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100 Jahre Bauhaus in Dessau: Es geht an die Substanz

2025/26 feiert die Stiftung Bauhaus Dessau mit Partnern ihr Jubiläum – mit Ausstellungen, Programmen, Konferenzen, Festen und Workshops. Höhepunkt sind mehrere Ausstellungen, die Bauhaus-Geschichte und Gegenwart verbinden

1925 zog das Bauhaus von Weimar nach Dessau – in eine aufstrebende Industriestadt, geprägt von Innovation und unternehmerischem Pioniergeist. In Dessau erlebte die einstige Hochschule für Gestaltung ihre erfolgreichste und produktivste Zeit. Diese feiert die Stiftung Bauhaus Dessau 100 Jahre später mit einem großen Jubiläumsprogramm.

Unter dem Titel "An die Substanz" stehen Materialien der Moderne und Gegenwart im Fokus von zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen im Bauhaus Museum Dessau, im historischen Werkstattflügel des Bauhausgebäudes und an verschiedenen Orten in der Stadt, wie dem ehemaligen Kaufhaus Zeeck. Von der Ankunft der Bauhäusler:innen in Dessau 1925 bis zur Eröffnung des Bauhausgebäudes am 4. Dezember 1926 schlägt das Jubiläum 2025/26 einen Bogen vom Damals ins Heute.

Während der sieben Jahre in Dessau (1925–1932) entstanden so viele Bauhausbauten wie in keiner anderen Stadt – darunter das Schulgebäude, die Meisterhäuser und das historische Arbeitsamt. In der Verzahnung von Form, Funktion und Einsatz von Materialien wie Zementbeton, Eisen, Stahl, Aluminium, Glas und Ziegel verkörperten diese Bauten und ihre Ausstattung nicht nur Aufbruchsstimmung, Fortschritt und Modernität, sondern veränderten auch Wahrnehmung, Raumempfinden und Lebensweisen.

"Sammlung, Bauhausbauten sowie das pädagogische Erbe des Bauhauses bilden das substantielle Fundament unserer Arbeit", sagt Barbara Steiner, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau. "Unsere Befragung und Befassung nimmt diese Substanz immer wieder kritisch in den Blick und stellt somit auch Vorstellungen der mit dem Bauhaus verbundenen Moderne auf den Prüfstand. Das Jubiläumsprogramm gräbt gleichsam an den Fundamenten, auf der Suche nach sozialer und ökologisch verantwortungsvoller Gestaltung heute."

Bauhausgebäude Dessau, Architekt Walter Gropius, Südwestansicht, 1926
© Stiftung Bauhaus Dessau (I 14409 F) / VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Bauhausgebäude Dessau, Architekt Walter Gropius, Südwestansicht, 1926

 

Höhepunkte ab März 2026

Der Höhepunkt des seit Anfang September 2025 laufenden Jubiläumsprogramms ist die Eröffnung der Hauptausstellungen am 28. März 2026: Die engen Verflechtungen der Bauhausarbeit mit der Industriegeschichte des frühen 20. Jahrhunderts sind Gegenstand der dreiteiligen Ausstellung "Glas | Beton | Metall" im historischen Werkstattflügel. Hier werden die in der Bauhausgeschichte und Rezeption bisher weniger beachteten materiellen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen des ikonischen Baus und seiner Werkstattproduktion erkundet.

Die Ausstellung thematisiert die Irritationen und Verwerfungen, aber auch die Aufbrüche, die mit den Materialinnovationen zu Beginn der 1920er-Jahre verbunden waren. Und sie zeigt die schmutzigen Kehrseiten dieser materiellen Höhenflüge, geht ihnen buchstäblich an die Substanz. So schließt die Ausstellung auch an aktuelle Diskurse zu Rohstoff- und Energieknappheit, schwindenden Ressourcen, Klimakrise, drohenden Handelskriegen und an die zweite große Ausstellung "Algen | Schutt | CO₂" im ehemaligen Kaufhaus Zeeck in der Dessauer Innenstadt an.

Diese Schau setzt in der Gegenwart an und entwirft künftige Handlungsszenarien. Dabei stehen Stoffkreisläufe, gewachsene Ressourcen, Wiederverwertung, Inwertsetzung und neue Materialexperimente im Mittelpunkt. Die Ausstellung reflektiert die gemeinsame Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und sondiert, was und wie Gestaltung dazu beitragen kann, gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken.

Diese und weitere Ausstellungen sind das Herzstück des Jubiläumsprogramms. Sie bieten tiefe Einblicke in die Fundamente des Bauhauses, seine materielle und immaterielle Substanz sowie Relevanz für die Gegenwart. Im Programm des Jubiläums 2025/2026 stehen darüber hinaus weitere Ausstellungen, ein Video-Walk ("Unsichtbares Bauhaus Dessau"), Filmreihen, Feste und Vermittlungsformate, die die Vielfalt des Bauhauserbes erlebbar und zugänglich machen. Neben den Programmpunkten der Stiftung Bauhaus Dessau bereichern auch Projekte der städtischen Kooperationspartner das Jubiläumsprogramm und setzen eigene Akzente.