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3 Highlights aus den Grisebach-Herbstauktionen 2021

Vom 1. bis 3. Dezember finden die Herbstauktionen bei Grisebach in Berlin statt. Wir stellen hochkarätige Werke von Maria Lassnig, Norbert Schwontkowski und A.R. Penck vor

Am 2. Dezember kommt es zu einem weiteren Höhepunkt der Jubiläumsauktionen bei Grisebach: hochkarätige Werke zeitgenössischer Künstler aus der bedeutenden Sammlung der Berliner Sparkasse werden zum Aufruf kommen. Über 50 ausgewählte Kunstwerke aus dieser vielschichtigen und qualitätvollen Sammlung der Kunst der 1990er Jahre, die eine neue Zeit nach der Maueröffnung und den Aufbruch Berlins in einer der spannendsten Phasen der Stadtgeschichte reflektiert, werden in einem Sonderkatalog und im Rahmen einer eigenen Vorbesichtigung präsentiert.

Highlights der Auktion sind die sieben frühen Arbeiten von Neo Rauch, die eine Sammlung innerhalb der Sammlung bilden und von der typisch rätselhaften und mystischen Bildsprache des Künstlers bestimmt sind (zwischen 40.000-120.000 EUR), Maria Lassnigs "Hände" von 1989 als signifikante Arbeit einer der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart (180.000-240.000 EUR), eine von Christos großen farbigen Collagen des "Wrapped Reichstag (Project for Berlin)" von 1994 (300.000-400.000 EUR), Markus Lüpertz‘ opulente malerische Geste "Traube" von 1971 (100.000-150.000 EUR) sowie gleich zwei abstrahierte Landschaften Per Kirkebys‘: "Søm-Sommer" von 1988 und "Die Zeit nagt I." von 1992, deren Formen maßgeblich durch die Farbgebung definiert werden (120.000-150.000 resp. 150.000-200.000 EUR).

Ein weiterer Höhepunkt der Versteigerungen ist eine großformatige, spannungsvolle Papierarbeit des Amerikaners Christopher Wool von 1989 – ein eindrucksvolles Beispiel für seine künstlerische Praxis des Non-Finito (Schätzpreis 300.000-400.000 EUR). Der Erlös wird gesellschaftlichen Einrichtungen in Berlin zugutekommen, für die sich die Berliner Sparkasse als eine der größten Förderinnen des Gemeinwohls in Berlin umfassend engagiert.


Maria Lassnig
Hände. 1989
Öl auf Leinwand. 145 × 205 cm
Schätzpreis EUR 180.000–240.000

Maria Lassnig "Hände", 1989
Foto: Courtesy Grisebach, VG Bild-Kunst, Bonn, 2021

Maria Lassnig "Hände", 1989


Zwei Highlights von Norbert Schwontkowski

Rätselhaft, melancholisch, fantastisch – Elena Sánchez, Expertin für Zeitgenössische Kunst bei Grisebach, führt durch Norbert Schwontkowksis poetische wie humorvolle Bilder:


Norbert Schwontkowski
"STUTENBISS (BURLESKE)". 2007
Öl auf Leinwand. 160 × 130 cm
Schätzpreis EUR 30.000-40.000
Auktion Zeitgenössische Kunst am 3. Dezember, 18 Uhr


"The Battle". 2011
Öl auf Leinwand. 150 × 130 cm
Schätzpreis EUR 30.000-40.000
Auktion Ausgewählte Werke am 2. Dezember, 18 Uhr


Spielen und Bauen mit A.R. Penck

Jahrzehntelang geisterten die Strichmännchen in großer Zahl im Werk von A.R. Penck frei herum – lange vor Keith Haring (1958-1990) und Jean Michel Basquiat (1960-1988) –, bis der Künstler in den 2000er-Jahren begann, diese Figuren fester ins Universum seiner Zeichen einzugliedern. Dafür ist das Bild "Spielen und Bauen" ein großartiges Beispiel.

Die Spannung zwischen System und Anarchie, von der das gesamte Werk des Künstlers lebt, ist hier auf den Höhepunkt gebracht. Die Strichmännchen werden zur Ordnung gerufen. Zwei von ihnen stützen einzelne Elemente der Konstruktion, einer stürzt kopfüber ab. Bedrohlich groß und schwarz beherrscht eine für Bauzeichnungen gebräuchliche T-Schiene das Feld und hält die Komposition zusammen. Da kommt der subversive Humor von Penck ans Licht. Von diesem Bild mit seinen starken Primärfarben Rot, Blau, Gelb und den smaragdgrünen Akzenten geht Kraft aus. Es leuchtet. Vielleicht hat Penck, der auch als Schlagzeuger in Free-Jazz-Zirkeln auftrat, hier eines seiner freien Improvisationsspiele in die Malerei übersetzt.

An Kraft und Mut hat es dem 1939 als Ralf Winkler in Dresden geborenen Penck, der als Kind die Luftangriffe auf seine Heimatstadt erlebte und für den später die Konflikte mit den Behörden der DDR programmiert waren, nie gefehlt. Die Kunsthochschulen lehnten ihn ab und die Aufnahme in den Verband Bildender Künstler blieb ihm verwehrt. Er hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser.

1980 wurde Penck aus der DDR ausgebürgert, kam in den Westen und zog mit seinen Gemälden sofort in die großen Museen der Republik ein. Ihm war es wie wenigen Künstlern der DDR gelungen, die Aufmerksamkeit der Kunstwelt jenseits der Mauer früh auf sich zu lenken. Seine Teilnahme an der Documenta 1972 in der Abteilung "Individuelle Mythologien", zu der er selbst nicht ausreisen durfte, brachte den internationalen Durchbruch.

Nach seiner Ausbürgerung verarbeitete er die enorme Veränderung in seinem Leben mit zahlreichen Großformaten zum Thema Ost-West. Die DDR ist eine Wüste, der Westen ein Dschungel, sagte er einmal.

Penck gilt als einer der Hauptvertreter der Neuen Wilden, die in den frühen 80er-Jahren aus Protest gegen die als blutleer empfundene Minimal- und Konzeptkunst eine unbekümmerte und subjektive Malerei pflegten, zeitgleich mit ihrem mittelmeerischen Gegenstück, der Transavanguardia. In seiner universell verständlichen Bilderzeichensprache verschmelzen die Erinnerung an die Höhlen der Steinzeit und die aktuelle Zeitgeschichte in einer einzigen Bildwelt. 

Text: Ute Diehl
 

A.R. Penck "SPIELEN UND BAUEN". 2002
Acryl auf Leinwand. 140 × 179 cm
Schätzpreis EUR 150.000-200.000

Auktion Zeitgenössische Kunst am 2. Dezember, 18 Uhr

A.R. Penck "Spielen und Bauen", 2002,  Acryl auf Leinwand, 140 × 179 cm, Schätzpreis EUR 150.000–200.000
Foto: Photostudio Bartsch, Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

A.R. Penck "Spielen und Bauen", 2002,  Acryl auf Leinwand, 140 × 179 cm, Schätzpreis EUR 150.000–200.000