Die beste Nachricht zuerst: Im Primärmarkt – also bei den Galerieausstellungen – ist die Geschlechterparität erreicht. Das behauptet der "Art Basel & UBS Global Art Market Report". Und wie immer, steckt der Teufel im Detail. Denn der Umsatzanteil von Künstlerinnen fällt geringer aus: Er liegt bei 37 Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber 28 Prozent im Jahr 2018, aber weiterhin unter dem Niveau männlicher Künstler. Bei Galerien mit einem Umsatz unter 250.000 Dollar stellten Frauen sogar 55 Prozent der Künstler und erzielten 43 Prozent des Umsatzes. Diese Anteile sanken mit steigendem Umsatz und erreichten 35 Prozent der Künstler und 27 Prozent des Umsatzes bei Galerien mit einem Umsatz von über zehn Millionen US-Dollar.
Dieses Muster deutet darauf hin, dass sich zwar der Zugang und die Vielfalt am unteren Ende verbessert haben, jedoch relativ wenige Künstlerinnen den Aufstieg in die kommerziell erfolgreichsten Ebenen schaffen. Allerdings ist der Altersschnitt zur Spitze hin ansteigend. Es ist also anzunehmen, dass mit der Zeit auch dort zahlenmäßig eine Angleichung stattfinden wird. Der Gender Pay Gap scheint sich aber vorerst zu halten. Man darf gespannt sein, wie der Generationenwechsel mit seinen gewaltigen Vermögensübergängen das Gefüge verändert.
Nach zwei schwächeren Jahren hat der weltweite Kunstmarkt 2025 wieder moderat zugelegt. Der weltweite Umsatz stieg um vier Prozent auf 59,6 Milliarden US-Dollar. Analysiert werden in der zehnten Ausgabe des Branchenbarometers die Entwicklungen bei Galerien und Händlern, im Auktionsmarkt sowie im Messegeschäft. Die aktuellen geopolitischen Spannungen hätten bislang erstaunlich geringe Spuren im Kunsthandel hinterlassen, sagt Clare McAndrew, Gründerin von Arts Economics und Autorin des Berichts.
Auktionsmarkt treibt Wachstum
Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Auktionsmarkt. Dessen Umsatz erhöhte sich um neun Prozent auf 20,7 Milliarden Dollar. Entscheidenden Anteil daran hatte das obere Preissegment: Verkäufe über zehn Millionen Dollar legten um 30 Prozent zu und erwiesen sich damit einmal mehr als Motor der Gesamtentwicklung.
Der Handel über Galerien und Händler bleibt mit 34,8 Milliarden Dollar zwar das größte Marktsegment, wuchs jedoch nur um zwei Prozent. Bei den sogenannten Private Sales der Auktionshäuser ging der Umsatz sogar leicht zurück – um vier Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Deutlich schwächer entwickelte sich der Onlinehandel: Mit 9,2 Milliarden Dollar lag sein Volumen elf Prozent unter dem Vorjahr und damit auf dem niedrigsten Stand seit 2019. Hochpreisige Transaktionen, so der Bericht, werden wieder häufiger im direkten persönlichen Austausch abgewickelt.
Die oft beschworene Galerienkrise bestätigt sich in den Zahlen nicht. Weltweit hielten sich Schließungen und Neugründungen in etwa die Waage. Wachstum verzeichneten vor allem kleinere Händler mit Jahresumsätzen unter 500.000 Dollar. Im mittleren Segment zwischen einer und zehn Millionen Dollar gingen die Erlöse leicht zurück, während sich das obere Marktsegment wieder stabilisierte.
Kunstmessen gewinnen wieder an Bedeutung
Parallel dazu gewinnen Kunstmessen erneut an Bedeutung. Ihr Anteil am Händlerumsatz stieg auf 35 Prozent – ein Plus von vier Prozentpunkten und der höchste Wert seit 2022. Das ist allerdings noch ein Stück entfernt von der Bedeutung der Kunstmessen für den Umsatz in den Nullerjahren, als anderseits die Zahl der Messen noch deutlich geringer war. Besonders wichtig sind dabei Messen im Ausland, auf denen ein Großteil der Verkäufe generiert wird. Vor allem mittelgroße Galerien konnten hier zulegen.
Geografisch dominiert weiterhin der Dreiklang aus USA, Großbritannien und China, die zusammen 76 Prozent des globalen Umsatzes auf sich vereinen. Die USA bleiben mit einem Anteil von 44 Prozent klar führend, gefolgt von Großbritannien (18 Prozent) und China (14 Prozent). Frankreich, weltweit viertgrößter Markt und innerhalb der EU führend, wuchs um neun Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar und steigerte seinen Marktanteil auf neun Prozent. Auch Österreich und die Schweiz legten jeweils um 13 Prozent zu.
Deutschland bildet dagegen eine Ausnahme. Der hiesige Markt schrumpfte um zehn Prozent. Ausschlaggebend war vor allem der Auktionssektor, der nach einem außergewöhnlich starken Jahr 2024 um 17 Prozent auf 626 Millionen Dollar zurückging. Rund 80 Prozent des Geschäfts deutscher Marktteilnehmer entfällt auf den Handel innerhalb der Europäischen Union. Trotz des Rückgangs bleibt Deutschland der sechstgrößte Kunstmarkt weltweit.