Astrid Sourkova und Markus Selg wagen sich in Düsseldorf an eine Erklärung der Welt

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Eigentlich ist es ein Projekt, über das man sich freuen möchte. Der erst vergangenes Jahr gegründete Düsseldorfer Kunstraum Kai 10 der Arthena Foundation von Sammlerin Monika Schnetkamp gibt zwei jungen, vielversprechenden Künstlern eine Carte blanche für eine experimentelle Ausstellung. Astrid Sourkova und Markus Selg, die schon seit Längerem in der Berliner Szene zu Hause sind und dort auch ihre ersten Erfolge gesammelt haben, wagen mit diesem Angebot den großen Wurf.


Angelehnt an Fritz Langs gleichnamigen Stummfilm gestalten sie die Ausstellung „Der müde Tod oder der Gang über die ekstatische Treppe“ als dramatische Gesamtinszenierung. In Langs expressionistischer Vorlage geht es um das Liebesopfer einer jungen Frau, die versucht, mit dem Tod über das Leben ihres Geliebten zu verhandeln, und diesem schließlich doch über die Schwelle ins Unendliche folgt. Sourkova und Selg spiegeln diese Struktur mit der Unterteilung der Galerie in die beiden Konzepträume „Welthof menschlicher Konflikte“ und „Liebestod – Rückkehr zum Leben“ wider. Verbunden sind sie durch Selgs an das Ischtar-Tor erinnernde Portal „Die ekstatische Treppe“.


Während Jessye Norman auf der einen Seite Wagner singt und eine meditativ anmutende Unterwasser-Videoprojektion vor sich hin plätschert, ist im weltlichen Raum die Hölle los. Angeregt von der Formensprache Langs hat das Duo die White-Cube-Wände mit exotistischen Ornamenten bemalt. Sourkovas zackige Kriegsbilder zeigen mittelalterliche Heerscharen in lakonischem Tuschestrich. Bernhard Lehner hat eine Reihe zusammengesammelter Gehstöcke beigesteuert, die er mit Knäufen aus Christusfiguren, Spider-Man-Puppen und geköpften Barbies versehen hat. Andrew Gilbert beunruhigt mit vier lebensgroßen afrikanischen Soldaten in britischer Uniform, die eine Sänfte für einen Kannibalenkönig tragen.
Doch die unterschiedlichen Objekte fügen sich nicht zu einem kohärenten Gesamtbild zusammen. Das Ergebnis ist ein etwas prätentiös geratenes Brimborium, für das man allerdings mit einigen guten Arbeiten entschädigt wird.


Kai 10 – Raum für Kunst, Düsseldorf, 24. Januar bis 28. März

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