Der Kunstmarkt befindet sich im Aufwind. Hat Artprice herausgefunden. Artprice gilt als die "Arme-Leute-Alternative" für die Price Database des Marktführers Artnet. Seine Auktionspreisdatenbank mag tatsächlich ihre Schwächen haben. Mit dem aktuellen Report "The Contemporary Art Market 2025" beweist der französische Dienstleister jedoch seine Stärken. Viele kleinere Auktionshäuser, das untere Preissegment und der chinesische Markt werden bei der Sammlung der Daten berücksichtigt. Damit erhöht sich zwar die Fehleranfälligkeit, gerade was die bekannte Unzuverlässigkeit chinesischer Ergebnislisten angeht. Andererseits erlaubt das eine frühe und genaue Trenderkennung.
Der aktuellen Analyse zufolge geht es in bestimmten Bereichen bergauf. Artprice hat Auktionsergebnisse für die Sparten Gemälde, Skulptur, Zeichnung, Druckgrafik, Fotografie, Video, Installation, Wandteppiche und NFTs im Bereich der zeitgenössischen Kunst analysiert. Zwar sehe das oberste Preissegment des Auktionsmarkts eine anhaltende Kaufzurückhaltung, doch gerade im unteren Preisbereich bis 5000 Dollar zeige sich ein dauerhaft positiver Trend.
Die Anzahl der Transaktionen in dieser Sparte wächst weiterhin, um neun Prozent in den letzten zwölf Monaten. Mit 146.750 verkauften Losen im Jahr 2024/25 hat der Markt einen historischen Höchststand erreicht. Diese Dynamik, die insbesondere vom US-amerikanischen und britischen Markt getragen wird, schreibt das Wachstum der letzten fünf Jahre fort, die Zunahmen zwischen fünf und 15 Prozent aufweisen.
Digitale Technologien im Zentrum des Wandels
Die Zahl der verkauften zeitgenössischen Werke in der Artprice-Datenbank ist von 15.150 vor 20 Jahren auf 62.640 vor zehn Jahren gestiegen und erreichte in diesem Jahr einen Höchststand von 146.750, was einem Anstieg von 134 Prozent in den letzten zehn Jahren und spektakulären 868 Prozent in den letzten 20 Jahren entspricht. Der technologische Fortschritt wird sicherlich dazu beigetragen haben, dass das Unternehmen mittlerweile viel mehr Daten verarbeiten kann als vor zwei Jahrzehnten. Die Tendenz dürfte jedoch stimmen. Von mehr als 47.000 Künstlern wurde demnach mindestens ein Werk angeboten, und fast 36.000 verzeichneten mindestens einen Auktionsverkauf.
Gleichzeitig wurde mit der gestiegenen Anzahl an Kunstwerken insgesamt weniger Geld umgesetzt. Tatsächlich liegt der Auktionsumsatz mit 1,44 Milliarden Dollar ungefähr auf der Höhe von 2010. 85 Prozent aller versteigerten Kunstwerke kosten unter 5000 Dollar – inklusive Aufgeld.
Digitale Technologien stehen dabei im Zentrum des Wandels: Sie ermöglichen den einfachen Zugang zu erschwinglicher Kunst und prägen das Kaufverhalten einer neuen Sammlergeneration. Vor allem Millennials und Vertreter der Gen Z, geübt im Umgang mit digitalen Plattformen, nutzen Online-Auktionen für spontane Lustkäufe. Der Erwerb eines Kunstwerks ist eher ein Erlebnis als eine Investition mit Renditeerwartung.
Für Erstverkäufe fehlen zuverlässige Zahlen
All dies bezieht sich wohlgemerkt auf Auktionen, also den Sekundärmarkt. In aller Regel handelt es sich um Kunstwerke, die zuvor bereits auf dem Primärmarkt durch Galerien, Berater oder die Künstler selbst verkauft wurden und jetzt mindestens zum zweiten Mal gehandelt werden. Einlieferungen durch die Künstler selbst sind nach wie vor die absolute Ausnahme. Für die Erstverkäufe fehlen jedoch zuverlässige Zahlen. Doch lässt sich annehmen und durch eigene Recherchen in Galerien und auf Kunstmessen bestätigen, dass auch dort die Einstiegspreise eine fallende Tendenz aufweisen.
Für Galerien ist das einigermaßen dramatisch. Denn es bedeutet, dass sie im Durchschnitt mehr Kunstwerke verkaufen müssen und damit weniger einnehmen. Und das bei gestiegenen Ausgaben. Messeteilnahmen etwa kosten heute gerne doppelt so viel wie vor 15 oder auch vor zehn Jahren, dasselbe gilt für Mieten an vielen Orten. Was also für junge Sammler oder die skalierbaren Geschäftsmodelle innovativer Versteigerer gut sein mag, ist für Galerien, die Künstlern durch Ausstellungen überhaupt erst Sichtbarkeit und Teilnahme am Diskurs bieten, durchaus zweischneidig.