Medienkunst

Fünf Fragen an Ksawery Komputery

Unter dem Namen Ksawery Komputery entwickelt Ksawery Kirklewski interaktive Lichtinstallationen und audiovisuelle Performances. Im Gespräch erklärt der Künstler und Programmierer, warum Technologie für ihn etwas Spielerisches hat – und weshalb er die polnische Medienkunst gerne auf die Biennale von Venedig bringen würde


Ksawery Komputery, im Berliner Kant-Garagenpalast standen die Besucherinnen und Besucher letzte Woche plötzlich zwischen meterhohen Lichtwänden aus hunderttausenden Pixeln. Was haben sie dort eigentlich erlebt?

Wir haben eine neue Installation gezeigt, an der wir mehrere Monate gearbeitet haben. Sie war in vielerlei Hinsicht ein Experiment. Zum einen haben wir mehr LEDs eingesetzt als jemals zuvor, zum anderen haben wir erstmals mit einer räumlichen Struktur gearbeitet. Unsere früheren Installationen waren meist eher flach oder zylindrisch aufgebaut, hier gab es mehrere Ebenen aus Licht, die hintereinander angeordnet waren. Daher auch der Titel "LAYERS". Dadurch konnten wir Effekte erzeugen, die vorher nicht möglich waren. Die einzelnen Ebenen reagieren zeitversetzt auf die Bewegungen der Besucherinnen und Besucher. Wenn man sich durch die Installation bewegt, entstehen gewissermaßen Nachbilder im Raum. Für uns war das auch ein Test dafür, wie weit wir unser eigenes System treiben können.

Für die Arbeit erfassen Infrarotkameras die Bewegungen des Publikums in Echtzeit. Das klingt erst einmal wie die freundliche Version von Überwachungstechnologie. Ist es das?

Tatsächlich werden ähnliche Kameras häufig in Überwachungssystemen eingesetzt. Der Grund, warum wir sie verwenden, ist aber ein anderer. Wir haben unser Kamera- und Softwaresystem vor Jahren selbst entwickelt, weil herkömmliche Kameras bei unseren Installationen Probleme verursacht haben. Das Licht der LEDs wurde von den Kameras registriert, wodurch Rückkopplungen entstanden und alles zu flackern begann. Infrarotkameras sehen dieses Licht nicht. Gleichzeitig können sie Menschen auch in völliger Dunkelheit erkennen. Für uns ist vor allem die Geschwindigkeit entscheidend: Normale Kameras arbeiten oft mit einer spürbaren Verzögerung. Bei interaktiven Arbeiten möchte ich aber, dass die Reaktion unmittelbar erfolgt. Wenn man die Hand bewegt, soll das System sofort antworten. Es soll sich eher wie ein Spiegel anfühlen als wie eine Maschine.

Viele Menschen erleben Algorithmen als etwas Unsichtbares, das im Hintergrund arbeitet. Sie machen daraus eine körperliche Erfahrung. Verändert sich unser Verhältnis zu diesen Systemen, wenn wir ihnen plötzlich räumlich gegenüberstehen?

Vielleicht. Wobei ich die Arbeit gar nicht so sehr als Kommentar zu Algorithmen verstehe. Mich interessiert eher unser Verhältnis zu Technologie allgemein. Wir benutzen sie jeden Tag, und viele Menschen haben Angst davor, wie schnell sich alles entwickelt. Diese Skepsis kann ich nachvollziehen. Gleichzeitig gibt es aber auch eine andere Seite. Ich habe früher sehr viele Computerspiele gespielt, und dieses Spielerische interessiert mich bis heute. Gamification ist deshalb auch ein wichtiger Teil von "LAYERS". Die Besucherinnen und Besucher beeinflussen nicht nur die Bilder, sondern auch den Klang. Das Soundsystem erzeugt die Musik in Echtzeit, jede Bewegung verändert die Installation. In gewisser Weise funktioniert sie deshalb wie ein Instrument, das man mit dem eigenen Körper spielen kann.

Mit "HOLOTRIGGER" übersetzen Sie gemeinsam mit dem Musiker wh0wh0 Klang in generative Bilder. Gleichzeitig entwickeln Sie Arbeiten für Museen und Festivals. Wo liegen die größten Unterschiede?

Die Atmosphäre ist völlig unterschiedlich. Die Performances mit Musik haben für mich fast etwas Theatralisches. Sie besitzen eine Dramaturgie, ruhige Momente und sehr intensive Passagen. Man erlebt sie eher wie eine Geschichte, die sich über einen längeren Zeitraum entfaltet. In Museen und Galerien sind die Arbeiten oft kontemplativer. Die Besucherinnen und Besucher bestimmen selbst, wie lange sie bleiben und wie tief sie eintauchen möchten. Mich interessieren beide Formen. Bei den musikalischen Projekten fasziniert mich besonders die Synchronisation. Ich habe früher Musikvideos gemacht und als VJ gearbeitet. Dabei war mir immer wichtig, dass man die Verbindung zwischen Bild und Ton tatsächlich spürt. Deshalb habe ich ein System entwickelt, das direkt mit den Instrumenten verbunden ist. Bei "HOLOTRIGGER" erhält die Software Informationen darüber, welche Trommel gerade gespielt wird und wie intensiv. Der Musiker bestimmt Tempo und Dynamik, während wir entscheiden, wie diese Informationen visuell übersetzt werden.

Ihr Producer hat mir letzte Woche beim Amex-Event erzählt, dass die Venedig-Biennale auf Ihrer persönlichen Wunschliste steht. Stimmt das?

Ja. Die Biennale von Venedig ist einer der wichtigsten Kontexte, in denen Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeit präsentieren können. Deshalb wäre es natürlich eine große Ehre, eines Tages Teil davon zu sein. Für mich hätte das eine besondere Bedeutung, weil ich aus der Welt der digitalen Kunst, der neuen Medien, generativen Systeme sowie der Arbeit mit Licht, Klang und Technologie komme. In Polen gibt es in diesem Bereich eine sehr starke und lebendige Szene, und ich fände es spannend, diese Seite des Landes auf einer so internationalen Bühne zu zeigen.