Streaming-Tipps

8 Kunst-Filme, die Sie im September nicht verpassen sollten

Bauhaus-Serie "Die neue Zeit"
Foto: Zeroone Film

Bauhaus-Serie "Die neue Zeit"

Das Beste aus den Mediatheken: Die Kunstfilme im September testen das Suchtpotenzial des Bauhaus, die Kraft der Musik und die Geschwätzigkeit von Gemälden

Binge-Watching am Bauhaus 

Hat das Bauhaus Sucht-Potenzial? Zumindest hoffen das die Macher der Serie "Die neue Zeit", deren erste Folgen jetzt in der Arte-Mediathek verfügbar sind. In Kooperation mit dem ZDF widmet sich Regisseur Lars Kraume den ersten rebellischen Jahren des Bauhaus in Weimar und lässt die Ideale der frisch geborenen Kunstschule auf die konservative Nachkriegsgesellschaft prallen. Im Mittelpunkt steht nicht nur Gründer und Übermeister Walter Gropius (August Diehl), sondern auch die Studentin Dörte Helm (Anna-Maria Mühe), die sich aus ihrem engstirnigen Elternhaus zur Künstlerin freikämpft. Die Handlung ähnelt dem bereits ausgestrahlten ARD-Film "Lotte am Bauhaus", die Serie verkompliziert jedoch ganz nach amerikanischem Erfolgsrezept die Erzählstruktur. Als Rahmen dient ein Interview, das eine Journalistin mit Gropius als altem Mann in Massachusetts führt. Sie wirft ihm vor, die Frauen am Bauhaus unterdrückt zu haben - was Gropius in Erklärungsnot und zum Erzählen bringt. 

"Die neue Zeit", sechs Folgen, Arte-Mediathek, Folge 1 bis 3 bis 3. Dezember, Folge 3 bis 6 ab 5. September bis 12. Dezember 

 

Mit Janis Joplin den Blues kriegen

Wenn man um ihr tragisches Ende weiß, bricht es einem fast das Herz, die Sängerin Janis Joplin (1943-1970) als strahlende, vor Energie explodierende Musikerin zu sehen. Die Dokumentation "Little Girl Blue" von Amy Berg gibt sich nicht damit zufrieden, den Star zu poträtieren, der Menschen in Ekstase singen konnte. Sie zeigt Janis Joplin als empfindsame Person, die mit der Welt überfordert war. Viel Blues im Soundtrack natürlich inklusive.

"Janis - Little Girl Blue", ARD-Mediathek, bis 5. September  

 

 

 

Nachts im Museum

Was machen Bilder eigentlich, wenn sie allein sind? Mona Lisa hat die Schnauze voll vom immerzu lächeln und möchte von ihrem Agenten in ein anderes Gemälde versetzt werden. Aber das mit dem Lächeln, da kann sie nichts machen, ist alles vertraglich geregelt. Die amüsant absurden Minifilmchen "Bilder allein zu Haus" (viel besser der französische Titel "À Museé Vouz, À Musée Moi) erwecken zehn Meisterwerke der Kunstgeschichte zum Leben und lassen die Protagonisten über ihr Kunst-Sein reflektieren. Mit dabei: Werke von Matisse, Norman Rockwell und Grant Wood. 

Bilder allein zu Haus, Arte Mediathek, bis Januar 2020

"Bilder allein zu Haus": Mona Lisa ruft ihren Agenten an
Foto: Arte

"Bilder allein zu Haus": Mona Lisa ruft ihren Agenten an

Power to the couple

Kann ein Musiker-Künstler-Paar die Welt verändern? John Lennon und Yoko Ono haben es immerhin versucht. Die Dokumentation "John und Yoko" erzählt die Geschichte hinter Lennons ikonischem Friedenshymnen-Album "Imagine". Neben der Musik und der Politik geht es aber auch um zwei Menschen, die bedingungslos aneinander geglaubt haben - und die die Öffentlichkeit vielleicht gerade deshalb mit Misstrauen beäugt hat.

"John und Yoko", Arte Mediathek, bis 2. September

John Lennon und Yoko Ono - "Bed-In" 1969 im Hilton 
Foto: dpa

John Lennon und Yoko Ono - "Bed-In" 1969 im Hilton 

James wer?

In Berlin ist der Name James Simon gerade wieder in aller Munde, weil der neue Eingangsbereich der Museumsinsel nach ihm benannt wurde. Aber wer war der jüdische Mäzen, dem das neue Museum die Nofretete zu verdanken hat? Diese Dokumentation zeichnet den Lebensweg James Simons bis zur Verfehmung durch die Nazis nach, die zum weitgehenden Vergessen seines Namens führte. Durch den neuen Prachtbau an der Museumsinsel gerät James Simon wieder in den Blick der Öffentlichkeit - und damit auch die Rolle der Nofretete-Expedition nach Amarna in der heutigen Debatte um koloniale Raubkunst. 

"Der Mann, der Nofretete verschenkte - James Simon, der vergessene Mäzen", 3 Sat Mediathek, bis Juli 2020

James Simon 
Foto: cc

James Simon 

Herzen brechen mit Xavier Dolan 

Das Dreiecksdrama um den engelsschönen Nicolas (Niels Schneider) und seine beiden Bewunderer Marie (Monia Chokri) und Francis (Xavier Dolan) ist nicht frei von Kitsch. Aber die Bilder und der Soundtrack im retroromantischen "Herzensbrecher" (2019) des kanadischen Regisseurs Xavier Dolan sind betörend und die Darsteller schön wie Skulpturen. Und bei so einem opulenten Herbst auf dem Bildschirm muss auch niemand dem Sommer nachtrauern

Herzensbrecher, Arte Mediathek, bis 30. September 

Filmstill aus "Herzensbrecher", 2010
Foto: Arte

Filmstill aus "Herzensbrecher", 2010

Kunst in der Wüste

Warum zieht es Künstler in die Wüste, den lebensfeindlichsten aller Ausstellungsräume? Wie gerade das Burning Man Festival in Nevada bewiesen hat, übt die karge heiße Landschaft eine starke Faszination auf Kreative aus. Die vierteilige Serie "Kunst in der Wüste" besucht Werke im Westen der USA, und die Menschen, die sie geschaffen haben. Der staubige Roadtrip führt unter anderem zu Michael Heizers Land-Art-Installation "Double Negative" in Nevada und zu Andrea Zittel, die in ihrer Arbeit den Alltag in der Wüste dokumentiert.

"Kunst in der Wüste", Arte Mediathek, bis 29. November

Kunst in der Wüste
Foto: Arte

Kunst in der Wüste

Paula und der Drang zu malen

"Frauen können keine Maler sein", ist das erste, was die Hauptdarstellerin im Film "Paula" zu hören bekommt. Wie Paula Modersohn-Becker (Carla Juri) trotzdem eine Künstlerin wird und sich gegen alle Widerstände durchsetzt, zeigt dieses Drama von Christian Schwochow. Das Motto der Malerin - mein Leben soll ein Fest sein - nimmt der Film sehr ernst und spart nicht an opulenten Bildern und Gefühlen. 

"Paula - Mein Leben soll ein Fest sein", ARD-Mediathek, bis 3. September

Paula muss malen
Foto: ARD

Paula muss malen