Die meisten Künstler wollen der Nachwelt etwas Inspirierendes mitgeben – genau dafür bietet das 2025 entwickelte Ausstellungsformat "re:frame" auf der Art Karlsruhe eine Plattform. Hier stehen die Nachlässe von bereits verstorbenen oder aus anderen Gründen nicht länger aktiven Künstlern im Rampenlicht. Die Nachlassbetreuer, die sich mit viel Leidenschaft für die Bewahrung eines Œuvres starkmachen, spielen dabei eine zentrale Rolle – "re:frame" würdigt ihre Arbeit und thematisiert Herausforderungen im Umgang mit einem künstlerischen Erbe.
Insgesamt sechs Künstlernachlässe werden 2026 präsentiert, mit Andreas Lau ist auch ein Karlsruher Maler vertreten, dessen Nachlass von der Galerie Alfred Knecht verwaltet wird. Lau kämpfte jahrelang gegen eine schwere Erkrankung, die ihn jedoch vom Kunstmachen nicht abhielt. Bis zu seinem Tod im Jahr 2024 malte er fast täglich, außerdem schrieb er Gedichte, die sein facettenreiches Werk vertiefen. Alfred Knecht beleuchtet mit der Messepräsentation verschiedene Serien von Lau, darunter Porträts und rhythmische Landschaften. Durch optische Täuschungen entfalten sich viele der Bilder erst auf den dritten Blick, manche bleiben ein Rätsel aus gemalten Pixeln.
Aus Leipzig nimmt dieses Jahr die Galerie Schwind mit Werken von Rolf Händler an "re:frame" teil. Der Schwerpunkt liegt hier auf den Landschaftsbildern des 2021 verstorbenen Malers. Geschäftsführer Paul Gathof versteht die Nachlassbetreuung als einen Balanceakt zwischen Kunsthandel und Kulturarbeit: "Die Vermarktung eines solchen Nachlasses erfordert ein sensibles Gleichgewicht zwischen kulturhistorischer Verantwortung und wirtschaftlichen Interessen." Händlers Erbe solle möglichst lange erhalten bleiben, damit auch kommende Generationen von seiner Kunst profitieren, so Gathof.
Dienst an der Kunst
Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler sind seit über 30 Jahren als Vermittler regionaler Kunst tätig. 2005 gründeten sie die Kunstpartner Galerie in Adlmannstein, seit 2019 betreiben sie zudem ein Schaulager für Künstlernachlässe, das ebenfalls vorrangig der Sichtbarmachung regionaler Künstler gewidmet ist. "Wir leisten einen hohen persönlichen Einsatz, stellen viel Raum zur Verfügung, haben eine Menge Geld investiert", erzählt Rapf-Karikari.
Auf der Art Karlsruhe zeigen die Kunstpartner eine verkleinerte Version ihres Schaulagers mit Arbeiten von Susanne Böhm, Max Bresele und Margot Luf. Der deutsche Künstler Albrecht Genin (1945–2013) war ein Weltenbummler, verbrachte viel Zeit auf Reisen, immer auf der Suche nach Ideen. Sein vielfältiger Nachlass befindet sich in den Händen der Berliner Galerie Dietrich, die den Maler, Bildhauer und Zeichner seit 1986 vertritt. Dank der Unterstützung von Horst Dietrich finden Genins Arbeiten 40 Jahre später immer noch neue Liebhaber, und das völlig zu Recht: Besonders seine fantasievollen Malbücher wirken heute nicht weniger lebendig.
Dieser Artikel erschien zuerst im Monopol-Sonderheft zur Art Karlsruhe 2026