Streamingtipps

10 Kunst-Filme, die sich im März lohnen

ASMR-Malerei mit Bob Ross, Machtkämpfe bei Gucci und Urkino mit Werner Herzog: Das sind unsere Streamingtipps für Kunst-, Film- und Serienfans im März

ASMR-Mal-Tutorials

"Was immer man gelernt hat, von guter Kunst erwarten zu dürfen, bei Bob Ross wird man nichts davon finden", bringt es Monopol-Redakteur Sebastian Frenzel auf den Punkt. Und gerade deshalb ist Ross eine Kultfigur: Dauerwelle, Vollbart – und dieses Lächeln. 

In seiner TV-Show "The Joy of Painting" demonstriert der Fernsehmaler, wie es jedermann zu Hause mit seiner patentierten Nass-in-Nass-Technik gelingt, idyllische Wälder oder unberührte Schneelandschaften zu malen – in nur 26 Minuten. Sein Credo: Malen macht glücklich, und warum sollte das nicht jeder sein. Zwischen 1983 und 1994 entstanden 31 Staffeln mit insgesamt 403 Folgen – eine der erfolgreichsten Malsendungen überhaupt.

Wer nicht länger darauf hoffen will, Ross nur zufällig spät nachts beim Zappen durchs lineare Hotelfernsehen zu erwischen, kann jetzt in der ARD genüsslich ganze Folgen schauen. Zur Entspannung. Denn ASMR-Anhänger schwören auf Bob Ross. Kaum etwas sei so einschläfernd wie eine Folge von "The Joy of Painting": das regelmäßige Wischen des Pinsels auf der Leinwand, dazu die sonore Stimme, mit der Ross seine glücklichen Bäume beschreibt, bevor er sie sanft auftupft. Ross selbst schien die therapeutische Wirkung seiner Sendung auch begriffen zu haben: "Ich möchte eine Atmosphäre der Ruhe und des Friedens schaffen, in der Menschen ihren alltäglichen Sorgen und Problemen entfliehen können."

"Bob Ross", mehrere Folgen, ARD-Mediathek, unterschiedliche Laufzeiten

"The Joy of Painting", 1983–1994
ARD

"The Joy of Painting", 1983–1994

Macht macht Mode

"Die erste Generation baut auf, die zweite baut aus und die dritte zerstört." Mit diesem italienischen Sprichwort eröffnet "Gucci: Luxus, Lust und Drama" – und setzt damit den Ton für das, was folgt: Der Aufstieg von Gucci zur Weltmarke ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte, sondern auch ein Familiendrama. Spätestens seit dem Spielfilm "House of Gucci" (nach dem Buch von Sara Gay Forden) sind Intrigen, Erbstreit und Machtkämpfe Teil des Mythos um die Marke. 

Die Arte-Doku erweitert den Blick: Sie zeigt, wie viele Akteure – jenseits der Familie – Guccis Image geprägt haben, und lässt neben Modeexperten auch Buchautorin Forden zu Wort kommen. Am Anfang steht Gucci für tragbares "Dolce Vita". Später, als das Haus nicht mehr in Familienhand ist, wird ausgerechnet ein Amerikaner zum Wendepunkt: Mit seinen skandalös-sexy Inszenierungen zieht Tom Ford Gucci aus der Krise. Die Doku zeichnet diese Phase als prägenden Neustart nach – und zeigt, wie eng Hype und Erneuerung an eine kreative Handschrift gekoppelt sein können. Auch die poetische "Guccimania" unter Alessandro Michele wird beleuchtet, ebenso wie das Intermezzo von Sabato De Sarno als Kreativdirektor. Spannend zu sehen: In diesem Karussell aus Machtwechseln kann eine kreative Leitung die Marke retten – oder sie in die nächste Krise schicken.

"Gucci: Luxus, Lust & Drama", Arte-Mediathek, bis 27. März

Maurizio Gucci und Patrizia Reggiani bei der Erstkommunion ihrer Töchter Allegra und Alessandra
Arte / © Best Image

Maurizio Gucci und Patrizia Reggiani bei der Erstkommunion ihrer Töchter Allegra und Alessandra
 

Pointen in Raketengeschwindigkeit

Um Hannah Gadsby war es zuletzt ruhiger geworden: Das jüngste eigene Stand-up-Programm "Woof", das auch auf Netflix zu sehen ist, liegt zwei Jahre zurück. Jetzt hat die international bekannte Stand-up-Größe die Show als Audio-only-Album weltweit kostenlos online veröffentlicht – und dazu einen collageartigen Animationsclip auf YouTube, der es in sich hat. 

Gadsby selbst bezeichnet das 20-minütige Werk als "Fiebertraum". Wild assoziiierend springt der Kopf hinter dem Überraschungserfolg "Nanette" von einem Thema zum nächsten – von Walen über Swifties bis hin zu Frauenfußball. Die visuelle Ebene des Videos ist spektakulär: Handpuppen verleihen Gadsby eine Stimme, es öffnen sich Layer, Fenster und Ordner – und immer wieder treten originelle Gedankengänge hervor, noch eine Pointe und noch eine treffende Beobachtung über den Umgang mit Erfolg, Identität und Alltagsängsten. Monty Python auf Speed. 

"Woof! by Hannah Gadsby", YouTube

 

Sixtinische Kapelle der Steinzeit

1994 entdeckten drei Forscher in Südfrankreich eine Höhle, die seit einem Felssturz rund 32.000 Jahre lang versiegelt gewesen war. Mehr als 400 Malereien blieben so konserviert: Tiere in Bewegung, überlagerte Konturen, angedeutete Perspektiven. Bilder, die erstaunlich modern wirken – als hätten die Menschen damals schon gewusst, wie man mit Linien Zeit sichtbar macht. Nach der Entdeckung wurde die nach einem der Forscher benannte Chauvet-Höhle sofort abgeriegelt. Nur wenige Wissenschaftler*innen erhielten Zutritt – und Werner Herzog

In seinem Dokumentarfilm "Die Höhle der vergessenen Träume" steht er im Spezialanzug vor den Bildern und sagt: "Urkino". Ihn interessieren sie nicht nur als archäologische Funde, sondern als Moment, in dem etwas beginnt: symbolisches Denken, ästhetisches Bewusstsein. Immer wieder wechselt er das Register, lässt Fakt und Fiktion ineinandergreifen. Etwa wenn ein Wissenschaftler die exakte virtuelle Nachbildung der Höhle erklärt, Herzog zuhört und fragt: "Das ist wie das Telefonbuch von Manhattan – vier Millionen Nummern, aber wovon träumen diese Menschen?"

"Die Höhle der vergessenen Träume", Mubi

Filmstill, Werner Herzog "Die Höhle der vergessenen Träume", 2010
Foto: Mubi

"Die Höhle der vergessenen Träume", Filmstill, 2010

Berlin-Krimi

Die Filme des deutsch-türkischen Regisseurs Thomas Arslan werden der "Berliner Schule" zugerechnet. Der Begriff ist unscharf, vielleicht nur ein Marketing-Label. Doch Arslans Vorliebe für präzises Erzählen und verschlossene Figuren – Eigenschaften, die der "Berliner Schule" allgemein zugeschrieben werden, ist unverkennbar. 

Sein jüngster Film trägt den Titel "Verbrannte Erde" (2024). Auf leisen Sohlen kehrt darin der Berufskriminelle Trojan nach Berlin zurück, der in Arslans "Im Schatten" (2010) nach einem gescheiterten Geldtransporterüberfall untertauchen musste. Im Sequel beteiligt sich Trojan (cool: Mišel Matičević) am Diebstahl des Caspar-David-Friedrich-Gemäldes "Frau vor der untergehenden Sonne" aus dem ehemaligen Museumskomplex in Berlin-Dahlem. Ein düsterer, souverän inszenierter, zugleich aber packender Film noir, in dem die Sonne kaum aufgeht.

"Verbrannte Erde", Arte-Mediathek, bis 10. März

"Verbrannte Erde", Filmstill, 2024
WDR / © Schramm Film 2024

"Verbrannte Erde", Filmstill, 2024

Was Neues von Wong Kar-Wai

Nach Filmen wie "Chungking Express" (1994), "In the Mood for Love" (2000) und "The Grandmaster" (2013) hat Wong Kar-Wai nun erstmals eine TV-Serie realisiert: Blossom Shanghai, nach einem Roman von Jin Yucheng. 

Vor der Kulisse des neonbeleuchteten Shanghai der 1990er-Jahre verfolgt die Serie den Aufstieg Ah Baos (Hu Ge): Aus einem unscheinbaren jungen Mann wird "Mr. Bao", eine Figur der boomenden Geschäftswelt. Rückhalt bekommt er aus seinem Umfeld – von Mentor Onkel Ye (You Benchang), der Restaurantbesitzerin Ling Zi (Ma Yili) und Miss Wang (Tang Yan) vom Außenhandelsamt, die jeweils unterschiedliche Seiten einer Stadt im Umbruch charakterisieren. Unruhe bringt die Ankunft einer rätselhaften Frau (Xin Zhilei), die mit der Eröffnung des Restaurants The Grand Lisbon bestehende soziale und geschäftliche Routinen stört. Parallel verschärft sich die Lage an der Börse; zudem setzt der Geschäftsmann Mr. Qiang aus Shenzhen zu einem gezielten Angriff an. So erzählt die Serie vom Wandel einer Metropole – und davon, was dieser Wandel für die Menschen bedeutet. Veröffentlicht werden die 30 Episoden in drei Teilen: Alle vier Wochen erscheinen zehn Folgen à 45 Minuten.

"Blossoms Shanghai", 1. Folge, Mubi

"Blossoms Shanghai", Wong Kar-Wai, Filmstill, Mubi, 2023
Mubi

"Blossoms Shanghai", Filmstill, 2023

Zwischen Worpswede und Paris

Paula Modersohn-Becker wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. Das Dresdner Albertinum widmet ihr gerade eine Duo-Ausstellung mit Edvard Munch – und in der Arte-Mediathek läuft eine Doku über die Künstlerin. "Worpswede, Worpswede, Worpswede. Birken, Birken, Kiefern und alte Weiden. Schönes braunes Moor, köstliches Braun", schrieb sie im Sommer 1897 in ihr Tagebuch. Ihre erdige Malerei hat man sofort vor Augen. Julia Voss beschreibt sie in der Doku treffend: "Wie aus massivem Ton" sähen die Figuren aus, "ganz schwer, mit trockener Oberfläche" – nicht, als würden sie gleich wegspringen, sondern als würden sie bleiben. Manchmal sind es genau solche Beschreibungen, die Lust machen, genauer hinzusehen.

Neben Kuratorinnen und Biografinnen kommen auch zeitgenössische Künstlerinnen zu Wort. Am stärksten hängen bleiben die Tagebucheinträge, die eine Schauspielerin (Katharina Stark) zitiert. Sie sind ungefiltert, direkt, erstaunlich modern. Wie ihre Malerei. Anschaulich erzählt die Doku ihr Leben zwischen der Künstlerkolonie Worpswede – mit Clara Westhoff, Rainer Maria Rilke und Otto Modersohn – und Paris. Sie zeigt die Widerstände, gegen die sie anmalte: wie ihr Ausbildung, Anerkennung und Selbstständigkeit als Frau systematisch erschwert wurden. Eindrücklich, was sie in diesem kurzen Leben trotz allem schaffte. 1906 malte sie in Paris das berühmte Akt-Selbstporträt mit Kette und gewölbtem Bauch – obwohl sie damals nicht schwanger war und es, wie die Doku nahelegt, auch nicht werden wollte. Schließlich wurde sie es doch. Mit 31 Jahren starb sie wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter an Komplikationen. „Wie schade“, sollen ihre letzten Worte gewesen sein. Ja, wirklich schade.

"Paula Modersohn-Becker. Keine Kompromisse", Arte-Mediathek, bis 7. Februar 2027

"Paula Modersohn-Becker. Keine Kompromisse", Filmstill, 2025
NDR / © Kinescope Film/Janne Ebel 2025

"Paula Modersohn-Becker. Keine Kompromisse", Filmstill, 2025

Der Kampf um die Leichtigkeit auf dem Eis

Bei den diesjährigen Olympischen Winterspielen in Italien hat eine Disziplin erstaunlich viel Publikum angefixt: Eiskunstlauf. Netflix greift den Hype mit der dreiteiligen Dokumentation "Glitter & Gold: Ice Dancing" auf – ein Blick hinter die Kulissen, wo aus Wiederholung und Selbstzweifeln Perfektion wird.

Porträtiert werden zwei konkurrierende Duos. Die US-Stars Madison Chock und Evan Bates, dreifache Weltmeister, sind auf dem Eis und im echten Leben ein Paar. Choreografien und Kostümwahl werden analysiert; die Kamera begleitet Proben und bleibt auch in stillen Momenten, etwa beim Schminken in der Umkleide. Ihre Rivalen kommen aus Kanada: Piper Gilles und Paul Poirier, zweifache Olympia-Silber-Gewinner, bekannt für unkonventionelle Küren und popkulturell inspirierte Looks.

Die Doku zeigt eindrücklich, wie sehr im Eistanz alles am passenden Partner hängt: Vertrauen, Timing, Abhängigkeit. Zusammen vollführen sie eine ganz eigene Kunst – Höchstleistung so aussehen zu lassen, als wäre sie mühelos. Denn wie es gleich zu Beginn heißt: "It’s the only Olympic Sport where we are creating a piece of art."

"Glitter & Gold: Ice Dancing", Netflix

 

Wegbereiter der Abstraktion

Brancusis Geschichte hat etwas Märchenhaftes: Aus einfachen Verhältnissen kommend, landet der rumänisch-französische Bildhauer im Zentrum der Pariser Avantgarde – und wird später zu einer Schlüsselfigur der modernen Skulptur.

Eine Arte-Doku folgt nun seinem Weg und zeigt, wie Brancusi mit radikal reduzierten Formen die Skulptur von der akademischen Wucht befreite. Perfekte Vorbereitung für seine Ausstellung in Berlin, die ab 20. März in der Neuen Nationalgalerie zu sehen sein wird. Anhand historischer Aufnahmen – viele von Man Ray – folgt der Film behutsam dem Mann mit dem grauen Vollbart. Er zeigt, wie Brancusi sich in seinem Atelier zwischen Skulpturen und Materialien hindurchschlängelt, dabei ab und zu auf einen Marmorblock einschlägt – immer mit Zigarette im Mundwinkel. So schafft die Doku einen Zugang zur Gedankenwelt des Bildhauers, der mit den Vätern der Skulptur brach, um seine eigene Sprache zu finden: Über Da Vinci spottete Brancusi, er habe "bloß Muskeln" dargestellt. Und Rodin verließ er mit dem Satz: "Nichts wächst im Schatten großer Bäume". Später begründete Brancusi seinen Weltruhm ausgerechnet mit einer Variation des "Kusses" – jener Skulptur, mit der Rodin Kunstgeschichte schrieb.

"Brancusi – Der Erfinder der modernen Skulptur", Arte-Mediathek, bis 18. April

Selbstporträt von Brancusi in seinem Atelier, um 1934
ARTE F / © Centre Pompidou MNAM-CCI/Dist. RMN-GP/Succession Brancusi/ADAGP, Paris

Selbstporträt von Brancusi in seinem Atelier, um 1934

Bitterkomische Maschinerie der Erwartungen

Thelonious "Monk" Ellison ist 50 Jahre alt, Schriftsteller und Uni-Dozent – und er steckt in einer Sackgasse: Bei seinen zartbesaiteten Studenten schrillen die Trigger-Alarmglocken, sobald er sie mit historischen Romanen konfrontiert, und auch mit seinen eigenen Büchern ist er weitgehend erfolglos. Zu anspruchsvoll sei sein Werk – komplexe, theoretische Überarbeitungen antiker griechischer Dramen –, als Schwarzer Autor möge er doch lieber "Schwarze" Bücher schreiben und sich auf den Kampf der Schwarzen in den USA konzentrieren, so sein Verleger. Als dann eine Kollegin mit ihrem klischeebeladenen Debüt "We’s Lives In Da Ghetto" über Nacht zum Kritikerliebling avanciert, stürzt Monk in die Krise und begibt sich auf eine Reise zu seiner Familie. Seine Mutter ist an Demenz erkrankt. 

Cord Jeffersons Film "American Fiction" basiert auf dem Roman "Erasure" von Percival Everett, der nicht nur ein großartiger Schriftsteller, sondern auch abstrakter Maler ist – und in beiden Gattungen seinen Kampf mit Fragen der Repräsentation ausficht. "Erasure" erschien bereits 2001 und hat als scharfsichtige Satire auf den US-Literaturbetrieb und akademische Wokeness-Exzesse nichts an seiner Aktualität verloren. 

Jeffersons Verfilmung, die 2024 für fünf Oscars nominiert war, ist dabei weniger Gesellschafts- als Charakterstudie. Jenseits der Auseinandersetzung mit den Rollen, die die Außenwelt Monk zuweisen, stellt ihn die Erkrankung der Mutter auf fundamentalere Weise vor die Frage, wer er eigentlich ist. Wie immer bei Everett ist das Tragische garniert mit einer gehörigen Portion Humor: Gerade in dem Moment, als Monk seinem Verleger am Telefon erklärt, dass er eigentlich nicht an die Idee von race glaube, lässt ihn ein Taxi stehen und sammelt den Weißen auf, der zehn Meter weiter an der Straße steht. Apropos: 25 Jahre nach dem englischen Original erscheint "Erasure" in diesem Frühjahr auch auf Deutsch.

"Amerikanische Fiktion", ARD-Mediathek, bis 23. März

"Amerikanische Fiktion", 2023
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"Amerikanische Fiktion", Filmstill, 2023