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Adrian Ghenie in Berlin

Virtuos und finster

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In zwei Ausstellungen in Berlin zerfetzt Adrian Ghenie die Einheit des Bildes

"Das geht mir nicht in den Kopf", so sagt man manchmal. Adrian Ghenie hat die Bilder dazu. "Alpin Retreat" zum Beispiel, zu sehen in seiner Ausstellung "The Graces" in der Berliner Galerie Judin. Was der 40-jährige Rumäne auf die großformatige Leinwand gebracht hat, ist kaum zu erfassen, so heftig zersetzt dieses Bild mit seinen abstrahierenden, scharf aneinanderstoßenden Farbflächen sich selbst. Vielleicht ist der Strudel, in den einen diese Malerei stürzt, aber auch nur ein Echo des bösartigen Motivs: Es zeigt Hitlers Geliebte Eva Braun beim Sonnenbad auf der Terrasse des Berghofes am Obersalzberg – sie ist schwanger.

Ghenies Kunst ist virtuos und finster, fasziniert von den Abgründen des 20. Jahrhunderts und gleichzeitig geprägt durch einen Eklektizismus, der nur im digitalen Zeitalter entstehen kann, das alle Bilder aus Gegenwart und Zeitgeschichte gleichzeitig verfügbar macht. Der Rumäne malt figurativ mit den Mitteln der Abstraktion, zermalmt die menschliche Gestalt zu Fleisch wie Francis Bacon und zitiert dabei dessen Mittel wie ein Werkzeug, das er im nächsten Moment wieder wegwerfen kann. Er ist damit zum Marktliebling geworden, auf Auktionen erzielen seine Bilder Preise von mehreren Millionen Euro.

Das Scheitern, so sagte er mal in einem Interview, müsse er jetzt innerhalb des Arbeitsprozesses finden – es sorgt für die Abgründigkeit, die seine Bilder so anziehend macht. Wie gut das zurzeit noch klappt, demonstriert sein Doppelauftritt in Berlin bei Judin, seinem ersten Galeristen, und der Galeria Plan B, die Ghenie vor zwölf Jahren mit begründete. Lauter persönliche und kollektive Albträume hängen dort, so raffiniert wie wirkungsstark.

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