Anika Meier

Post-Social-Media-Kunst

Was verkaufen Künstler in Zeiten sozialer Medien?

04/27/2018 - 17:05

Machst du noch Kunst oder bist du schon Content Creator? Über Künstler, Influencer und das schnelle Geld

Jeff Koons hat gerade Ärger, weil er bereits bezahlte Werke nicht liefert. Ein Sammler verklagte ihn und seinen Galeristen Larry Gagosian. Es soll um drei Stahlskulpturen im Wert von 13 Millionen Dollar gehen. Offenbar kommt er mit der Produktion nicht hinterher. In Berlin lebende Künstler derweil kommen mit der Produktion von Kunst hinterher, den allerwenigsten von ihnen wollen Sammler allerdings Geld geben. Laut einer Studie liegt die durchschnittliche Höhe der Einkünfte aus künstlerischer Arbeit bei 9.600 Euro pro Jahr, die Hälfte aller Künstler verdient mit ihrem Beruf weniger als 5.000 Euro. Männer verdienen im Jahr 11.662 Euro, Frauen nur 8.390 Euro.

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Anika Meier

Maschinelles Lernen

Wie Google das Kunsterlebnis beeinflusst

04/03/2018 - 11:26

Das Google Cultural Institute hat Anwendungen entwickelt, mit denen Benutzer den Bestand von Museen auf der ganzen Welt ansehen oder Doppelgänger in der Kunstgeschichte aufspüren können. Doch was bleibt von solchen Experimenten? Ein Besuch in Paris

Als Kind war für Amit Sood das Wichtigste, mit seiner Familie in einem Restaurant chinesisch zu essen. Museen glaubte er, seien etwas für reiche, versnobt Leute. Als der in Indien aufgewachsene Sood später nach New York zog, war das Museum of Modern Art ein sozialer Ort für ihn. Er trank dort Kaffee, denn um Ausstellungen zu sehen, hätte er Eintritt zahlen müssen. Als er dann nach London zog, musste er feststellen, dass es viel regnet. Also ging er häufig in Museen, weil der Eintritt in die Sammlungen gratis ist. "Technologie kann heute helfen, Menschen Kunst näher zu bringen", erzählt er deutschen Journalisten. Seine biografischen Ausführungen erklären, was er heute als Direktor des Google Cultural Institutes mit Kunst anstellen möchte: eigentlich alles, was denkbar ist, Hauptsache es bringt Menschen mit Kultur in Berührung.

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Anika Meier

Maurizio Cattelan auf Instagram

Instagram-Stories sind das neue Dschungelcamp

04/01/2018 - 17:00

Überall nur Selbstvermarktung auf Instagram. Der Künstler Maurizio Cattelan zeigt, wie es besser geht

Wir sind selbst schuld. Es muss so sein. Denn würden wir alle einfach brav und ganz selbstverständlich das neue Buch von Benjamin von Stuckrad-Barre kaufen, müsste er nicht 24 Stunden am Tag auf Instagram senden. Schade. Stuckrad-Barres und Lars Eidingers Instagram-Stories zu verfolgen, ist ein Vollzeitjob. Man könnte wegklicken. Wahlweise nicht mehr reinklicken. Geht nicht. Bei mir jedenfalls. Das ist nämlich wie den ganzen Tag süße Tiervideos gucken. Nur anders herzzerreißend.

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Anika Meier

Begriffsklärung

Was ist eigentlich ein "Instagram-Künstler"?

03/05/2018 - 11:17

Wer als Künstler Instagram nutzt, wird schnell als "Instagram-Künstler" bezeichnet. Zu Recht?

Als Künstler kann man sich schlecht gegen Zuschreibungen wehren. Da will man Künstler sein und wird vielleicht doch nur immer wieder Fotograf von Kunstkritikern und Ausstellungsbesuchern genannt. Weil das Medium Fotografie an der Wand hängt, sagt und schreibt es sich schnell: der Fotograf XY.

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Anika Meier

Like-Kultur

Auf Instagram weiß niemand, dass du Fotograf bist

02/28/2018 - 10:59

Abseits von Selfies und Food Porn kann es auf Instagram auch um Fotografie gehen. Nur was wird aus ihr, wenn sie in einem sozialen Netzwerk gefallen will? Sie wird zum Mem

Ein Cartoon des "New Yorker" geht so: "Im Internet weiß niemand, dass Du ein Hund bist." Der Kritiker und Autor Ed Halter hat daraus gemacht: "Im Internet weiß niemand, dass Du ein Künstler bist." Und man könnte noch weiter spezifizieren: "Auf Instagram weiß niemand, dass Du ein Fotograf bist."

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Anika Meier

Studie

Künstlerinnen in Zeiten sozialer Medien

02/02/2018 - 11:05

Eine neue Studie zeigt, dass Frauen in der Kunst im Vergleich zu Männern noch immer stark benachteiligt sind. Was hat sich durch die sozialen Medien geändert?

Die Guerrilla Girls fragten in den 80ern, ob Frauen nackt sein müssen, um ins Museum zu kommen. Bei einer ihrer Schniedelzählungen ("weenie counts") im Metropolitan Museum fanden sie heraus, dass nur 5 Prozent der Künstler in der Abteilung für Moderne weiblich waren, während 85 Prozent der Akte Frauen zeigten. Vor einigen Jahren zählten sie noch einmal nach. Jetzt waren es nur noch 4 Prozent, dafür gab es plötzlich mehr männliche Akte. Vielleicht müssen also zuerst mehr Männer nackt ins Museum, bevor es dort mehr Künstlerinnen gibt, scherzen die Guerrilla Girls gerne mal.

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Anika Meier

Geplantes Museum of Selfies

Die Hölle ist Millennial Pink

01/30/2018 - 12:15

In Los Angeles eröffnet am 1. April für zwei Monate das Museum of Selfies. Muss das sein? Ein Kommentar

Die Antwort klingt plausibel. Brauchen Selfies tatsächlich ein eigenes Museum? Die Antwort wird in der Rubrik häufig gestellte Fragen auf der Website des Museums of Selfies gegeben. Und sie klingt deshalb so plausibel, weil man genau weiß, wie sie lautet: Jeden Tag werden mehr als eine Million Selfies in den Sozialen Medien geteilt. Das deutet also eine gewisse Relevanz des Themas schon an. Deshalb, egal, wie man das Phänomen Selfie beurteilt, ob man es nun großartig oder total überflüssig findet, ein Museum ist es wert.

Am 1. April eröffnet das Museum of Selfies. Zu gerne würde man jetzt rufen: "Ha, Aprilscherz!" Nur leider geht das nicht, weil schon Eintrittskarten gekauft werden können. Für 25 Dollar die Karte. Für einen Museumsbesuch in Los Angeles. Für einen Zeitraum von zwei Monaten.

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Anika Meier

Jahresrückblick 2017

Was schön war auf Instagram

12/29/2017 - 16:29

2017 ist das Jahr, in dem wir uns sicherlich alle ein wenig wohler gefühlt hätten. Leicht war das nicht, die Sache mit dem Wohlfühlen, weil plötzlich Trump im Weißen Haus saß und bis heute nicht ganz klar ist, ob er mit Politik oder Satire auf Dauersendung ist. 2017 wurde dann auch viel über Feminismus und die Rechte von Frauen gesprochen, weil Trump es irgendwie völlig okay findet, Frauen zwischen die Beine zu greifen und das ist natürlich alles andere als okay.

2017 ist auch das Jahr, in dem viel gebasht wurde: Merkel, Influencer und Kuratoren beispielsweise. Alle sollen sie weg, hörte man, weil sie wenig besser, dafür aber viel schlimmer machen: die Politik, den Alltag, die Kunst. Und während sich die Kritiker noch den Kopf über die Documenta 14 zerbrachen, zeigte Britney Spears auf Instagram wie einfach das mit der Kunst sein kann. Ein bisschen Mozart, ein bisschen Pleinairmalerei, fertig. Über die Documenta hat sie sich vermutlich eher weniger Gedanken gemacht, aber damit waren ja auch schon andere beschäftigt.

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Anika Meier

Ren Hang in Leipzig

Ein Riss in jedem Herzen

12/20/2017 - 11:43

Mit Ren Hang verlor die Kunstwelt 2017 einen Fotografen, der die Jugend in China so zeigt, wie sie gesehen werden will: frei, schön und mutig. In Leipzig ist die erste Einzelausstellung nach seinem frühen Freitod zu sehen

"Am 24. Februar 2017 entschied sich Ren Hang, Fotograf und Dichter, sein Leben im Alter von 29 Jahren in Peking zu beenden." Das steht als letzter Eintrag auf seiner Website geschrieben. Seine Bilder haben nicht nur ein Nachleben in den Sozialen Medien, aber dort haben sie es besonders schwer. Wer eins seiner etwas expliziteren Bilder postet, schließt meist gleich eine Wette mit ab, wie lange es dauern wird, bis Instagram löscht.

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Anika Meier

Netzkünstlerinnen-Schau in Leipzig

Es darf sich geärgert werden

12/01/2017 - 11:58

Mit "Virtual Normality – Netzkünstlerinnen 2.0" kuratiert Monopol-Bloggerin Anika Meier erstmals eine Ausstellung. Und stößt auf jede Menge Fragen: Was sind Themen, mit denen sich Netzkünstlerinnen heute befassen und aus welcher Notwendigkeit heraus? Wo schließen sie an feministische Positionen und Diskurse an? Und: Wie kann es sein, dass ein paar Haare an Frauenbeinen einen massiven Shitstorm auslösen können?

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Anika Meier

Stephen Shore und Instagram

Alles für Insta'!

11/28/2017 - 18:03

Stephen Shore, einer der bedeutendsten Fotografen der Gegenwart, hat seine Arbeit seit einigen Jahren ganz auf Instagram verlegt. Anlässlich von Shores aktueller Ausstellung im MoMA hat sich Monopol-Bloggerin Anika Meier seinen Account noch einmal genau angeschaut

Stephen Shore ist einer der bedeutendsten lebenden Fotografen. Das kann man mit allerbestem Gewissen sagen, ohne dabei zu übertreiben. Seine Biographie liest sich wie eine dieser Geschichten, die man nur glaubt, weil man weiß, dass sie wahr ist. Als er 14 Jahre alt war, kaufte das New Yorker Museum of Modern Art drei seiner Fotografien. Weil der junge Shore sich dachte, er könne ja mal dem damaligen Kurator Edward Steichen, seine Arbeiten zeigen. Mit 17 Jahren lief er Andy Warhol über den Weg und dokumentierte schon bald das Leben in der Factory. Mit nicht einmal 24 Jahren dann hatte Shore eine Einzelausstellung im Metropolitan Museum of Art, als erster lebender Fotograf wohlgemerkt.

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