Wohin im Februar?

Lust in Space

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Aaron Curry
Seine Skulpturen und Gemälde sehen aus, als wäre Joan Miró durch ein Wurmloch auf den Planeten Zorg gepustet worden. Aaron Curry spielt einerseits mit kunsthistorischen Referenzen und stößt andererseits zu neuen skulpturalen Möglichkeiten vor. Im Berliner Schinkel Pavillon zeigt der Amerikaner sechs frische Arbeiten, die zweidimensionale Zeichnungen zu dreidimensionalen Konglomeraten erweitern. Die klassische Unterscheidung von Figur und Boden wird aufgehoben, der Raum tendenziell aufgelöst. You’re lost in space.
Schinkel Pavillon, Berlin, bis 31. März

„Number Four: Derek Jarman – Super 8“

Bühne frei für Derek Jarman! Mit 24 Super-8-Filmen des 1994 verstorbenen Künstlers wird die erste Soloschau in der Julia Stoschek Collection bespielt. Die Übergänge zwischen Doku und Fiktion sind bei Jarman fließend. Und immer finden sich beide Pole: die Spiegelung des sozialen Umfelds im Zeitrafferfilm „Sloane Square“, der 1974 mit schwulem Londoner WG-Leben provozierte, und das Symbolhafte und Mythische der ländlichen Elegie „Journey to Avebury“ (1971). Jarman selbst verkörpert Miss Gaby im sechsminütigen „I’m ready for my close up“ (1972). Im Titel zitiert er die umnachtete Stummfilmdiva aus „Sunset Boulevard“, und eigentlich passt das nur halb zum Kino der kleinen Gesten, das Jarman schuf.
Julia Stoschek Collection, Düsseldorf, bis 26. Februar

„Freedom of Speech“
Das wird man ja wohl noch ansprechen dürfen! Im Hamburger Kunstverein steht das Konzept der Redefreiheit auf dem Prüfstand. Und auch die Kunstwerke, die das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht – ein Novum in der Ausstellungsgeschichte. Analysiert und gezeigt werden Arbeiten, die das universelle Recht auf Meinungsfreiheit thematisieren, etwa „Prohibited Imports“ von Maria Eichhorn oder „Wollt ihr das totale Bild“ von Klaus Staeck. Olaf Metzel mit „Turkish Delight“ und Silke Wagner loten die Grenzen und Möglichkeiten der Meinungsfreiheit aus.
Kunstverein Hamburg, bis 27. März, Neuer Berliner Kunstverein, bis 30. Januar

Peter Fischli und David Weiss
Sie packen die wirklich großen Themen an, und dabei gehen Peter Fischli und David Weiss immer noch spielerisch-unverkrampft zu Werke. Auf einem Billboard am New Yorker Times Square wird die beim Milchschlürfen gefilmte Katze, die den Verkehr überwacht, zur Gottheit. Solche Wechselwirkungen zwischen Alltag und Absurdität finden sich auch in den equilibristischen Lebensmittelskulpturen der „Wurstserie“ oder den Tonknetereien der Reihe „Plötzlich diese Übersicht“. Das Ziel heißt philosophische Weltaneignung. Die außerordentlich schön gehängte Ausstellung der Sammlung Goetz zeigt das Schaffen des Duos in beeindruckender Vielfalt.
Sammlung Goetz, München, bis 12. März

„The Talent Show“

Nein, das in einer alten Schule auf Long Island untergebrachte MoMA P.S.1 mutiert nicht zum Talentschuppen. Vielmehr thematisiert die von Peter Eleey kuratierte Schau „Talent Show“ zwei gegenläufige Erscheinungen in der Medienwelt: die Lust, im Rampenlicht zu stehen, und die Angst, observiert zu werden. Andy Warhol –  der 15 Minuten Ruhm für jeden prognostizierte  – darf unter den 18 Künstlern nicht fehlen. Für den Gegenpol steht Chris Burden, der während eines Aufenthalts 1971 in Kansas City seine Skimaske nicht abnahm. Ältere Performances und partizipative Arbeiten bilden den Schwerpunkt der Ausstellung mit Sophie Calle, David Lamelas oder Piero Manzoni. Eine posthum als Videoinstallation realisierte Arbeit zeigt die 1993 verstorbene Hannah Wilke, die ihre letzten, von tödlicher Krankheit geprägten Jahre schonungslos protokollierte.
MoMA P.S.1, New York, bis 4. April

„The Luxury of Dirt“
Trash und Dreck schwappen aufs Oberdeck. Gastkurator Michele Robecchi zielt mit der Ausstellung „The Luxury of Dirt“ auf krasse Kontraste. Es geht um die Luxusversprechungen der Konsumgesellschaft, um den zwiespältigen Wunsch, ungestört im goldenen Käfig vor sich hin träumen zu können – und um den womöglich erlösenden Schmutz der Außenwelt. Unter den zehn Mitwirkenden: Mircea Cantor, Sarah Lucas, Paul McCarthy oder Aleksandra Mir. Die Trennlinie zwischen high und low geht meist mitten durch ihre Arbeiten.
Galerie Bob van Orsouw, Zürich, 12. Februar bis 26. März

Lucy McKenzie: „Slender Means“

Muriel Sparks Novelle „The Girls of Slender Means“ ist in einem Londoner Wohnheim für mittellose junge Frauen angesiedelt. Lucy McKenzie ließ sich von der Lektüre inspirieren und schuf vier Gemälde, die Zimmer des Stadthauses zeigen. Die 1977 in Schottland geborene Malerin ist bekannt für Grenzgänge, die Bereiche außerhalb der Kunst einbeziehen. In der Kölner Galerie Daniel Buchholz ist ein Trompe-l’Œil-Gemälde zu sehen, das als Werbemotiv für eine Wiener Hutmanufaktur Verwendung finden soll. Außerdem präsentiert McKenzie einen Schranktisch, den sie speziell für Druckgrafik-Editionen ihres Landsmanns Ian Hamilton Finlay entworfen hat.
Galerie Daniel Buchholz, Köln, bis 26. Februar

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