„Subvision“-Festival: Im Hamburger Hafen wehte ein Hauch von Anarchie

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Ist es schon subversiv, eine Anleitung für digitale Graffiti zu veröffentlichen? Das Wiener Graffiti Research Lab programmierte einen mobilen Laserbeamer, der urbane Werbebanner bekämpft. Eigene Botschaften hatte die Gruppe nicht, konnte jedoch erfreut den sofort sehr interessierten Firmen Nike, Disney und Sony eine Absage erteilen.


Der Underground hat’s schwer, wenn ihm der Mainstream wegbricht. Was heute noch anarchisch sein könne, fragte das Hamburger Festival „subvision“. Kuratiert von Brigitte Kölle und organisiert von der Hochschule, wurden 31 internationale Betreiber von Räumen eingeladen, die außerhalb des branchenüblichen Kreislaufs operieren. Nun stand eine Siedlung aus Frachtcontainern, bespielt mit Installationen, Videos und Vorträgen, inmitten der chic hingewürfelten HafenCity.
Was hier geplant ist, weiß keiner, dennoch bezog sich trotz Steilvorlage niemand auf die bekannte Situation, dass die Ankunft der ersten Galerien immer auf eine Umstrukturierung von Stadtvierteln hindeutet: Bald kommen die Immobilienriesen. Das Amsterdamer Kollektiv De Service Garage kennt Gentrifizierungs­diskussionen aber bestens aus der Heimat – dort lässt es sich seinen spannenden Off-Space von einem Sponsor bezahlen. Einer seiner Container wurde von Zoro Feigl auf Federn aufgebockt und schwankte wie ein Schiff.


Das südafrikanische Gugulective ließ die Gäste auf den Boden kriechen, um unter der Decke eine über Kopf gebaute Wohnung zu besichtigen – Raumgestaltung als Machtausübung. Vertauschte Rollen auch beim Stuttgarter Architekturbüro Umschichten: Es baute eine Villa mit Swimmingpool, als sei es der Gönner, zu dessen Füßen das Spektakel stattfindet.


Es war übrigens sehr nett da, es gab Imbisse mit und ohne Kunst, man lernte interessante (Beirut) und langweilige (Oak Park) Orte der Erde kennen und fühlte sich etwas inspirierter als beim üblichen Strandbarbesuch. Was wirklich subversiv ist, hatte indessen Daniel Richter mit seinen Studenten gezeigt: Sie belebten den guten alten Häuserkampf wieder, um auf den Ateliernotstand in Hamburg aufmerksam zu machen.

 

 

HafenCity Hamburg, 26. August bis 6. September

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