Im Oktober 1947 reist Herbert List durch das vom Krieg zerstörte Deutschland. Er besucht Hamburg, Frankfurt, Berlin. Der Sohn einer Hamburger Unternehmerfamilie, die Kaffee importiert, begann 1930 unter dem Einfluss von Man Ray und den Pariser Surrealisten zu fotografieren. Er übernahm zunächst die Leitung der väterlichen Firma, musste dann aber als "Vierteljude", Schwuler und Gegner des NS-Regimes 1937 emigrieren.
Bis 1941 lebte er in Griechenland, war schließlich gezwungen nach Deutschland zurückzukehren, überlebte den Krieg unter abenteuerlichen Umständen. Nach Berlin kommt er zum ersten Mal seit dem "Friedensausbruch" zurück, wie er seinem guten Freund, dem jüdischen Kunsthändler Curt Valentin, nach New York schreibt: "Die Fahrt nach Berlin machte ich im Military-train der Englaender. Es ist noch immer ziemlich riskant, mit einem Photoapparat im Gepaeck im Interzonenzug zu fahren, da man Gefahr laeuft, dass er einem von den Russen bei der Grenzkontrolle abgenommen wird."
Valentin, einer der bedeutenden Galeristen der Moderne, hat ihn mit dem alternden Georg Kolbe in Kontakt gebracht, dem wohl angesehensten modernen Bildhauer Deutschlands. In den späten 1920er-Jahren wurde er von den großen jüdischen Galerien von Paul Cassirer und Alfred Flechtheim vertreten, durch die er Sammler auf der ganzen Welt fand.
"Der Jude, Schädiger der deutschen Kunst"
Cassirer, der vor dem Ersten Weltkrieg die französischen Impressionisten und van Gogh in Deutschland durchsetzte, wurde schon lange von deutschnationalen Stimmen öffentlich attackiert: als Jude, Pazifist und vor allem als "Schädiger der deutschen Kunst". 1926 nahm er sich wegen seiner Depressionen und Eheproblemen mit der Schauspielerin Tilla Durieux das Leben.
Flechtheim, dessen Mitarbeiter Curt Valentin gewesen war, gilt ebenfalls als Wegbereiter der französischen Avantgarde und des deutschen Expressionismus. Er musste 1933 emigrieren. Die Weltwirtschaftskrise hatte Spuren hinterlassen, doch die Nazis bereiteten seinem Kunsthandel endgültig das Ende. Im März 1933 musste eine Kunstauktion in Düsseldorf wegen randalierender NSDAP-Anhänger abgebrochen werden, kurz danach erschienen Hetzartikel. Noch im selben Monat übernahm ein langjähriger Mitarbeiter, Axel Vömel, zum strammen Stahlhelm geworden, ohne Absprache die Niederlassung und führte sie einfach unter seinem eigenen Namen weiter.
Flechtheim war schwer krank, starb 1937 verarmt in London an den Folgen einer Notoperation. Seine Witwe Betty nahm sich 1941 in Berlin das Leben, der verbleibende Besitz wurde von der Gestapo beschlagnahmt. Auch posthum wurde er von den Nazis diffamiert (was an die heutige, brutale Praxis von Donald Trumps MAGA-Bewegung erinnert). In der NS-Propaganda-Ausstellung "Entartete Kunst" wurde 1938 in Düsseldorf ein großes Foto von ihm gezeigt, mit dem Slogan "Der Jude, der Großmanager dieser Kunst".
Kolbe, gottbegnadet, Opportunist
Georg Kolbe hat das nicht daran gehindert, erfolgreich mit dem Regime weiterzumachen. "Ambivalent" ist ein Wort, das im Zusammenhang mit seiner Beziehung zum Faschismus häufig fällt. Kolbe war nie Parteimitglied der NSDAP. Als letzter Präsident des 1936 aufgelösten Deutschen Künstlerbundes engagierte er sich, allerdings vergeblich, für seine als "entartet" eingestuften Kollegen. Zudem wurden seine Werke unter dem Nazi-Regime immer wieder vernichtet, beschlagnahmt oder abgelehnt. Aber er nahm von 1937 bis 1944 regelmäßig mit Sonderplatz für seine Skulpturen an der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Kunst in München teil: der von Hitler mitkuratierten, wichtigsten nationalsozialistischen Leistungsschau.
1939 schuf er als Auftragsarbeit eine Porträtbüste des spanischen Diktators Franco, die Adolf Hitler im gleichen Jahr zum Geburtstag überreicht wurde. Er führte zahlreiche Skulpturen und Kriegsdenkmäler im Auftrag der Nazis im öffentlichen Raum aus.
Kolbe stand auch auf der "Gottbegnadeten-Liste", dem "Top-Ranking" von Nazi-Künstlern und Kulturschaffenden, die Goebbels 1944 kurz vor dem letzten Pieps des "tausendjährigen Reichs" zusammenstellte. Die Werke der Genannten sollten besonders geschützt und ihre Schöpfer als "unersetzlich" vom Kriegsdienst freigestellt werden.
Aus der Zeit gefallen
Zu Kolbes Käufern gehörten neben Adolf Hitler auch der Reichskulturminister Bernhard Rust. Vor allem zog der Künstler aber ein gebildetes Bürgertum an, das seine idealisierten, sportlichen Skulpturen oft auch als Verkörperung der klassischen Ideale der Antike und als Gegenpol zur Barbarei der Nazis ansah. Bildungsbürger waren es auch, die ihn mit Ankäufen durch den Krieg brachten. Als Herbert List 1947 bei Kolbe in dessen Bauhaus-Backstein-Atelierhaus an der Sensburger Allee in Berlin zu Besuch ist, ist sein Stern allerdings gesunken, sein internationaler Ruhm vorbei, alles ungewiss.
Kolbe, der Ausstellungseinladungen, Ehrungen und Auszeichnungen von den Nazis annahm, um seinen Status als erfolgreicher Bildhauer zu erhalten, der in den letzten 15 Jahren überdimensionierte und panzerartige Soldatenkörper und nietzscheanische Allegorien in Stein gemeißelt hatte, scheint aus der Zeit gefallen.
Es wird buchstäblich dunkel um ihn. "Der Arme konnte fast nichts mehr sehen, war aber geistig noch recht lebendig und interessiert an allem", schreibt List. "Es war ein recht wehmütiger Anblick: der grosse Raum, teilweise erfüllt mit riesenhaften Plastiken (die über sein Format hinausgingen) und dazu der des Augenlichts fast beraubte resignierte alte Mann." List ist da Mitte 40, sein Stern als Fotograf ist im Aufstieg begriffen. Die beiden Männer sehen sich nur einmal. Drei Wochen später stirbt Kolbe. Doch sie verbindet eine Menge.
Warm wie ein Bruder
Sie lieben die klassische Antike, Italien, Michelangelo, den idealisierten Körper. Kolbe lebte um 1900 in Rom, wo er seine ersten Plastiken von jungen Männern schuf. Beide haben Griechenland oft bereist, Tempel und antike Stätten besucht: List gemeinsam mit dem schwulen Modefotografen George Hoyningen-Huene, Kolbe mit Curt Valentin und dem Bildhauer Richard Scheibe. Mit ihrer sportiven, pädagogisch-erotischen Neigung waren sie weder in der Kaiserzeit noch in der Nazi- und Nachkriegsgesellschaft allein. Auch nicht mit ihren opaken, oft ungeklärten Freundes-Netzwerken. Unter dem Paragrafen 175, der "widernatürliche Unzucht" zwischen Männern unter Strafe stellte und von den Nazis verschärft wurde, schwebten diese in echter Gefahr.
List lebte in Griechenland im Exil, fing Architekturen, Stillleben, Fragmente von Skulpturen und junge, wie in Marmor gehauene Männer ein. Das Wort "Fotografie" versteht er im griechischen Wortsinn als "Lichtzeichnung" und entwickelt dabei eine klassizistische, idealisierende Bildsprache, die an den poetischen Schwarz-Weiß-Surrealismus von Jean Cocteau denken lässt, aber auch an die Neue Sachlichkeit.
1953 veröffentlicht er seinen Band "Licht über Hellas". Lists visuelle Sprache folgt den Codes der modernen Mode- und Lifestyle-Fotografie, bezieht ihren Reiz aber auch aus der uralten homoerotischen Fantasie, der Männerkörper könne kalt und hart sein wie der Stein oder die Herrschaft, und zugleich warm wie ein Bruder, warm wie Fleisch.
Athleten und Paare, die gemessen voranschreiten
Betritt man heute, fast 80 Jahre nach der Begegnung zwischen List und Kolbe, den lichtdurchfluteten Atelierbau im Berliner Westend, ist da erstmal Kühle. "Liaisons" heißt die Ausstellung im Georg Kolbe Museum, die die Werke der beiden Künstler zusammenbringt und sich assoziativ mit Freundschaften, homoerotischem Begehren, Intimität, und Idealen von Maskulinität in der Bildhauerei und in der Kulturgeschichte beschäftigt.
Die große Halle des heutigen Ausstellungshauses gleicht einer Art Sportstudio oder einem antiken Gymnasium, in dem Kolbes vorwiegend männliche Skulpturen still posieren. Das sieht in den unterschiedlichen Größendimensionen surreal und sehr dekorativ aus: der monumentale, superschwere "Stürzende" von 1940/41, daneben eine Parade von bronzenen und steinernen Mini-Athleten und Paaren, die gemessen voranschreiten.
Dass das irgendwie nach Körperertüchtigung aussieht, hat auch mit den Medizinbällen zu tun, die im Raum herumliegen. Diese sind jedoch Werke des 1979 geborenen Berliner Künstlers Harry Hachmeister.
Antike Säulen, Marmorärsche
Hachmeister, der sich quasi als Ouvertüre gleich am Anfang der Schau auf einer Fotoarbeit von 2015 in einem Rückenakt als "Arkadischer Jüngling (nach Goethe)" inszeniert, ist Transmann und selbst ziemlich sportlich. Seine Medizinbälle sind allerdings nicht schwer und ledrig, sondern fragile, hohle Keramiken, die gerade deshalb mit Kolbes Skulpturen resonieren.
Im Raum ist leise, merkwürdige Musik zu vernehmen. Eine Soundinstallation von Hachmeisters Freund und Kollaborateur Jens Pecho. Die Arbeit knüpft an eine Tradition des Museums an: In den 1950ern wurden den Besuchern Kolbes Platten vorgespielt, während sie die Skulpturen ansahen; eine tolle Idee. Pecho präsentiert die Tonträger verfremdet, wahrscheinlich rückwärts.
Das Highlight ist aber eine Wand mit Bildern von Kolbes Skulpturen zwischen 1901 und 1947. Sie sind am Anfang androgyn und expressiv und werden dann ab 1933 immer soldatischer, bis zum "Robocop-Look", regelrechte Körperpanzer. Und das ist auch das Aufregende der Ausstellung: diese Kunst, die aus Unterdrückung entsteht. Herbert Lists klassische, verführerischen Fotos von antiken Säulen, Marmorärschen, jungen badenden Männern an der Ostsee, die bis in die 1930er zurückreichen, vermitteln Hitze, Wasser, Sonne, Begehren, jugendliche Geilheit.
Pädagogischer Eros
Da ist dieser pädagogische Eros, diese verklemmte Rechtfertigung, dass Schwulsein ganz normal und wertvoll ist, wenn es weiß, sauber, apollinisch, athletisch und antik rüberkommt. Da ist hinter all diesem Maskulinen auch etwas Narzisstisches, Performatives, Streberhaftes, das aus der ständigen Bedrohung und Beleidigung erwächst. Doch zugleich vermitteln Lists Fotografien, die auch in der Nazizeit entstehen, Wärme, unverhohlene Romantik, Liebe, eine utopische, moderne Sehnsucht nach einer freieren, progressiven Gesellschaft.
Trotzdem ist all das Lichtjahre von der linken Schwulenrevolte in den 1970er-Jahren entfernt, den Kommunen-Ideen in Rosa von Praunheims Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" – der Revolte einer neuen Generation, die keine Lust mehr hat, einzukaufen, unter antiken Skulpturen Kaffee zu trinken oder reichen Frauen die Haare zu machen.
Geht man zurück in den großen Atelierraum zu Kolbes späten Männerskulpturen, fehlt diese Wärme von Lists Bildern. Da ist nur Stein, und, bro, seine "Nazi-Beefcakes" lieben dich nicht. Sie tun nur ihre Pflicht, du Schwuli! Oder sie sprechen Code mit dir. Etwa die beiden nackten Männer, Daddy und Jüngling, die er 1934/35 für das Krieger-Ehrenmal in Stralsund in Bronze goss. "Ihr seid nicht umsonst gefallen" hat jemand in den Steinsockel gemeißelt. Nein, weil ihr dann in Walhall endlich als Soldatenpaar zusammenleben und Po-Sex haben könnt.
Camp auf höchstem Niveau
Leider konnte auch der NSDAP-Kreisleiter Code und bezeichnete das Paar als zu "sportlich". Auch die "Ruhenden Athleten", die Kolbe 1935 für das Sportforum schuf, sollten nach dem Willen der zuständigen Kommission "gestrafft" werden. Auf gut Deutsch: Sie waren zu intim und entspannt miteinander.
Blickt man auf Kolbes Werk vor 1933, sieht das noch viel utopischer und freier aus. In den frühen, viel dynamischeren Skulpturen zeigt er eine expressive, androgyne Männlichkeit. So auch in "Stürzender Flieger" (1917/19), einer Gipsskulptur, die den Ikarus-Mythos aufgreift, um der gefallenen Piloten im Ersten Weltkrieg zu gedenken. Aber wie: Der nackte Ikarus trägt Stahlhelm, seine Flügel sind dabei weich wie ein Showkostüm, der Körper manieristisch verdreht.
Eine der ausgestellten Skulpturen ist Kolbes empfindsames, 1909 entstandenes Idealbildnis des großen russischen Tänzers Vaslav Nijinsky, der mit seiner Schwester ein Ballett zum "Bolero" entwickelte. Im hinteren Teil der Schau ist eine Videoinstallation mit einer 1961 entwickelten Choreografie von Maurice Béjart zu sehen. Darin tanzt Jorge Donn, mit dem Béjart eine Liebesbeziehung verband, die eigentlich Frauen zugedachte Hauptrolle. Hysterisch, Camp auf höchstem Niveau, schon eher, was man heute "queer" nennen würde.
Der Traum vom Sugardaddy
Mit "Liaisons" ist der Kuratorin Elisa Tamaschke ein Kunstgriff gelungen, wobei sich Künstlerinterventionen und Dokumentation assoziativ ergänzen. Im unteren Ausstellungsraum findet sich ein überraschender, 1937 verfasster Brief an Georg Kolbe. Darin bittet der schwule Schüler Erich Moebes um Hilfe, als er wegen des Paragrafen 175 von der Schule geflogen ist. Jetzt soll er gezwungen werden, eine Lehre als kaufmännischer Angestellter zu machen.
Erstaunlich offen vertraut er sich Kolbe an, bittet ihn darum, beim Kultusminister ein Wort für ihn einzulegen, erzählt "dem lieben Herrn Professor" von seinen Zukunftsplänen: als Archäologe, beim Militär. Oder schildert seinen Traum vom Sugardaddy: "Ich dachte an die Stelle eines Bibliothekars und Privatsekretärs bei einem vermögenden Menschen. Mir ist Literatur, Filosofie [sic] von China, Latein, Persien, Europa mindest in groben Umrissen vertraut. Auch von bildender Kunst weiß ich das Schönste zu vermitteln. Auch hab ich Verständnis für Musik."
Kolbes Antwort ist - wie so vieles, was seine Sexualität angeht - nicht bekannt. Allerdings war er Moebes wohl bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden. Und eigentlich würde so ein Früchtchen auch nicht so einen Hilferuf an jemanden senden, der diese Not nicht auch aus eigener Erfahrung versteht. Wäre die Hauptfrage dieser Ausstellung, ob Kolbe nun selbst schwul war, wie es denn so mit seiner Identität bestellt ist, wäre dies eine nette, poetisch-politische Veranstaltung.
Homoerotische Codes für Täter und Opfer
Aber das ist nicht die zentrale Frage, die sich dem Publikum stellt. Interessant ist, wie die Antike sowohl von der modernen schwulen Avantgarde als auch von den Völkischen und Nazis fetischisiert wurde; wie die Codes von Tätern und Opfern gleichermaßen gelesen und goutiert wurden, wie dünn und willkürlich diese Grenzlinie zwischen Homoerotik und Hass auch heute noch ist.
Natürlich denkt man daran, dass heute so viele Rechte von Krieg, Soldatentum, der Deportation von Migranten und Transmenschen, dem Ende der Homo-Ehe träumen und gleichzeitig auf Grindr erwischt werden. Wie schrecklich Jens Spahn, Alice Weidel und all die anderen rechten gays sind, wie sehr sie für diese Idee einer "normalen", soldatischen Homosexualität und die heteronormative Kleinfamilie stehen.
Doch auch das ist nicht so superinteressant. Jeder, der oder die durch diese Ausstellung geht, wird daran denken, wie sehr die damaligen Verhältnisse den heutigen ähneln. Nicht nur der Hass auf alles Weibliche, Fluide, sondern auch die Angst und Apathie.
"Springtime for Hitler"
Was wir gerade in den USA sehen? Dass es im oligarchischen Faschismus irgendwann egal ist, ob man nun schwul, Schwarz, migrantisch, jüdisch, muslimisch oder christlich ist, dass der Terror der Einwanderungsbehörde ICE der "normalen Bevölkerung", der working class gilt, die durch Gewalt und Spaltung in Angst und Schrecken versetzt und so gefügig gemacht werden soll.
Die Gewalt, die sich auf den Straßen in Minneapolis oder Chicago abspielt, hat natürlich mit der Hautfarbe oder, wie bei Renee Good, mit sexueller Orientierung zu tun. Das alles ist aber letztendlich willkürlich, wenn sie erst einmal in Fahrt ist. Dieser Terror erinnert an die Nazis am Ende der Weimarer Republik.
Um diese Gewalt, oder auch Krieg und Konzentrationslager, möglich zu machen, bedarf es nicht nur bestimmter ökonomischer oder sozialer Bedingungen, sondern auch einer Kultur, die diese Bedingungen - Hass, Ausbeutung, Unterdrückung - legitimiert. Oder schweigt, wenn es schwierig wird, wie damals Kolbe. Was passiert, wenn wieder "Springtime for Hitler" in Germany ist, wenn die AfD durchkommt und die entsprechende völkische Kultur propagiert? Und das sind die wirklich interessanten Fragen dieser Schau: Wie würde ich mich verhalten?
Werden wieder alle bedauernd zusehen?
Und wie der Kunstbetrieb? Werden wieder alle bedauernd zusehen, wie Galeristen, Künstler, Kuratoren, Sammler ins Exil gehen oder im Lager verschwinden? Werden sich ein paar Ex-Woke vergeblich bemühen? Wer wird seine Professur behalten? Wer wird in Ausschüssen sitzen, denunzieren und ehemalige Wegbegleiter absägen?
Werden, wie bei Kolbe, wieder die Moral und die Ethik über Bord gehen, wenn es um Ruhm und Kohle geht? Wer schon jetzt vorauseilenden Gehorsam leistet, sollte sich diese Ausstellung ansehen, das Ende von Kolbe und seiner Kunst, das nicht wagnerianisch oder tragisch ist, sondern schlichtweg mittelmäßig. Überschattet von seinem Opportunismus, der sich in die Geschichte eingeschrieben hat.
Insta-Wertung: 8/10