Monopol-Podcast "Kunst und Leben"

Was will die Art Basel in Katar?

Was passiert, wenn die weltgrößte Kunstmesse in ein Land mit autokratischem Regime zieht? Im "Kunst und Leben"-Podcast sprechen wir über Prestige, Investitionen und die Macht der Kunst in Doha, wo die Art Basel Qatar jetzt ihre Premiere feierte

Die Art Basel ist längst nicht mehr nur in Basel zu Hause. Nach Ablegern in Miami Beach, Hongkong und Paris hat die Kunstmesse vergangene Woche ihren fünften Standort eröffnet – in Doha, der Hauptstadt Katars. Mit dem Fokus auf die Region rund um den Persischen Golf legt die Messe ein klares Bekenntnis zu kultureller Expansion und wirtschaftlicher Macht ab.

Das kuratorische Motto der Art Basel Katar lautete "Becoming". Es ist Programm: Die Golfregion hat in den letzten Jahrzehnten ein enormes Wachstum erlebt, investiert massiv in Kultur, Sport und Tourismus. Mehr als die Hälfte der 84 ausgestellten Künstlerinnen und Künstler kommen aus dem Nahen Osten, Nordafrika oder Südasien. Doch die Expansion wirft Fragen auf: Kritiker sehen in Katar ein autokratisches Regime, das Kunst als Softpower einsetzt, um von Menschenrechtsverletzungen, der Einschränkung von Frauen- und Mädchenrechten, Diskriminierung von LGBTQA+-Personen und der Unterstützung islamistischer Organisationen abzulenken.

In dieser Folge des Monopol-Podcasts "Kunst und Leben" spricht Moderatorin Sara-Marie Plekat mit Stefan Kobel, Kunstmarktjournalist und Autor unter anderem für das Monopol-Magazin, "Handelsblatt" und "Tagesspiegel", über die neue Art Basel in Katar. Die Entscheidung der Art Basel, Katar als Standort zu wählen, werfe Fragen auf, sagt Kobel, der in der vergangenen Woche für Monopol vor Ort war – und zeige einmal mehr, wie eng Kunst, Wirtschaft und geopolitische Interessen heute verflochten sind.

Wie geht die Art Basel mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen um?

Dabei geht es nicht nur um die Messe selbst: Katar verfolgt seit den 1990er-Jahren eine Strategie, Kunst und Kultur für das eigene nation building zu nutzen. Mit neunstelligen Investitionen jährlich werden Museen gebaut, Sammlungen ausgebaut und ein kulturelles Profil geschaffen, das das Land global positioniert. Anders als in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo Louvre, Guggenheim oder Centre Pompidou als Franchise-Museen auftreten, setzt Katar auf eigene Strukturen – und auf die Kontrolle über Inhalte und Präsentationen.

Diese Podcast-Folge beleuchtet auch die wirtschaftliche Dimension der Messe: Die Art Basel wird von der MCH Group und staatseigenen katarischen Unternehmen wie Qatar Sports Investments finanziert. Private Investoren wie James Murdoch, Sohn von Rupert Murdoch, investieren in die Messe und erwarten Rendite. Gleichzeitig profitieren internationale Galerien, während kleinere und mittlere Häuser oft außen vor bleiben.

Ein weiteres zentrales Thema: Wie geht die Art Basel mit der Kritik an Menschenrechtsverletzungen in Katar um? Stefan Kobel beschreibt ein dröhnendes Schweigen innerhalb der westlichen Kunstszene, das teilweise erklärt werden kann durch die wirtschaftlichen Abhängigkeiten von Umsatz und Investitionen. Politische Kunst ist kaum sichtbar, politische Statements werden weitgehend vermieden, der Fokus liegt auf Investmentchancen und künstlerischen Inhalten.

Die Golfstaaten etablieren sich damit als globale Player

Abschließend beleuchtet diese "Kunst und Leben"-Folge den Wettbewerb in der Region: Art Dubai, Freeze Abu Dhabi und nun Art Basel Qatar – ein Wettlauf um Aufmerksamkeit, Prestige und Kaufkraft. Die Golfstaaten etablieren sich damit als globale Player im Kunstmarkt, der westlich dominierte Blick auf die Szene beginnt sich zu verändern. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob Kunst in diesen Kontexten zum Spielball politischer Macht wird – oder ob Künstlerinnen, Künstler und Galerien Wege finden, sich unabhängig zu positionieren.

"Kunst und Leben" ist ein Monopol-Podcast in Kooperation mit Detektor.FM und wird von Sara-Marie Plekat moderiert. Zweimal im Monat geht es um alles, was die Kunstwelt bewegt – von Künstlerinnen und Kuratoren bis hin zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt. Die aktuelle Folge finden Sie auch direkt hier: