Herr Jung, die Berliner Volksbank engagiert sich seit mehreren Jahren für die Berlin Art Week und hat die Partnerschaft bis 2028 verlängert. Was verspricht sich eine Genossenschaftsbank von einem langfristigen Engagement für zeitgenössische Kunst?
Berlin lebt davon, dass Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Ideen und Perspektiven zusammenkommen. Genau das macht die Stadt stark. Die Berlin Art Week bringt diese Vielfalt jedes Jahr auf besondere Weise zusammen und macht sichtbar, was Berlin auszeichnet. Als Genossenschaftsbank denken wir in langfristigen Partnerschaften. Unser Engagement für die Berlin Art Week ist deshalb kein kurzfristiges Sponsoring, sondern ein Bekenntnis zu Berlin und zu seiner kulturellen Vielfalt. Zeitgenössische Kunst stellt Fragen, regt zum Nachdenken an und eröffnet neue Blickwinkel. Gerade in einer offenen Stadt wie Berlin sind solche Räume wichtig. Sie bringen Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden. Das unterstützen wir aus Überzeugung.
Mit der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank verfügt die Bank über eine eigene Kunstsammlung und ein umfangreiches Ausstellungs- und Vermittlungsprogramm. Was möchten Sie mit diesem Engagement erreichen, das über klassisches Kultursponsoring hinausgeht?
Die Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank verfolgt einen eigenen kulturellen Auftrag. Sie sammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt Kunst aus Berlin und der Region. Damit leistet sie einen Beitrag dazu, die künstlerische Entwicklung dieser Stadt sichtbar zu machen. Mich begeistert dabei vor allem, dass Kunst oft einen anderen Zugang zu gesellschaftlichen Fragen eröffnet. Sie zeigt, wie Menschen auf ihre Zeit blicken, welche Erfahrungen sie prägen und welche Themen sie bewegen. Mit Ausstellungen und Vermittlungsangeboten wollen wir möglichst viele Menschen dafür gewinnen. Kunst sollte nicht nur für einen kleinen Kreis zugänglich sein. Sie gehört in die Mitte der Gesellschaft. Die aktuelle Ausstellung "Vietnam. Kunst. DDR. Reclaiming Solidarity" der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank ist dafür ein gutes Beispiel. Sie verbindet Geschichte, Migration und persönliche Erfahrungen und zeigt, wie eng Kunst und gesellschaftliche Entwicklungen, auch und gerade in der eigenen Stadt/Region, miteinander verbunden sind.
Die Berliner Volksbank betont bei ihrem Kulturengagement gesellschaftlichen Dialog, kulturelle Teilhabe und regionales Engagement. Was bedeutet das konkret, gerade in Zeiten, in denen die Kultur von Kürzungen betroffen ist – und woran messen Sie, ob Ihre Förderung tatsächlich etwas in Berlin bewirkt?
Kultur ist für mich kein Luxus, den man sich nur in guten Zeiten leisten sollte. Sie gehört zu dem, was eine offene und lebenswerte Stadt ausmacht. Private Förderung kann öffentliche Kulturförderung nicht ersetzen. Aber sie kann helfen, Räume zu erhalten, in denen Menschen zusammenkommen, diskutieren und neue Perspektiven entwickeln. Gerade deshalb halte ich langfristige Partnerschaften für wichtig. Ob unser Engagement wirkt, messen wir nicht allein an Besucherzahlen. Entscheidend ist für mich, ob Menschen erreicht werden, die sonst vielleicht keinen Zugang zu Kunst hätten. Ob neue Begegnungen entstehen. Und ob Kultur dazu beiträgt, Berlin als offenen, vielfältigen und kreativen Ort erlebbar zu machen. Berlin zieht Menschen aus aller Welt an. Dazu tragen die Hochschulen, die Unternehmen, die Wissenschaft bei, aber eben auch die Kultur- und Kreativszene. Diese Stärke der Stadt sollten wir gemeinsam bewahren und weiterentwickeln.