Reuters-Recherche

Banksys Identität möglicherweise entlarvt

Eine Person schrubbt 2025 ein Banksy-Kunstwerk an den Royal Courts of Justice in London ab, das einen Richter zeigte, der einen Demonstranten mit einem Hammer schlägt
Foto: Vuk Valcic/ZUMA Press Wire/dpa

Eine Person schrubbt 2025 ein Banksy-Kunstwerk an den Royal Courts of Justice in London ab, das einen Richter zeigte, der einen Demonstranten mit einem Hammer schlägt

Die Nachrichtenagentur Reuters glaubt, das Rätsel um Banksy gelöst zu haben. Der Brite, der hinter dem anonymen Street-Art-Künstler stehen soll, ist kein Unbekannter

In einer umfangreichen Recherche rekonstruieren Simon Gardner, James Pearson und Blake Morrison die Spuren des Künstlers von der Ukraine bis nach New York und kommen zu dem Schluss, dass Banksy der Brite Robin Gunningham ist. Dessen Name wird allerdings bereits seit 18 Jahren mit dem anonymen Künstler in Verbindung gebracht.

Zentraler Baustein der jüngsten Recherche sind bislang unveröffentlichte Polizei- und Gerichtsunterlagen aus den USA. Dem Bericht zufolge wurde Gunningham im Jahr 2000 in New York wegen Vandalismus festgenommen. In den Akten finde sich ein "handschriftliches Geständnis", das ihn mit Graffiti-Aktionen in Verbindung bringe und laut Reuters "über jeden Zweifel hinaus" seine Identität als Banksy beweise. Die Dokumente seien im Zuge eines Verfahrens vor einem New Yorker Gericht archiviert worden. 

Die Reporter stützen ihre These zudem auf Zeugenaussagen und Reisebewegungen. So hätten Einwohner des ukrainischen Dorfes Horenka berichtet, dass Gunningham dort im Jahr 2022 gemeinsam mit dem Musiker Robert Del Naja von der Band Massive Attack aufgetreten sei. Banksy hatte damals mehrere Wandbilder in der Ukraine geschaffen, die weltweit Aufmerksamkeit erregten. Del Naja wird seit Jahren als möglicher Banksy gehandelt oder zumindest als enger Vertrauter des Künstlers.

Gunninghams Werdegang

Die Reuters-Recherche zeichnet auch Gunninghams Werdegang nach: Er sei in Bristol aufgewachsen und habe dort in den 1990er-Jahren in der lokalen Graffitiszene gearbeitet – genau in jener Zeit, in der Banksys Stil erstmals auftauchte. Mehrere Weggefährten bestätigten gegenüber der Agentur, dass Gunningham damals bereits unter verschiedenen Pseudonymen aktiv gewesen sei.

Ein Anwalt von Banksy wies zentrale Teile der Darstellung zurück. Eine Enttarnung könne den Künstler und sein Umfeld gefährden, argumentierte er. Reuters hält dagegen, dass Banksys Anonymität längst Teil seines öffentlichen Mythos und seines wirtschaftlichen Erfolgs geworden sei. Sie sei "eine öffentliche und profitable Komponente seiner Arbeit" – und damit ein legitimer Gegenstand journalistischer Recherche.

Verdacht bereits seit 2008

Bereits im Sommer 2008 mutmaßte die britische Boulevardzeitung "Mail on Sunday", dass ein Künstler namens Robin Gunningham aus Bristol hinter dem Pseudonym stecken könnte. Verschiedene Adressen und Orte, die mit Gunningham in Verbindung gebracht wurden, seien dabei besonders auffällig gewesen.

Die Zeitung berichtete, ein Jahr lang recherchiert und "Dutzende Freunde, ehemalige Kollegen, Feinde, Mitbewohner und nahe Verwandte Banksys" befragt zu haben. Ausgangspunkt der Nachforschungen war ein Foto eines knieenden Mannes mit dunklen Locken in dunkelblauem Hemd, vor sich eine Sprühdose und eine Schablone – angeblich Banksy bei der Arbeit auf der Karibikinsel Jamaika.

Gleichzeitig wiesen die Autoren darauf hin, dass Banksy selbst bestritten habe, die abgebildete Person zu sein, und auch Gunninghams Umfeld eher verschlossen wirkte. Sogar seine – mutmaßlichen – Eltern hätten ihn geleugnet. "Angesichts seines langjährigen Erfolgs darin, seine Spuren zu verwischen, ist es natürlich möglich, dass die Spur, der wir gefolgt sind, ein Ablenkungsmanöver ist", räumte die "Mail" 2008 ein.

Forscher bestätigten 2016 den Verdacht

2016 bestätigten dann Wissenschaftler der Queen Mary Universität den Verdacht der "Mail mithilfe kriminalistischer Methoden. Für ihre Studie nutzten sie die Standorte von 140 Kunstwerken in London und Bristol, um über geografisches Profiling die wahrscheinlichsten Wohnorte des Künstlers zu berechnen. Das Team um Steven Le Comber, eigentlich Biologe, wendet die Methode sonst zur Untersuchung der Ausbreitung von Krankheiten an.