Kunstmesse

5 Highlights der Art Düsseldorf

Kunstmesse in Industriehalle: Besucherströme im Mittelgang, weiße Galeriestände beidseits
Foto: dpa

Blick auf die Kunstmesse Art Düsseldorf

Große Knetfiguren, Biermarken als Malgrund und ein Fuchs aus Schriftfragmenten: Die Art Düsseldorf zeigt Gegenwartskunst zwischen Humor, Politik und globalen Krisen. Fünf Stände, die ins Auge fallen und ins Denken greifen

Galerie Crone, Christian Jankowski, H05

Christian Jankowski interessiert sich immer schon für die Perspektive derjenigen, die nicht mit der Kunstwelt fest verbunden sind, und bindet sie in seine Projekte mit ein. Ob Fußmasseure, Gewichtheber oder Schulkinder. Auf seinem Stand bei Crone auf der Art Düsseldorf werden große gelbe Skulpturen gezeigt, die ein bisschen ungelenk oder unförmig wirken, aber dennoch eine gute Power ausstrahlen. Es sind hochskalierte Knetfiguren, die der Künstler mit Kindern in Norddeutschland entwickelte. Zunächst fragte er die Schülerinnen und Schüler, was ihnen in ihrer Stadt oder an ihrer Schule fehle, dann ließ er sie diese Desiderate von ihnen pantomimisch darstellen, und anschließend diese Verkörperung aus Knetmasse formen. Zum Beispiel den "Schrank gegen dumme Sprüche", den man jetzt bei Crone kaufen kann. Dass Notwendigkeit und Humor gute Partner sind, führt Jankowski am eigenen Leib vor: "Hooping Guggenheim" zeigt den Künstler in großformatigen Schwarzweißfotografien, wie er versucht, ein fragmentiertes Modell des charakteristischen Rundbaus des Guggenheim Museums im Hula-Hoop oben zu halten.

Studiofoto: Person im Anzug, von großen weißen und schwarzen Ringen um Torso und Beine umgeben.
Courtesy Galerie Crone

Christian Jankowski "Hooping Guggenheim 6", 2022/2025


Dittrich & Schlechtriem, Julian Charrière, F06

Die Bildwelten von Julian Charrière sind deshalb so besonders, weil sie einerseits so unwirklich aussehen und andererseits an ihnen nichts erfunden ist. Bei seiner Expedition ins Eismeer machte er mit Unterwasserdrohnen faszinierende Bilder von den Eisformationen. Statt dem gleißenden Gletscherweiß sind die Bilder dunkel mit wenigen Nuancen. Die Formationen sind schöner als die meisten gemachten Kunstwerke. Charrière arbeitet die Ästhetik mit viel technischem Aufwand heraus. Aber sie ist nicht Selbstzweck, sondern öffnet – so die Hoffnung – das Tor zum Bewusstsein für die prekäre Situation des Planeten. In "Empire" sind Kokosnüsse, die auf den Marshallinseln gesammelt wurden – an Orten, an denen in den 1950er-Jahren US-Atomtests stattfanden –, einzeln in Blei eingehüllt und wie Munition auf einem traditionellen Inuit-Schlitten aus Grönland gestapelt. Das Werk ist nicht etwa aus diesem Jahr, und wirkt doch so: ständig aktualisiert von den Nachrichten.


Petra Martinez: Jody Korbach, I01.8

Vieles in den Bildern von Jody Korbach bezieht sich auf etwas, das man schon mal gesehen hat. Der Künstler im Atelier, der vom Arbeiterführer angeschrien wird: Das war doch Jörg Immendorff, der die Frage "Wo stehst Du mit Deiner Kunst, Kollege?" mit viel Pathos in die Ausstellungsräume brachte. Bei Korbach steht da "Kommst du jetzt mit saufen, oder was?", der Malhintergrund des großen Formats besteht aus Biermarken. Die Künstlerin überträgt die damalige Gretchenfrage des DKP-Mitglieds Immendorff auf die Gegenwart, in der man sich noch viel häufiger gezwungen sieht, Stellung zu beziehen. Jody Korbach, geboren 1991 und Absolventin Christopher Williams in Düsseldorf, malt nicht nur toll mit einem lasierenden und dennoch opulenten Strich, sie hat auch sehr gute Werktitel: "Zähneputzen" ist eine Wandskulptur eines Spiegel-Badschranks, in dessen eine Hälfte zwei halbe Bundesadler eingefräst sind. Ein bisschen Bonner Republik, ein bisschen längste Theke der Welt, gesehen durch die Brille einer klugen jungen Malerin.


Sies + Höke, G05

Im unvermeidlichen Koje-an-Koje aller Kunstmessen – auch auf einer so lichten und großzügigen wie der Art Düsseldorf – freuen sich die Augen über Abwechslung. Gerade, wenn die Galerien keine Einzelposition zeigen, sondern ein Best-of ihrer Künstlerinnen und Künstler ausstellen. Die Galerie Sies + Höke hat gerade aus der Vielfalt aber ein geschmackssicheres Interieur gemacht: Vor dem vereinenden Hintergrund einer farbigen Tapete (auch das ein Kunstwerk) versammeln sich Positionen wie Andi Fischer, Gerhard Richter oder Daniel Richter. Die Tapete von Hedda und Roman ist käuflich, man erwirbt sie dann mit Option auf Erneuerung in allen Behausungen, die man im Leben noch so bezieht. Mit KI generiert, ist jede ein Original. Genau dieses potenzielle Wohngefühl ist es, das bei Kunstkäuferinnen und -käufern möglicherweise in diesen Tagen wirksam sein könnte.


Esther Schipper, D06

Die Stände der Galerie Esther Schipper wirken immer, egal ob in Basel, London oder Paris, einerseits wegen der hohen Qualität der Kunst, andererseits aber auch wegen eines guten Händchens für Raum, Farbe und Platzierung. Die Berliner Galerie ist nicht der einzige Neuzugang auf der Art Düsseldorf, aber fällt sofort auf. Cemile Sahin und Simon Fujiwara verpacken ihre komplexen Themen in Knallarben, Julius von Bismarck macht Front mit seiner Reihe von Polizisten vor der Berliner Nationalgalerie. Nicht zu gefällig, aber gefällt gerade deswegen. Irgendwo ist auch noch ein Fuchs aus poppigen Schriftfragmenten von Norbert Bisky als freistehende Skulptur im Messeparcours zu finden wie eine Spielfigur. Esther Schipper macht ihren Schachzug weg von Köln hin zur Art Düsseldorf, der guten Laune und des guten Lichts in den Hallen wegen.