"Künstler des Jahres"

Im Dämmerlicht

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Als Deutsche-Bank-Vorstand Stefan Krause am Donnerstagmorgen im Paulysaal in der Berliner Auguststraße den Künstler Victor Man zum „Artist of the Year 2014“ ernannte, thronte über dem Maler ein ausgestopftes Käuzchen, das scheinbar skeptisch und mit gespitzten Ohren herabschaute. Auch wenn gewitzelt wurde, man habe angesichts der Wanddekoration den Eindruck, es gehe hier vielleicht um den Vogel des Jahres, passte der Nachtvogel gar nicht so schlecht in die Bildwelten des 1974 geborenen Rumänen.

Seine Ölgemälde haben eine mysteriöse Aura, es herrscht meist Nacht oder Dämmerlicht, ihre atmosphärische Rätselhaftigkeit wirkt zeitlos, auch scheint in ihnen viel kunstgeschichtliches Wissen gespeichert zu sein. Malt er Gesichter, dann eher als Fragment oder Maske, oft sind Körper so angeschnitten, dass kein Kopf zu sehen ist. Dass auf Anhieb schwer zu datieren wäre, aus welchem Jahrzehnt diese Bilder stammen, liegt auch an seinem technischen Können, das genauso aus der Zeit gefallen scheint wie die Figuren die er malt.

Victor Man ist seit ungefähr zehn Jahren außerhalb Rumäniens bekannt – in seiner Heimatstadt Cluj entstand Anfang der Nullerjahre eine kleine Kunstszene, die bei Sammlern und Galeristen aus Europa und den USA auf großes Interesse stieß. Kernzelle war die Galerie Plan B, gegründet von Mihai Pop und Adrian Ghenie. Die Galerie hat seit 2008 eine Dependance in Berlin. Victor Man wird außerdem von einer weiteren Galerie in Berlin vertreten, Anfang November endete seine erste Ausstellung bei der Galerie Neu.

Im Gespräch mit Victor Man erzählte Okwui Enwezor, Direktor des Haus der Kunst in München und Mitglied des Auswahlgremiums, dass er zunächst Sorge hatte, wie man überhaupt nach Cluj kommen könne, um dann festzustellen, dass es täglich Direktflüge von München in die rumänische Stadt gibt. Victor Man sieht die Entwicklung Clujs zum „hot bed“ der Kunst eher skeptisch. Er empfand es stets als Vorteil, sagt er, dass dort nie die Notwendigkeit herrschte, etwas zu produzieren oder den globalen Markt zu umarmen. Genau so kritisch sieht er Akademien – Victor Man war zwei Mal auf Kunstschulen und verließ sie jedesmal vorzeitig.

„Artist of the Year“ der Deutschen Bank zu sein, sagt Okwui Enwezor, sei kein Preis und keine Auszeichnung. Es sei eine Anerkennung. Man benenne Künstler, denen man langfristig Potenzial zutraue. Enwezor hatte Victor Man selbst vorgeschlagen. Der Jury gehören außerdem Hou Hanru, Udo Kittelmann und Victoria Noorthoorn an. Der Maler ist der fünfte Künstler in diesem Programm, zuvor waren Wangechi Mutu (Kenia), Yto Barrada (Frankreich/Marokko), Roman Ondák (Slowakei), und Imran Qureshi (Pakistan) Künstler des Jahres. Der Preis beinhaltet eine Einzelausstellung in der DB Kunsthalle, die Produktion eines Kataloges und einen Ankauf für die Sammlung der Deutschen Bank.

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