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7 Kunst-Filme, die Sie nicht verpassen sollten

Emmanuelle Béart in "Die schöne Querulantin", zu sehen auf Arte
Foto: Pierre Grise Distribution

Emmanuelle Béart in "Die schöne Querulantin", zu sehen auf Arte

Die Filme fürs Wochenende wollen Meisterwerke: Welche erschaffen, welche sein und die Frage stellen, was "Meisterwerk" heute eigentlich bedeuten soll


Das Bild, das niemand sehen darf

Der 2016 verstorbene französische Regisseur Jacques Rivette war auch am Drehbuch des Films "Die schöne Querulantin" (1992) beteiligt. Die Vorlage ist die berühmte Erzählung von Honoré de Balzac, "Das unbekannte Meisterwerk". Michel Piccoli spielt den alternden Maler Edouard Frenhofer, dessen Arbeitseifer nachgelassen hat, der sich aber von der schönen Marianne (Emmanuelle Béart) dazu angeregt fühlt, noch einmal ein Meisterwerk zu schaffen. Am Ende wird das Bild eingemauert – auch der Zuschauer bekommt das Werk nicht zu Gesicht.

Arte zeigt nun die Langfassung des Films, der in einer kürzeren Version in die Kinos kam. In dieser Version steht der Schöpfungsprozess des Malens im Mittelpunkt. Der Kritiker Vincent Canby lobte in der "New York Times" 1993 vor allem die Langversion als "hypnotisch schön und betäubend".

"Die schöne Querulantin", Arte Mediathek, bis 13. Oktober 

Szene aus "Die schöne Querulantin"
Foto: Pierre Grise Distribution

Szene aus "Die schöne Querulantin"


Aufstieg und Fall einer Künstlerin

Fällt Ihnen auf Anhieb eine Malerin aus dem 18. Jahrhundert ein? Nein? Genau. Besonders bei den sogenannten "Alten Meistern" haben es fast ausschließlich Männer in den europäischen Kanon geschafft. Dabei gab es die Künstlerinnen durchaus - und ihre Bilder wie ihre Geschichten sind es wert, sich stärker im kollektiven Gedächtnis festzusetzen. Die Französin Elisabeth Vigée Le Brun (1755 - 1842) war für ihre feinen und einfühlsamen Porträts bekannt und stieg aufgrund ihres Talents zur Lieblingsmalerin von Marie Antoinette auf. In ihrem Salon empfing sie die kulturellen Größen ihrer Zeit, doch nach der Französischen Revolution musste sie aus ihrer Heimat fliehen und reiste jahrelang als Exilantin durch Europa. Diese Dokumentation zeichnet das bewegte Leben der Malerin nach und zeigt, dass sich auch Frauen im 18. Jahrhundert die Freiheit eroberten, Kunst zu schaffen.   

"Aufstieg und Fall der Elisabeth Vigée Le Brun", Arte Mediathek, bis 31. Mai

Élisabeth Vigée Lebrun "Selbstporträt mit Tocher", 1789
Foto: Creative Commons

Élisabeth Vigée Lebrun "Selbstporträt mit Tochter", 1789


Bauhaus für zu Hause 

Dass das Bauhaus nicht nur für ikonische Möbel und Architekturformen verantwortlich war, sondern auch mit neuen Medien experimentierte, zeigt die Ausstellung "Bauhaus.film.expanded" im ZKM in Karlsruhe. Wechselnde Werke sind noch bis zum 17. Mai online zu sehen, in dieser Woche beispielsweise abstrakte Studien von Heinrich Brocksieper und Kurt Kranz oder die wunderschönen Aufnahmen der Künstlerin Ré Soupault von Hans Richter, die sich mit abstrakten Formen vermischen. Wer sich dafür interessiert, wie sich das Bauhaus selbst im Medium Film dargestellt hat, dem seien PR-Aufnahmen der Design-Schule wie "Wo wohnen alte Leute?" (1931) und "Wie wohnen wir gesund und wirtschaftlich?" (1926-28) ans Herz gelegt.

"Bauhaus.film.digitally.expanded", ZKM Online, bis 17. Mai 

 

Wie Dresden zum kulturellen Hotspot wurde

Dresden ist ein barockes Kleinod im Herzen Deutschlands, eine Kunst- und Kulturmetropole von europäischem Rang. Die berühmtberüchtigte Silhouette der Stadt ist seit über 300 Jahren touristischer Magnet und vor allem dem Herrschaftsanspruch eines Mannes zu verdanken: August dem Starken. Die von ihm eingeläutete und in Gold, Porzellan und Stein verewigte Ära des "Elbflorenz" endete jedoch mit dem jähen Tod seines Thronerben Augusts III.

Wer auch einen Canaletto-Augenblick lang verweilen möchte, kann am Donnerstag, 7. Mai, ab 23:05 im MDR und später in der ARD-Mediathek André Meiers "August der Starke – Kunst und Macht" im MDR sehen. Der Film zeichnet ein Porträt der beiden Gegenpole der augustheischen Zeit und zeigt, wie stark die Stadt durch die Reisen der Monarchen an die großen Höfe und kulturellen Hotspots Europas geprägt wurde.

"August der Starke - Kunst und Macht" im MDR Fernsehen am Donnerstag, 7. Mai, ab 23:05 Uhr und danach in der ARD-Mediathek

Bernardo Bellotto (alias Canaletto) "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke", 1748
Foto: Creative Commons

Bernardo Bellotto (alias Canaletto) "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke", 1748


Kunst statt Werbung

Das digitale Videoboard am Kongresszentrum in Basel ist jetzt eine Kurzfilm-Kinoleinwand. 14 Filme zum Thema Essen wurden ausgewählt, sie laufen von 8 Uhr morgens bis 24 Uhr durch. Darunter Neuproduktionen wie das formale Spiel eines vermeintlichen Maiskolbens, der aber aus falschen Backenzähnen besteht statt aus Körnern ("battlefield#144" von Jérome Leuba, 2020). Besonders schön : "Rabenfrühstück" (2004) von Copa & Sordes, die eindrucksvoll einen Raben dabei filmen, wie er den Käse eines eigens für ihn gedeckten Tisches in ein Bierglas taucht. Keine Werbung, keine Marken, nur interessante Gedanken und Bilder. Alle Filme gibt es auch online zum Zuhauseschauen. 

"Videocity BS", bis 31. Dezember

Kunst statt Werbung in Basel - und im Netz
Foto: Courtesy Videocity BS

Kunst statt Werbung in Basel - und im Netz

 

Durch die Großstadt driften

Film-School-Dropout Jim Jarmusch produzierte “Dauernd Ferien” mit einem Budget von gerade einmal 12.000 Dollar. Der Film begleitet den jugendlichen Allie, der ziellos durch das New York der anbrechenden 80er-Jahre driftet und seinen ziellosen Lebenszustand als “permanent vacation” beschreibt. Allie und seine Bekannten streunen durch die Peripherie, markieren die Großstadt mit Graffiti und suchen ihren Halt in Tanz und Musik. Jarmuschs Debütfilm ist eine Liebeserklärung an die Underground-Szene New Yorks, in der der Regisseur fest verwurzelt war. Der Legende nach soll der damals noch unbekannte Künstler Basquiat während der Dreharbeiten auf dem Fußboden des Apartments genächtigt haben, in dem Allie eine spontane Tanzeinlage vollführt.

"Dauernd Ferien", Mubi, bis 31. Mai

 

Kunstmessen-Getuschel für Zuhause

Die Online-Plattform Daata, auf der man Videokunst etablierter und aufstrebender Künstler der Post-Internet-Generation streamen kann, bietet aktuell ein kostenloses dreimonatiges Probeabo an. Über 100 Inhalte gibt es auf der Website, mit dabei sind beispielsweise Chloe Wises Serie “Do You Really Think He Fingered Her: Miami”, in der die Schauspielerin Robin Fox in Juicy Couture-Tracksuit und Coca Cola-Bikini Sätze rezitiert, die Wise bei der Art Basel Miami aufgeschnappt hat, und Hannah Fords Kurzfilm “Superseed”, der sich auseinandersetzt mit Bauchgefühlen, dem Tabuthema Magen-Darm-Beschwerden und der neoliberal bedingten Obsession mit einer ausgewogenen Lebensweise (“Is a creatively inclined female’s sudden enthusiasm for yoga as predictable as a death row prisoner finding God?”). 

"Do You Really Think He Fingered Her: Miami" und "Superseed", Daata-Video-Mediathek

Chloe Wise "we had a traumatic threeway", Videostill
via daata.art

Chloe Wise "we had a traumatic threeway", Videostill