Tipps rund um die Kunstmesse

10 Highlights der Frieze London

Installation von Thủy Tiên Nguyễn, Preisträgerin des ersten Young Generation Art Award in der Degussa Lounge, Frieze London, 2025
Foto: Timothy Ruhstorfer

Installation von Thủy Tiên Nguyễn, Preisträgerin des ersten Young Generation Art Award in der Degussa Lounge, Frieze London, 2025

Britisches Understatement ist ihre Sache nicht: Noch bis Sonntag zeigt die Frieze London Kunst im Überfluss. Hier sind unsere Highlights rund um die erneuerte Messe


Alex Margo Arden bei Ginny on Frederick

Die Galerie Ginny on Frederick entstand während der Corona-Zeit und ist eine von vielen guten jungen Neugründungen in London, die gerade viel Aufmerksamkeit bekommen. So hat der Stand mit der Künstlerin Alex Margo Arden nicht nur den Nicoletta-Fiourucci-Preis bekommen, sondern wurde auch vom National Arts Fund angekauft. Arden hat gerade erst am Royal College abgeschlossen und beschäftigt sich mit der Geschichte von Arbeit. Die durch ein Seil zusammengeschnürten, historischen lebensgroßen Puppen aus dem Museum für Mobilität sind ein grotesk-interessanter Publikumsmagnet.

Ginny on Frederick, Frieze London, Booth F2


Tadáskía bei Fortes D’Aloia & Gabriel

Tadáskía, 1993 in Rio de Janeiro geboren, hat gerade den K21 Global Art Award der Kunstsammlung NRW gewonnen. In einer Einzelpräsentation bei Fortes D’Aloia & Gabriel verbindet die Brasilianer:in Poesie, Papierarbeiten und Skulptur zu einer Installation voller Farbwirbel. Die Pastell- und Kohlezeichnungen auf bunten Hintergründen wachsen in den Raum hinein – es geht um schützende Hüllen, wie von Schalentieren, um Metamorphose und den in geschwungenen Texten ausgedrückten Wunsch nach Frieden.

Fortes D’Aloia & Gabriel, Frieze London, Regent's Park, Booth S3


Katherine Hubbard bei Company

Künstlerinnen und Künstler sind einfach die besten Expertinnen und Experten, wenn es um Kunst geht – diese Tatsache macht sich die tolle Sektion "Artist-to-Artist" auf der Frieze zunutze, für die Stars wie Chris Ofili, Amy Sherald und Nicole Eisenman jüngere Kunstschaffende vorgeschlagen haben. Die Fotografin Katherine Hubbard ist auf Eisenmans Empfehlung hier. Sie zeigt eine ergreifende Serie von Schwarz-Weiß-Fotografien, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter aufgenommen hat, die unter Demenz leidet. Die beiden Frauen wandern durch die Wohnung, arrangieren um, platzieren sich vor Spiegeln und versuchen, mittels Ritualen eine innere Landschaft zu schaffen – eine berührende visuelle Reise angesichts der zunehmenden Verlorenheit der orientierungslosen Mutter.

Company Gallery, Frieze London, Regent's Park, Booth A2


Peter Hujar bei Pace 

Wie wird eigentlich diese distinguierte Stimmung ins Zelt der Frieze Masters gezaubert? Viele altehrwürdige Kunstwerke und Artefakte verströmen Gediegenheit, darunter Ritterrüstungen aus dem 17. Jahrhundert. Rücken an Rücken mit ihnen gibt es bei Pace die zarten Schwarz-Weiß-Fotografien des New Yorkers Peter Hujar (1934–1987) zu sehen. Er porträtierte in den 1970er-Jahren die Darsteller von Revuen und Musicals in ihren Garderoben – geschminkt, gepudert, mit Federn und verführerischem Lächeln. Verschiedene Konzepte von Männlichkeit, die Rüstung und die Verletzlichkeit, Seite an Seite auf der Frieze Masters.

Pace Gallery, Frieze Masters, Regent's Park, London. Booth F7


Kunst im Hotel bei Minor Attractions

Understatement ist in London immer richtig am Platz, aber nicht immer ganz zutreffend. So passt auch der Name Minor Attractions wunderbar in diese Stadt – wobei sich diese kleine Nebenmesse in ihrem zweiten Jahr zu einem äußerst attraktiven Event entwickelt hat. Im labyrinthisch verwinkelten Mandrake-Hotel bespielen über 70 internationale Galerien die Zimmer und Suiten, Treppenhäuser, Terrassen, Bars und Foyers – und noch hinter dem letzten Duschvorhang entdeckt man raffiniert installierte Werke. Diese informellen, entspannten Messen für jüngere Kunst mit Anspruch sind ein Trend, der der grassierenden Erschöpfung des Mainstream-Kunstmarkts Originalität und Lebendigkeit entgegensetzt.

Minor Attractions, The Mandrake, London, bis 18. Oktober


Skulpturenpark Frieze "Sculpture"

Die Nachbildungen von Rettungsringen türmen sich auf dem Open-Air-Gelände der Frieze, dem frei zugänglichen Regent’s Park. Die Botschaft der Skulptur von Elmgreen & Dragset kann ähnlich wie die aller anderen Werke dieses Programmbereichs gelesen werden: Es ist Untergangsstimmung. Andy Holden hat Klangwellen der Stimmen von bedrohten Vogelarten als Skulpturen nachgebildet. Reena Saini Kallat lässt die Aufnahmen von mittlerweile ausgerotteten Arten durch Lautsprecher ertönen. Wer kurz innehält, um nach den echten Parkvögeln zu horchen, merkt: Alles ist still.

Frieze "Sculpture", Regent's Park, London


Lauren Halsey bei Gagosian

Wo andere Großgalerien ihre übliche Mischung aus gut verkäuflichen Highlights mitbringen, setzt Gagosian überraschend auf eine Einzelpräsentation – und die fällt dann auch noch sehr ironisch aus: "Affordable Black Art" steht auf der aus schreienden Werbeschildern zusammengesetzten Skulptur, die Halsey in die Mitte der Koje gestellt hat. An den Wänden: monochrom weiße Reliefs, die altägyptische Kunsttradition und zeitgenössisches Schwarzes Leben in Halseys Heimat im Stadtteil South Central Los Angeles zusammenbringen.

Gagosian, Frieze London, Regent's Park, Booth D14


Der Young Generation Art Award in der Degussa Lounge

Eine Meldung in eigener Sache: Der Young Generation Art Award, ins Leben gerufen von Degussa Goldhandel und Monopol, präsentiert sich erstmals auf der Frieze London. In der Degussa Lounge ist eine Einzelausstellung der ersten Gewinnerin Thủy Tiên Nguyễn zu sehen, die bei aller Kompaktheit geradezu museal wirkt. Hinter dem weißen Vorhang am Stand wartet ein Parcours mit ihren präzisen Installationen, die Erinnerungen an ihre Kindheit in Hanoi in andeutungsvolle, formal sehr spezielle Objekte übersetzen – darunter eine große Installation mit Tinte und neue Zuckerbilder, die sich während der Ausstellungsdauer langsam auflösen. 

Degussa Lounge, Frieze London, Regent's Park

Installation von Thủy Tiên Nguyễn, Gewinnerin des ersten Young Generation Art Award in der Degussa Lounge, Frieze London, 2025
Foto: Timothy Ruhstorfer

Installation von Thủy Tiên Nguyễn, Gewinnerin des ersten Young Generation Art Award in der Degussa Lounge, Frieze London, 2025


Christelle Oyiri bei Gathering

Der Whiskytumbler auf der Armlehne des Clubsessels ist umgestürzt, Getränk und Eiswürfel sind verschüttet. An den Wänden hängen grelle Urlaubsmotive mit Postkartensprüchen. "Jetlag is for Amateurs", oder "To travel is to live" steht auf den Fotografien, auf denen Schwarze Menschen in Bikinis oder inmitten tropischer Gärten gezeigt werden. Cristelle Oyiri hat den ganzen Stand der Galerie Gathering mit dem für sie charakteristischen stechenden Hellgrün hinterlegt. Wie ein verschütteter Drink sickern Fragen nach Privilegien und Stereotypen ins Bewusstsein.

Gathering, Frieze London, Regent's Park, Booth F20


Sophia Al Maria beim Frieze Artist Award

"Stand-up-Comedy ist die billigste Kunstform, die es gibt, und ich will viel von dem Preisgeld für mich behalten", sagt Sophia Al Maria bei ihrem ersten Auftritt als Comedian. Nur ein mit einer Mauer bemalter Stoffhintergrund ist ihr Requisit. Die Künstlerin hat den Preis der Frieze London erhalten und stellt sich jeden Messetag ihrem Publikum, ohne Erfahrung in diesem Fach. "Komik ist nicht das Instrument der Herrschenden", begründet sie in ihrem streckenweise sehr ernsthaften, originellen Vortrag. "Comedy kann den Mächtigen die Wahrheit sagen."

Frieze Artist Award, Frieze London, Booth P1, Auftritte von Sophia Al Maria am Freitag, 17. Oktober, 16.30 Uhr, Samstag, 18. Oktober, 15 Uhr, Sonntag, 19. Oktober, 16.30 Uhr

Texte: Elke Buhr und Silke Hohmann