Kochkolumne von Mohamed Amjahid

Auf ein süßes Date mit Bienen

Während die EU gerade ihre "Frühstücksrichtlinie" verschärft, schützt unser Kochkolumnist Mohamed Amjahid die Bienen auf seine Weise: mit einem veganen Kuchen ohne Honig, dafür mit Datteln und Kaffeearoma

Wie viel Freiheit verträgt der Mensch? Ernst gemeinte Frage! Dass Freiheit ein hohes Gut ist, bleibt unumstritten. Wir Menschen sind von Natur aus Wesen, die lieber kontrollieren, als kontrolliert und limitiert zu werden. Freiheit kulminiert an einigen Stellen aber manchmal im Autoritären. Es soll ja ein umstrittenes Medienhaus geben, das eine "Chefreporterin Freiheit" beschäftigt, um illiberale Ideologien zu verbreiten. Freiheit kulminiert manchmal in Realsatire.

Auf jeden Fall musste ich vor wenigen Tagen am Honigregal im Supermarkt an die Bienen denken. Sie sind so fleißig, sammeln den kostbaren Nektar von den Blümchen ein und verarbeiten ihn aufwendig im Kollektiv zum Honig. Und dann kommen wir Menschen, nehmen uns einfach die dreiste Freiheit und klauen die harte Arbeit der Bienen. Kurz bevor ich den Supermarkt betreten habe, hatte mir Eckart von Hirschhausen in einem Video erklärt, wie viel ein Glas Honig kosten würde, wenn wir den Bienen den Mindestlohn zahlen würden. 2500 Bienen müssen jeweils zehn Stunden für circa 500 Gramm Honig arbeiten: Bei einem Mindestlohn von zwölf Euro ergibt diese Rechnung 300 000 Euro für ein Glas Honig. Im Supermarkt bekommt man das Glas allerdings schon mal unter drei Euro. Unfair.

Seit wenigen Tagen müssen Honiggläser in Supermarktregalen genauere Angaben zum Ursprungsland enthalten. Bisher stand nur "Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern" darauf, was die Verbraucherorganisation Foodwatch zu Recht als "Honig für Außerirdische" betitelte. Schließlich sagt die Angabe "Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern" ja nur aus, dass er vom Planeten Erde stammt. Nun muss das Etikett angeben, zu wie viel Prozent der Honig aus welchem Land stammt. Immerhin ist das eine Möglichkeit, für mehr Transparenz zu sorgen, welche Bienen wo beklaut wurden – und ob der Honig einmal um die halbe Welt verschifft werden musste. Mit der neuen Frühstücksrichtlinie soll mehr Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher geschaffen werden. Und endlich hat die EU ein tolles bürokratisches Wort auf den Markt geworfen: Frühstücksrichtlinie.

Die Leitfrage an meinem Frühstückstisch lautet nun: Wie viel menschliche Freiheit vertragen die Bienen? Ich habe mich im Supermarkt erst mal für Erdnussbutter entschieden und denke immer noch über diese Frage nach. An dieser Stelle ein Rezept mit Honig vorzuschlagen, wäre ketzerisch. Deswegen lade ich heute alle auf ein veganes Coffee Date ein. Ein veganer Kuchen – gesüßt mit Datteln und mit Kaffee aromatisiert. Infantilen Freiheitsperformenden schmeckt dieses Gebäck vielleicht nicht, weil es sich eher an einen erwachsenen Gaumen schmiegt. Nicht so süß, samtig weich, aber mit einem kleinen Crunch dazwischen. 

Das Rezept

200 Gramm entkernte Datteln, am besten Medjool-Datteln, etwa zwölf bis 14 Stück, in 150 Milliliter heißem Wasser einweichen. 2 Teelöffel Instantkaffee einrühren und die Datteln zehn Minuten in der Wasser-Kaffee-Mischung ziehen lassen, bis sie weich sind und das Kaffeearoma aufgenommen haben. Anschließend die Datteln zusammen mit der Flüssigkeit zu einem glatten, dickflüssigen Mus pürieren. Die Datteln wirken nebenbei als Ei-Ersatz. In einer Schüssel 250 Gramm Mehl, 1 Teelöffel Backpulver, 1 Prise Salz, 1 Teelöffel Zimt und 2 Esslöffel ungesüßtes Kakaopulver vermischen. In einer zweiten Schüssel 80 Milliliter neutrales Pflanzenöl, 1 Teelöffel Apfelessig und 1 Teelöffel Vanilleextrakt verrühren. Danach das Dattel-Kaffee-Mus hinzufügen und alles gründlich vermischen. Die trockenen Zutaten nach und nach zu den flüssigen Zutaten geben und so lange rühren, bis ein glatter Teig entsteht. Am Ende eine Handvoll Zartbitterschokoladendrops unterrühren. Eine Kuchenform der Wahl einfetten oder mit Backpapier auslegen und den Teig hineingeben. Den Kuchen im vorgeheizten Ofen bei 180 °C Ober- und Unterhitze 45 bis 50 Minuten backen. Nach dem Backen abkühlen lassen, auf ein Gitter stürzen und mit Puderzucker dekorieren. Ich bin mit dem Kuchen in den Park gegangen und habe die Bienen dort in Ruhe und damit in Freiheit gelassen.