ausstellung in Frankfurt gibt es auch ganz frühe Lookbooks von ihr. Insgesamt wird es vier Auktionen à 99 Teile geben. Die ersten beiden zum Thema Mode, dann eine mit alten, teilweise vergriffenen oder signierten Fotobüchern, und in der letzten werden vor allem Design-Objekte zu haben sein. Das Startangebot liegt immer weit unter dem Preis, der sonst online dafür verlangt wird. Jeder soll sich das leisten können. Das geht bei 20, 30 Euro los, es geht mir nicht darum, damit Geld zu verdienen.

Ist es nicht schwer, sich von all den Dingen zu trennen?
Ich trenne mich schon ungern von den Sachen. Aber ich sammle so viel, ich kann nicht alles behalten. Und ich mag die Idee, dass sich dann andere Menschen darüber freuen. Viele Leute kennen die Fotos aus den Magazinen von Pinterest, aber haben das Originalheft dazu noch nie gesehen. Damals hat man sich sehr viel Mühe mit den Katalogen gegeben. Es war ja auch noch viel schwerer, in eine Modenschau zu kommen. Heute sitzen ja Blogger in der ersten Reihe. Ich habe damals mit meinem Bruder Kostas Murkudis, der Modedesigner ist und in München das gleichnamige Label betreibt, Modenschauen einfach gestürmt.

Wirklich?
Ja, wir haben uns immer zu einer Gruppe zusammengetan und sind dann einfach in eines der Zelte in den Tuilerie-Gärten rein.  Zwei Drittel wurden auf dem Weg immer festgehalten, aber der Rest war drin. Damals durfte man bei den Schauen auch noch nicht fotografieren. Wer etwas kopieren wollte, musste zeichnen. Oder einen der Fotografen vorne am Laufsteg bestechen.

Gibt es etwas aus Ihrer Sammlung, das sie von der Auktion zurückhalten?
Nein, tatsächlich nicht. Ich kaufe auch einfach wahnsinnig viel, Bücher zum Beispiel. Viele Sachen habe ich mehrfach. Dann tut es nicht weh, wenn ich eine Version davon hergebe. Klar, Einladungen gibt es immer nur ein einziges Mal. Aber ich kann nicht alles behalten.

Sie sammeln selbst auch Kunst. Was denn?
Fotografien und Zeichnungen. Zeichnungen finde ich das Unmittelbarste. Eine tolle Zeichnung ist etwas sehr Schönes, entweder sie gelingt, oder sie gelingt nicht. Zum Gallery Weekend eröffnen wir auch einen neuen Raum gegenüber dem Laden. Das wird kein reiner Galerieraum, aber wir eröffnen mit einer Fotoausstellung mit Bildern von Mitch Epstein, einem meiner Lieblingsfotografen. Dieser Raum wird wie meine persönliche Spielwiese.

Die Auktionen starten am 7. April auf der Website von Andreas Murkudis. 

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