Streaming-Tipps

7 Kunst-Filme, die Sie jetzt sehen sollten

Mike Diamond, Spike Jonze und Adam Yauch bereiten sich auf das Musikvideo "Sabotage" vor. Die "Beastie Boys Story" läuft ab dem 24. April auf Apple TV+
Foto: Apple TV+

Mike Diamond, Spike Jonze und Adam Yauch bereiten sich auf das Musikvideo "Sabotage" vor. Die "Beastie Boys Story" läuft ab dem 24. April auf Apple TV+

Unsere Film-Tipps fürs Wochenende schwelgen in Nostalgie: Sie erinnern an den Aufstieg der Beastie Boys und einen Sommer am See. Aber sie schauen auch in die Abgründe der Zukunft


What a Schnitzel: Wie die Beastie Boys erwachsen wurden

Die Beastie Boys gibt es leider nicht mehr. Mit dem Tod von Adam Yauch endete 2012 die Geschichte einer wunderbaren 33 Jahre andauernden Dreiecks-Bromance, aus der in den 80ern die bahnbrechende Vermählung von Stadion-Rock und Rap entstand, acht Studioalben und die Erkenntnis, dass man mit Albernheit ganz schön weit kommt – wenn man sie nur ernsthaft genug durchzieht. Das Trio aus den drei jüdischen New Yorker Jungs Adam "MCA" Yauch, Michael "Mike D" Diamond und Adam "Ad Rock" Horovitz hat sich in den Dekaden von einer Teen-Hardcore-Band zu einer Hip-Hop-Institution gewandelt. Es macht Spaß, nicht nur die musikalischen und ästhetischen Innovationen (exzessiver Einsatz von Fischaugenobjektiven bei Musikvideos etwa) zu verfolgen, sondern auch ihren Sinneswandel von Spaß- zu Conscious Rap mit Engagement gegen Homophobie und für die Unabhängigkeit Tibets. Die Live-Doku "Beastie Boys Story" von Weggefährten Spike Jonze erzählt all das in wunderbaren Archivbildern. 

"Beastie Boys Story", ab Freitag auf Apple TV+



Der Erfolg der Neuen Leipziger Schule

Während die figürliche Malerei Anfang der 90er-Jahre im Westen Deutschlands verschmäht wurde, begann im Osten eine Art Anti-Bewegung, geleitet vom Galeristen Gerd Harry Lybke, bekannt als Judy Lybke. Der Inhaber der Galerie Eigen + Art förderte die Künstler und Schüler, denen er zuvor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Modell gestanden hatte. Nachdem sie sich von allen Beschränkungen der SED-Kulturpolitik hatten befreien können, wollten sie dem vorgegebenen Kunst-Gebot nicht Folge leisten. Um den internationalen Kunstmarkt zu erobern und sich bekannt zu machen, gingen Lybke und einige seiner Künstler nach Tokio und Paris; New York sollte dann aber der Ort des Durchbruchs werden.

Auf der berühmten Amory-Show 1993 zeigten die Ostdeutschen als einzige Malerei und sonnten sich so in der gewünschten Aufmerksamkeit. Dank der Kunstkritikerin der "New York Times", Roberta Smith, gerieten die Leipziger Künstler alsbald ins Interesse der internationalen Kunstwelt, ein ungeheurer Hype entstand, und Lybke fasste das neue Phänomen unter "Neue Leipziger Schule" zusammen. Neo Rauch, Timo Baumgärtel, Michael Tiegel und einige mehr wurden zu selbsternannten Marken, die ihre Preise in ungeahnte Höhen treiben konnten. Der Dokumentarfilm von Nicola Graef beschäftigt sich als erster mit der Neuen Leipziger Schule und ihrem unglaublichen Erfolg.

"Die Neue Leipziger Schule - Fluch und Segen eines malerischen Phänomens", in der MDR Mediathek

Foto: dpa
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Rosa Loy und Neo Rauch stehen im Haus des Vereins "Freunde Aktueller Kunst" in Zwickau


Die Drohne zieht ein

Wenn das Medium die Message ist, welche Botschaften versendet dann die Drohne? In seinem Video-Essay für die Streaming-Website des Kunstkollektivs Dis untersucht Jacob Hurwitz-Goodman die politischen und sozialen Konsequenzen der Drohne als Transportmedium, Überwachungsinstrument und Waffe. Er beschreib das unbemannte Flugobjekt als fleischgewordenen Tweet – sie überträgt die sichere, dehumanisierende Distanz des Internets in die Realität. Im Zuge der Covid19-Pandemie erledigen Drohnen Transporte, kontrollieren das Einhalten von Sicherheitsabständen und werden so zur neuen Normalität öffentlichen Raum. “The Drone Is The Message” geht den beängstigenden Konsequenzen dieser Entwicklung nach. 

“The Drone Is The Message”, Dis.art, bis 20. Mai



Das afrofuturistische Museum

Die Filme des britischen Künstlers Isaac Julien muss man eigentlich auf raumfüllenden Leinwänden sehen, um sich völlig auf ihre Opulenz und Gewaltigkeit einzulassen. Da dass aber gerade schwierig ist, lohnt sich doch ein Abstecher zum "Online Film Festival" der Galerie Metro Pictures, die an diesem Wochenende von Freitagabend unserer Zeit bis Sonntagnacht Juliens Arbeit "Baltimore" auf Vimeo zeigt. Der Film ist ein bunter Science-Fiction-Ritt mit afrofutristischem Unterbau. Wichtige Schauplätze sind die Museen Baltimores, die ein queeres und schwarzes Update verpasst bekommen. Eine Hommage an die Kunst im Allgemeinen und an die cineastischen Qualitäten von Media Art im Speziellen. 

Isaac Julien "Baltimore", Metro Pictures Film Festival, Freitag, 24. April bis Sonntag, 26. April 

 


Ein nostalgischer Sommer am See

Im Sommer in den französischen Alpen, am See von Annecy, trifft der Diplomat Jérôme, 35 Jahre alt und kurz vor seiner Hochzeit,  auf seine ehemalige Geliebte Aurora. Über die Schriftstellerin lernt er Madame Walter und, viel wichtiger, ihre Tochter Laura kennen. Bei einer Bergwanderung mit dem jungen Mädchen verliebt er sich ein wenig und lässt sich immer wieder auf kleine Flirts ein, von denen er Aurora berichtet, da sie über seine Avancen schreiben möchte. Nach ein paar Tagen trifft auch Lauras Halbschwester Claire ein, die sogleich Jérômes Interesse weckt. Er verspürt einen starken Reiz, ihre feinen Knie zu berühren und begegnet Claire und ihrem Freund Gilles beim Tennis oder Tanzen zum 14. Juli.

Sein Wunsch erfüllt sich schließlich, als Claire ihn bittet, sie in seinem kleinen Motorboot mit nach Annecy zu nehmen. Um sich vor einem Gewitter zu schützen, suchen die beiden Schutz in einer Hütte, wo Jérôme die Gunst der Stunde nutzt. Der Arthouse-Film von 1970 gehört zu den "Sechs moralischen Erzählungen" von Eric Rohmer und dient als ein nostalgischer Sommerkurzurlaub.

"Claires Knie" in der Arte Mediathek 

Eine Szene am Lac d'Annecy
Foto: Courtesy of IMDb

Eine Szene am Lac d'Annecy


Margaret Atwood: Die Königin der Apokalypse

Wenn sich jemand mit Dystopien auskennt, dann ist es die kanadische Autorin Margaret Atwood. Ihr Roman "The Handmaid's Tale" und die daraus hervorgegangene Serie haben Einfluss auf reale Demonstrationen gegen die verschärften Abtreibungsgesetze in den USA gehabt, in ihrer Trilogie "Oryx and Craig" entwirft sie eine post-apokalyptische Welt, in der ein Großteil der Menschheit von einer laborgezüchteten Seuche ausgelöscht wurde.

Die Corona-Zeit ist also der perfekte Moment, um ihr Werk entweder zu entdecken oder tiefer darin einzutauchen. Diese Dokumentation begleitet die 1939 geborene Autorin ein ganzes Jahr lang. Immer wieder geht es um die Verknüpfung von Realität und Fiktion, weil sich Atwood nicht für Science Fiction im Sinne von wilden außerirdischen Zukunftsphantasien interessiert. Sie denkt über das nach, was jederzeit passieren könnte, wenn wir unsere Gegenwart nur ein klein wenig weiter drehen. 

"Margaret Atwood: Worte sind Macht", Arte Mediathek, bis 15. Juni

Schriftstellerin und Dichterin Margaret Atwood
Foto: Courtesy of ARD

Schriftstellerin und Dichterin Margaret Atwood


Das Gefühl ohne Freundin

“TFW NO GF” ist ein Mem über eine durch permanente weibliche Zurückweisung erzeugte Niedergeschlagenheit: that feel when no girlfriend. In ihrem gleichnamigen Film porträtiert Alex Lee junge Männern, die sich als gesellschaftliche Versager fühlen und Zuflucht in von Trolling und misogynen Verschwörungsfantasien geprägten Online-Communities finden. Die von der Online-Kunst-Plattform Rhizome präsentierte Stream-Premiere findet am Samstag um 19 Uhr statt, ab dem 27. April ist der Film dann im Rahmen des Filmfestivals SXSW zehn Tage lang auf Amazon Prime zu sehen.

“TFW NO GF”, Rhizome und Amazon, 25. April (Premiere) und 27. April bis 5. Mai

Wojaks at work - aus der Dokumentation "TFW NO GF"
Foto: Courtesy of Rhizome

Wojaks at work - aus der Dokumentation "TFW NO GF"