Messe-Tipps

7 Highlights der Art Karlsruhe

"MARS!"-Station des ZKM auf der Art Karlsruhe
Foto: © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Felix Grünschloß

"MARS!"-Station des ZKM auf der Art Karlsruhe

Auf der Art Karlsruhe treffen experimentelle Fotografie, skulpturale Landschaften und Visionen des Alls aufeinander. Hier sind unsere Messe-Highlights

Taubert Contemporary

Axel Lieber liest gerne Comics. Und ebenso gern macht er aus ihnen Kunst. Dafür vergrößert er einzelne Heftseiten, übermalt die Texte und entfernt die Bilder, bis nur noch die Struktur übrigbleibt. Aus den semantisch entkernten Seiten werden Wandobjekte: kleine konstruktivistische Häuser, eine "Black Box" oder ein "White House", in denen Form und Farbe die Superhelden sind und deren Leerstellen wir mit unseren eigenen Geschichten füllen können.

ZKM

Bisschen ungerecht ist es ja schon, dass ausgerechnet jene, die sich derzeit maßgeblich an der Zerstörung des Planeten bereichern, nebenbei schon das Weltall erobern, um sich, ihr tolles Erbgut und ihre Fantastrillionen alsbald in Sicherheit zu bringen. "Wird der Mars zur Exit-Strategie der Superreichen", fragt auch das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) – und setzt dem Szenario ein eigenes Forschungsprojekt entgegen, das die Besiedelung unseres Nachbarplaneten als demokratisches Gemeinschaftsprojekt imaginiert. Einen Vorgeschmack gibt jetzt die Präsentation auf der Art Karlsruhe, wo ein kleines Mars-Habitat aufgebaut ist mit zeltartigen Unterkünften aus goldener Alufolie, in die das Publikum hineinschlüpfen kann. Drinnen gibt es elektrische Meerschweinen als Haustiere, sieht man draußen das Messetreiben, während man drinnen unsichtbar ist und auch etwas einsam. Vielleicht überlassen wir das All doch den Techbros, dann sind wir sie los und können es uns hier auf der Erde wieder gemütlicher einrichten.

Judith Andreae

"Fotos so lange misshandeln, bis auch der letzte Rest von Sonntagsanzugglanzabzug raus ist" – so hat Johannes Brus seine Herangehensweise einmal beschrieben. Tatsächlich tut der Künstler seinen Motiven einiges an: Seine Fotografien werden mehrfachbelichtet, mit Säuren ausgeblutet, handkoloriert und zerknautscht – es ist fast eher eine bildhauerische Tätigkeit. Seine psychedelisch-humorvollen Fotoexperimente – nicht unähnlich den Manipulationen eines Sigmar Polke – gelten mal ihm selbst ("Selbstporträt mit Haarplastik"); er lässt aber auch mal Geistertücher schweben oder lädt zu einer Gemüseparty, bei der die Gurken aus seinem Garten auf einem Tisch tanzen. Und das ganz ohne Sonntagsanzug.

Sektion "academy:square"

Seit drei Jahren gibt es die Sektion, die den künstlerischen Nachwuchs der Region in den Blick nimmt und Absolventinnen und Absolventen der Kunstakademien der Region versammelt. Die kuratierte Sonderausstellung ist ganz klar ein Ort der Entdeckungen und nebenbei ein Crashkurs zur Frage, wie eine junge Generation sich einen reimt zu machen versucht auf die Gegenwart. Am besten schaut man sich die gesamte Präsentation, das gesamte Spektrum an Sorgen, Leidenschaften, Träumen an – und die höchst originellen Wege, sie in Kunst zu übersetzen.

Felix Wagner "Broke Youth", 2024
Foto: © Felix Wagner

Felix Wagner "Broke Youth", 2024

Galerie Eric Mouchet

Französische Händler haben auf der Art Karlsruhe traditionell eine starke Präsenz. Aus Paris angereist ist die Galerie Eric Mouchet, die eine hochkarätige Mischung aus modern-avantgardistischen und zeitgenössischen Positionen mitgebracht hat. An der Außenwand der Koje: die aus Afghanistan stammende, im Pariser Exil lebende Künstlerin, Performerin und Aktivistin Kubra Khademi, deren kraftvollen Zeichnungen und Malereien so humorvoll wie provokant von Emanzipation und sexueller Selbstbestimmung in einer männerdominierten Gesellschaft erzählen.  

Zeichnung von Kubra Khademi bei der Galerie Eric Mouchet
Foto: Bertrand Michau, courtesy die Künstlerin und Galerie Eric Mouchet

Zeichnung von Kubra Khademi bei der Galerie Eric Mouchet

Galerie Poll

Eine roboterartige Figur, die in einem Schacht zwischen abstrakten Quadern liegt. Ein kaltes Städtemeer aus Buchstaben, die auch Brandmauern sein könnten, keine Spur von Natur und Menschen, Sinn und Verstand. Und mitten in einer marsähnlichen, ebenso toten Landschaft erhebt sich unter einer gläsernen Kuppel ein Swimmingpool, den niemand nutzt. Bettina von Arnims Öl-Gemälde zeigen eine techno-dystopische Welt, in der jedes Leben verloschen ist und nach der Zerstörung nur betonierte Muster und Maschinenmänner übrigbleiben, die wie begraben in den von ihnen zerstörten Landschaften liegen. So virtuos im Stil, so visionär sind die Werke der 1940 geborenen Künstlerin: Bettina von Arnim warnte bereits Ende der 1960er-Jahre vor der "Machtergreifung der Technokraten", blickte skeptisch auf Industrialisierung und die Eroberung des Weltalls. Ihre frühesten Arbeiten, die die Galerie Poll in der "re:disover"-Sektion zeigt, stammen aus den frühen 1970er-Jahren. Und könnten aktueller kaum sein. 

Bettina von Arnim "Schacht", 1973
Foto: © Bettina von Arnim / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, courtesy Galerie Poll, Berlin

Bettina von Arnim "Schacht", 1973


Galerie Schacher – Raum für Kunst

18 großzügige Skulpturenplätze sorgen in den Messehallen für Luft zwischen den Kojen. Claudia Thorban, deren Werke die Galerie Schacher präsentiert, hat dabei eine ganze Skulpturenlandschaft geschaffen. Ihre Installation aus mehr als einem Dutzend Werken bietet zahlreiche Blickachsen, spielt mit dem Davor und dem Dahinter, der Frage von Anfang und Ende des Werks, ja vielleicht auch der Welt. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind Naturformen wie Pflanzen, aber auch Kabel, die sie abfotografiert und digital zu abstrakten Formen bearbeitet, die sie anschließend auf Acrylglasplatten druckt. Diese Platten ruhen an Steinen – ebenfalls Fundstücken –, teils beschlagen, teils mit Moos bewachsen. Diese besondere Kombination entfaltet eine archaische, überzeitliche Aura, die die Grenzen zwischen organisch und unorganisch, gefunden und geformt auf eine geheimnisvolle Weise transzendiert.