Ab dem 6. März: Michaela Melián näht in Linz alte Elektrosounds auf

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Es gab eine Zeit, da war die BRD das Raumschiff Orion, und an den Schaltpulten drehten Menschen an Knöpfen, die in Klängen und Formen aufklärerische Utopien sehen konnten. Eine dieser geheimen Kommandozentralen der Avantgarden befand sich in den frühen 60er-Jahren an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, wo Alexander Kluge, Edgar Reitz und Josef Anton Riedl in einem hochmodernen, von Siemens gebauten Studio gemeinsam die Sounds der Zukunft entwickelten.
 

Eine Geschichte, wie gemacht für die Münchner Künstlerin und Musikerin Michaela Melián. Sie hat in den vergangenen Jahren die Klang-Bild-Installation auf der Grundlage historischer Recherche zu einer eigenen Kunstform entwickelt. Aus wunderschön zarten, mit der Nähmaschine übernähten Zeichnungen werden Dias, die in langsamem Lauf Räume gestalten, dazu kommt hypnotische, selbst komponierte elektronische Musik – und aus Originaltönen, Fakten und Bildern werden offene Denkräume. Michaela Melián, die auch als Musikerin der Band F.S.K. bekannt wurde, hat seit den 80er-Jahren kontinuierlich an einer sehr eigenen Ästhetik gearbeitet. Auf genähte, weiche Panzer folgten die „Tomboy“-Zeichnungen, in denen sie Gender-typische Accessoires frei kombinierte; sie recherchierte zur Barockmadonna und zur legendären Schauspielerin und Informatikerin Hedy Lamarr.
 

In ihrem aktuellen Hauptwerk „Speicher“ kombiniert sie nun die in die Jahre gekommenen futuristischen Sounds aus Ulm mit ihren genähten Texturen und Reisebildern. Und alle wollen es haben: Gerade hat Michaela Melián mit einer großen Retrospektive das Museum in Ulm und die Galerie Cubitt in London bespielt, außerdem wanderte „Speicher“ in das Ludlow 38 in New York und ist noch bis 22. März in der Kunsthochschule für Medien Köln zu sehen. Im März wird die in Ulm gestartete Retrospektive zudem noch einmal in veränderter Form für das Lentos Kunstmuseum Linz eingerichtet.
 

Lentos Kunstmuseum Linz, 6. März bis 2. Juni

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