Interview mit Moritz Wesseler

"Ich liebe die bunte Mischung"

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Moritz Wesseler hat am 1. Juli 2013 die Direktion des Kölnischen Kunstvereins übernommen. Nach kuratorischer Tätigkeit für das von seinem Vater Jürgen Wesseler gegründete Kabinett für aktuelle Kunst in Bremerhaven und einem Volontariat bei der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf hat der 33-Jährige zuletzt die private Institution Fürstenberg Zeitgenössisch in Donaueschingen geleitet, wozu auch der Aufbau einer Sammlung junger Kunst für die Gründer, Christian und Jeannette zu Fürstenberg, gehörte.

Herr Wesseler, Ihr Vorgänger Søren Grammel wechselte nach nur einem Jahr an das Museum für Gegenwartskunst in Basel. Ein schlechtes Omen?

Die finanzielle Situation ist seit meinem Antritt jedenfalls nicht besser geworden. Dennoch fühle ich mich als ein sehr junger Kunstvereinsdirektor geehrt, es ist eine große Chance, aber natürlich auch eine Herausforderung. Ich kenne Köln sehr lange und habe die Szene immer als vital empfunden. Schon während meiner Studienzeit versuchte ich immer, einen Zwischenstopp am Rhein einzulegen. Dazu gehörten natürlich auch Besuche im Kölnischen Kunstverein. Zum ersten Mal bereits unter Udo Kittelmann in den 90er-Jahren. Ich erinnere mich auch sehr gut an die Auftritte von Roman Ondák, Cosima von Bonin oder Stephen Prina. Die Liste ist lang.

Das Programm beginnt jetzt im September. Was ist geplant?
Wir zeigen die in Berlin lebende Künstlerin Ceal Floyer. Sie war einer der Stars der letzten Documenta mit ihrer Performance „Nail Biting“, die sie während der Pressekonferenz aufführte. Ich kenne sie schon seit 2002, wir haben mehrfach zusammengearbeitet. Ich habe sie angesprochen, ob sie nicht kurzfristig ein ortspezifisches Projekt für Köln entwickeln möchte. Sie war im Haus und war begeistert von der herausragenden Architektur des Riphahn-Baus. Im Anschluss folgt eine „Altlast“ von Søren Grammel: eine Schau von Sean Snyder, den ich ebenfalls sehr schätze.

Danach beginnt also erst die Ära Wesseler?
Ja, die Handschrift wird sich auch deutlich unterscheiden, hoffe ich. Für 2014 sammle ich gerade Ideen, ich besuche viele Kölner Künstler und andere Häuser in NRW. Konkrete Namen werde ich aber erst im Oktober nennen. Wichtig ist mir, in Zukunft möglichst viele Räume zu bespielen, den Keller etwa, der intimere Präsentationen erlaubt. Aber auch das Treppenhaus und das zweite Obergeschoss stehen zur Debatte. Wir überlegen auch gemeinsam mit dem Vorstand, wie wir das Atelierprogramm ausweiten können. Im Moment stehen 17 Ateliers zur Verfügung. Der Mangel an Arbeitsräumen ist ein großes Defizit in Köln. Einige Künstler, die ich kenne, stehen kurz davor, wegzuziehen. Die Abwanderung von Galerien und Kunstschaffenden kann man sich hier nicht mehr leisten.

Was ist Ihr Konzept für die nächsten Ausstellungen?
Ich bin weder theoriefixiert noch festgelegt auf nur Malerei, Skulptur oder Video-Art. Ich möchte die große Bandbreite junger Kunst  darstellen, die es wert ist, eine Bühne zu bekommen. Es ist wie mit dem Essen, ich liebe eine bunte Mischung. Auf einem Antipasti-Teller gibt es auch unterschiedliche Geschmäcker, ein bisschen Wurst, Artischocken, Oliven – auf die Vielfalt kommt es an. 

Nächste Ausstellung Kölnischer Kunstverein: Ceal Floyer, 5. September bis 20. Oktober 2013

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