7 x 14

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„14 x 14“ war einmal ein Label. Eine legendäre Ausstellungsreihe der Kunsthalle Baden-Baden, die zwischen 1968 und 1973 in rascher Folge junge künstlerische Positionen aus Deutschland zeigte. Wem die Gnade der frühen Geburt beschieden, dem fallen Bilder von Vernissagenabenden ein, die an eine gesprengte Vorlesung im Audimax erinnern. Und immer mitten drin: der damalige Kunsthalle-Direktor Klaus Gallwitz, elegant im Chaos moderierend. So gediegen wie jetzt bei der Rekonstruktion nach bald 40 Jahren ging es jedenfalls niemals zu.
„14 x 14“ ist aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Kunsthalle Baden-Baden zu „7 x 14“ geworden, und Kunsthalle-Chefin Karola Kraus hat zum Auftakt der Reihe aus dem bunten Album von damals vor allem ausgesucht, was ihren Vorlieben für das formal Reduzierte, konzeptuell Strenge entspricht. Blinky Palermo, Imi Knoebel, Ulrich Rückriem, Reiner Ruthenbeck oder Markus Lüpertz mit einer Passage aus schrägen Dachziegelwänden – ein sehr aufgeräumtes Museum der frühen 70er-Jahre.
Nicht alle Künstlerinnen und Künstler, die seinerzeit für jeweils zehn Ausstellungstage eingeladen waren, sollten das kunstbetriebliche Klassenziel erreichen, Ferdinand Kriwet ist bald vergessen worden, Almut Heise blieb die Außenseiterin, die sie schon damals war, andere wie Georg Baselitz oder Gerhard Richter rückten rasch auf zur Marktelite.
Wie gut informiert und visionär die Ausstellungsreihe angelegt gewesen war, macht gerade der retrospektive Querschnitt anschaulich. Mit Michael Beutler, Kalin Lindena, dem Team Silberkuppe, Friedrich Kunath, Dirk Bell, Alex Müller, Shannon Bool und Henning Bohl will man in den nächsten Wochen die Tradition fortsetzen. Man wird sehen, wie tragfähig das Format noch ist und ob sich ein wenig von der alten Kundschafter- und Goldgräberstimmung wiederbeleben lässt.

 

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, bis 12. Juli 2009

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