LBBW-Sammlung auf der Art Karlsruhe

Pixel meets Pinsel

Die Sonderschau der Sammlung LBBW auf der Art Karlsruhe zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler das Spannungsfeld von Mensch und Technologie ausloten – von Oehlens frühen Computerbildern bis zu Arbeiten mit KI, 3D-Druck und Gaming-Ästhetik

1990 kaufte sich Albert Oehlen ein Notebook der Firma Texas Instruments, entwickelte darauf Zeichnungen und übertrug diese auf Leinwand. Das Programm war schwerfällig, die Ästhetik pixelig und die Auflösung niedrig, doch trotz oder auch wegen der Einschränkungen fand der Maler zu Mustern, auf denen er improvisieren und neue Wege der Abstraktion beschreiten konnte. "Fertig machen muss es dann die menschliche Hand", resümierte Oehlen leicht ironisch den Wettstreit zwischen digitalem Design und menschlicher Geste. Bilder aus Oehlens Serie der "Computerbilder" bilden jetzt so etwas wie den historischen Ausgangspunkt für die Sonderschau der Sammlung LBBW auf der Art Karlsruhe.

"Digital Traces. Kunst im Zeitalter der Digitalisierung" – unter diesem Titel hat Kuratorin Sarah Haberkorn aus den über 3000 Werken im Besitz der Landesbank Baden-Württemberg solche ausgewählt, die das Spannungsfeld zwischen Mensch und Computertechnologie ausloten und einen Resonanzraum schaffen für die drängenden Fragen unserer Gegenwart. Das Spektrum der in Halle 3 der Messe versammelten Werke von rund einem Dutzend Künstlerinnen und Künstler deckt ein weites Themenspektrum unserer durchdigitalisierten Gesellschaft ab, von künstlicher Intelligenz bis zu Virtual Reality und Sozialen Medien, vom Privaten bis zum Politischen.

Die Luxemburgerin Mary-Audrey Ramirez etwa, die in dem Jahr zur Welt kam, als Oehlen erstmals zum Notebook griff, ist passionierte Gamerin und versteht das Kunstschaffen als Teamwork zwischen Mensch und Maschine, bei dem keiner von beiden die Oberhand hat. Ihre neuesten Arbeiten auf Textil zeigen niedlich-gruselige Fantasiewesen in Sci-Fi-Szenerien und sind von der Welt der Computerspielkultur inspiriert, wobei Ramirez den Einsatz von künstlicher Intelligenz in schönster Widersprüchlichkeit mit textiler Handarbeit kombiniert.

Fragen von Identität, Erinnerung und Herkunft

Manuel Grafs Lokomotiven kommen aus dem 3D-Drucker und basieren auf Motiven, die von einem Text-zu-Bild-Generator erstellt wurden. So nutzt er KI als kreatives Werkzeug und reflektiert deren Ambivalenzen: Wie einst die Eisenbahn, löst heute KI sowohl Fortschrittseuphorie wie auch Zukunftsängste aus. Auch Andreas Greiner untersucht mit seinen Arbeiten den technischen Fortschritt – seine apokalyptischen Motive gestaltet er mithilfe der KI-Software Midjourney und nutzt als Bildträger Computerplatinen.

Morgaine Schäfer wiederum erforscht Fragen von Identität, Erinnerung und Herkunft: Für ihre Serie "magnify" digitalisiert sie Diaaufnahmen ihres Vaters aus den 1970er-Jahren mit ihrer Handykamera, wählt Bildausschnitte aus und fotografiert das Smartphone ab – so reist sie digital ins Analoge, von der Gegenwart in die Vergangenheit ihrer eigenen Familiengeschichte.

Dieser Artikel erschien zuerst im Monopol-Sonderheft zur Art Karlsruhe 2026