Das "Open Museum" in Hamburg

Plattform der Möglichkeiten

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Die etwas zugige Plattform vor der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle hat jetzt das „Open Museum“ der Hamburger Künstlergruppe Baltic Raw bezogen. Kuratorin Brigitte Kölle hat die Künstler-, Architekten und Dramaturgengruppe um Berndt Jasper, Móka Farkas und Christoph Janiesch eingeladen, eine modulartige Holzarchitektur als temporäres Display für ein dichtes Veranstaltungsprogramm zu errichten. Bis Ende September gibt es fast jeden Tag neue Kunstinstallationen, Filme, Talks, Konzerte und Performances. Eine echte Alternative für Hamburgs Kulturinteressierte, die, abgeschreckt von der Dominanz kommerzieller Großevents, der City am Wochenende lieber fernbleiben.

Zur Eröffnung am vergangenen Freitag gab es eine Musikperformance mit Lokalmatador Rocko Schamoni und einem Spielmannszug. Außerdem performte der Hamburger Künstler Filomeno Fusco hinter einer Glasscheibe im Kunstschneegestöber. Die Arbeit mit dem Titel „Schüttelbild im Winterdienst“ (gemeinsam mit Viktor Kégli) konnte jedoch nur gegen Einwurf eines Euros aktiviert werden. Die kritische Anspielung auf das Schicksal sogenannter Ein-Euro-Jobber, womöglich sogar mit Kunsthochschuldiplom, lag da auf der Hand. Móka Farkas zeigt eine permanente Installation mit Drogenpflanzen aus aller Welt, ergänzt um anschaulich formulierte Beschreibungen der jeweiligen Wirkungsweise.

Architekt Christoph Janiesch hat eine rohe Struktur aus Sperrholzplatten gebaut, inklusive Bar, Sitztreppen und Videowand. Im September ist unter anderem Tjorg Douglas Beer mit der „Berlin Kreuzberg Biennale 2012“, die mittlerweile aus dem Exil in Athen agiert, zu Gast. Gezeigt wird ein Videoprogramm zur Krise mit Arbeiten von rund einem Dutzend griechischer Künstler.

Bleibt abzuwarten, wie die angestammten Nutzer der Plattform, BMX-Fahrer, Skater und Obdachlose reagieren. Am Ende wird das „Open Museum“ vom Stuttgarter Künstlerduo Umschichten in den Lichthof der Galerie der Gegenwart transferiert. Spätestens nach dieser symbolischen Einverleibung wird man sehen, wer den anderen mehr infiltriert hat: die als hermetisch verschrieene Institution ihre experimentierfreudigen Herausforderer oder umgekehrt.

Bis 30. September vor der Hamburger Kunsthalle

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