Mit wem schlafen Sie, Nina Pohl?

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Die Fotokünstlerin über die Kunst in ihrem Schlafzimmer

„Ich habe den Vogel aus dem Süden gleich in mein Herz geschlossen. Doch die Frage, ob ich mit ihm schlafe, habe ich noch nicht vollends geklärt. Ich weiß nämlich, dass er monogam lebt und eifersüchtig über sein Weibchen wacht. Ich gehe zwar mit der Bardot d’accord, die meinte, Tiere seien die besseren Menschen. Aber würde ich gleich so einen über dem Bett hängen haben wollen? Als überzeugte Cinderella schmelze ich vor Augen, die ausschließlich mir zugetan sind, egal ob sie zwei oder vier Beine haben. Aber ein Vogel, der sich gleich als Kontrollfreak outet? Faszinierend. Kenn ich das nicht schon von irgendwoher?

Ich habe ihn mal hingehängt. Ständig changiert sein bohrender Blick zwischen Begehren und Kontrolle, sobald ich mich einer der vielen Türen des Kleiderschranks nähere. Einäugig wacht der Vogel über seine Königin, während er das andere auf den blinden Fleck des Eventuellen richtet. Irgendwie geht ihm dabei sein Grinsen nicht verloren, das finde ich ausgesprochen charmant, und ich registriere beruhigt, dass er es in dieser Haltung nicht weit zum Futter hat.

Ich liebe ihn, keine Frage. Ein wirklich guter Gatte könnte das werden. Fürsorglich, mahnend, mit vielen unterhaltsamen Fragen, zum Beispiel: Wie war das Gallery Weekend? Oder: Hast du zum Wein genügend Mineralwasser getrunken, und wer war der große Blonde letzte Nacht? Das Spieglein an der Wand. Ein zarter, schelmischer Protestant in der Robe des Richters. Das ist er, der kantsche Imperativ meines Schlafzimmers mit dem großen, stummen Schnabel.“

Nina Pohl ist Fotokünstlerin und lebt in Berlin. Neuerdings mit Wolfgang Tillmans' "Tukan' (2009)

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