Hans-Peter Feldmann in der Kunsthalle Düsseldorf

Brot und Spiele

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"Ich sehe mich als jemanden, der Bilder anschaut. Und auch als jemanden, der Bilder klaut, von überall her.“ Natürlich stiehlt Hans-Peter Feldmann nicht. Wenn jemand Künstler ist, handelt er ja nicht als Privatmensch, sogar dann nicht, wenn sein Treiben obsessiv wirkt. Der Künstler sammelt. Schon weil es Kategorien gibt, Überschriften wie „Sitzende Frauen auf Bildern“. Oder: „Aufnahmen von Frauenknien“.
Vielleicht darf man Feldmann eher einen Erotomanen nennen als einen Fotografen – aber es bleibt offen, ob er dem Knie verfallen ist oder den Bildern davon, unendlichen Variationen, geknickt und gegeneinandergestellt, in Kniestrümpfen, Nylons, mit Falten oder nackt, manches Knie steckt in einem kräftigen Schenkel, doch das Kniegelenk markiert stets die Mitte des Motivs.

Als Feldmann anfing, mit der Kamera oder ohne sie Bilder zusammenzutragen – in den 70er-Jahren –, war es wahrscheinlich noch nicht ausgemacht, dass diese Kunst ins Museum kommen würde. Er hat dann auch darauf verzichtet, sie zu signieren. Und weil es schließlich weitergehen muss mit dem Sammeln und den Serien, wäre es widersinnig, diese zu datieren. Ab und zu erscheint ein Buch, das muss genügen. Blechspielzeug hortet Feldmann auch und Kuchenplatten aus zart ornamentierter Keramik. Und Postkartenmotive. Er malt Heldenfiguren aus weißem Gips in kitschigen Farben an. Einmal hat er eine Brotkruste auf einem Sockel ausgestellt. Im Katalog sind ganze Brotscheiben abgedruckt, frontal, schwarz-weiß.

Derzeit wird Feldmanns Werk, das aus so vielen Werken besteht, in Düsseldorf präsentiert, der Titel lautet „Kunstausstellung“. Schon das nimmt der Schau die Schwere der Bilanz, auch wenn man darauf hinweist, man habe dem im Jahr 1941 geborenen Künstler, der in Düsseldorf lebt und arbeitet, genau vor 20 Jahren schon einmal eine Ausstellung eingerichtet. Doch selten sah die Kunsthalle so wenig nach Abrechnung aus: Im Eingangsbereich schweben die Kuchenplatten in doppelter Reihung, im großen Saal hängen grelle Riesenblumenbilder an der Wand.

Auch das „Schattenspiel“ (2002) hat Hans-Peter Feldmann aufgebaut. Diese Laterna magica im Monumentalformat, für die der Künstler seinen Kram auf rohen Tischen anordnet, beleuchtet und die Schatten mit Drehtellern zum Schweben bringt. Das wirkt träumerisch und verspielt, zitiert aber wie im Nebensatz Proust und Plinius und die ganze Kunstgeschichte.  


Kunsthalle Düsseldorf, bis 22. August 2010

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