Zugegeben, es ist ein ungewöhnlicher Konzertsaal: die Ehrengalerie des Rijksmuseums in Amsterdam. Rembrandt, Vermeer, Leyster – Gemälde, die normalerweise in ehrfürchtiger Stille betrachtet werden. Dazwischen sitzt Sting mit einer Gitarre auf einem Hocker und spielt den Police-Klassiker "Message in a Bottle". Der außergewöhnliche Auftritt ist nun unter dem Titel "The Night Watch: Live at the Rijksmuseum" als Live-Album auf CD, Vinyl und digital erschienen.
Ursprünglich entstand das Konzert für die Arte-Reihe "Sounds Like Art", für die der 17-fache Grammy-Preisträger ein Akustikset inmitten der Alten Meister aufgenommen hat. Sting ist dabei weniger Rockstar als Gastgeber eines abendlichen Rundgangs. Die Kapitel sind so angelegt, dass er zwischen den Songs von seiner Karriere und seiner Heimat im Nordosten Englands erzählt – und von der Kunst. Gute Songs seien wie Gemälde, so der 1951 geborene Musiker vor Kurzem im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: je länger man sie betrachte oder höre, desto mehr Schichten und Details offenbarten sich.
Rembrandt van Rijn "Die Nachtwache", 1642
Als Kind, so erzählt es Sting im Konzertfilm auf Arte, habe er am Ende seiner Straße riesige Schiffe gesehen, die über die Häuser ragten und "die Sonne verdunkelten". Eine industrielle Landschaft, die er damals unbedingt verlassen wollte. Erst später habe er verstanden, wie reich dieses Umfeld eigentlich gewesen sei: "Die Schiffe, der Fluss, das Meer, die Kirche – all das hat mich als Künstler genährt." Songs wie "Island of Souls" oder "The Last Ship" aus seinem gleichnamigen Musical werden so zu Erinnerungsstücken aus dieser Welt der Werften. Natürlich fehlen auf dem Album aber auch die Klassiker nicht: "Roxanne", "Every Breath You Take", "Fields of Gold".
Dass das Konzert nun als Album erscheint, passt zu Stings Verständnis seiner eigenen Musik. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte der Musiker, seine Aufgabe sei es nicht, Lieder einfach zu reproduzieren. Ein Song sei etwas Lebendiges, in dem es immer wieder Neues zu entdecken gebe. Deshalb klingen Klassiker wie "Message in a Bottle" oder "All This Time" hier eher wie intime Balladen als wie Stadionhymnen. Im Übrigen sei ein gutes Lied gar nicht so weit von einem guten Gemälde entfernt, so der ehemalige Police-Frontmann. Beide erzählen eine Geschichte. Man muss nur genau hinsehen – oder zuhören.