Die Monopol-Redaktion

Kunstbuchmesse "Friends with Books" in Berlin

Nichts erklären. Sehen und denken reicht!

10/22/2018 - 08:18

Was am Wochenende auf der Kunstbuchmesse "Friends with Books" in Berlin an Energie, Wissen, Intelligenz und Freude zusammenkam, ist in Zahlen nicht auszudrücken. Silke Hohmann versucht es mit Worten 

Je mehr Bücher man hat, desto höhere Mauern kann man überwinden. Das ist kein semi-schlauer Wohlfühl-Aphorismus, sondern letztlich eine Frage von Statik und Balance. Bücher aufeinanderstapeln, draufklettern, sich drüber schwingen –  so macht es der Künstler und Spezialist für Alltagsskulpturen Brad Downey auf einem Poster vor, das auf der Messe "Friends with Books" für 10 Euro zu kaufen war.

Um zu entkommen, nutzen viele Leser von einst heute Serien von Streamingdiensten, ergab eine kürzlich erschienene Studie des Börsenvereins. 6,3 Millionen Käufer hat der Buchmarkt seit 2013 verloren. Die Menschen sind zu lange online, sie swipen und tippen und lesen umsonst, anstatt zu kaufen und zu blättern. Über Mauern klettern sie auch nicht mehr.

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Die Monopol-Redaktion

"Carnegie International" in Pittsburgh

15 Minuten Ruhm, dann allgemeiner Aufbruch

10/15/2018 - 11:09

Der Industrielle Andrew Carnegie gründete 1896 eine Ausstellung, die alle zwei bis fünf Jahre in Pittsburgh den Stand der Kunst in der Gegenwart abbilden sollte. Die "Carnegie International" wurde am Wochenende zum 57. Mal eröffnet - und auch in dieser Traditionsschau stellen sich neue Fragen nach dem Kanon. Ein Besuch

Pittsburgh ist bekannt für seine Stahlindustrie, die über 400 Brücken über die unaussprechlichen Flüsse Allegheny und Monongahela, sowie die Produktionsstätten des Heinz-Ketchup, den die Bewohner schon zum Frühstück in großzügigen Mengen verzehren. Allerdings lässt sich in der zweitgrößten Stadt des Bundesstaates Pennsylvania auch einiges an Kunst entdecken. Das Andy Warhol Museum zeugt davon, dass im Stadtteil Oakland vor 90 Jahren der polnische Immigrantensohn Andy Warhola geboren wurde, der schon während seines Illustrationsstudiums an der Pittsburger Universität das zweite a seines Nachnamens verschwinden ließ und später in New York seine 15 Minuten Ruhm zu ein paar Jahrzehnten ausweitete. 

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Die Monopol-Redaktion

Wenn Erhabenheit krank macht

Gibt es das Stendhal-Syndrom eigentlich wirklich?

10/11/2018 - 17:13

Schwindel, Panik, Wirrnis: Das Stendhal-Syndrom beschreibt Überwältigungserlebnisse im Angesicht der Kunst. Doch ob es diese psychosomatische Störung wirklich gibt, ist umstritten. Daniel Völzke hat in Florenz, wo das Phänomen vor über 200 Jahren zum ersten Mal beschrieben wurde, einen Selbstversuch gestartet

Erhabenheit, Immersion und Überwältigung sind ja eigentlich etwas Schönes: sich auflösen wie ein Zuckerwürfel in der Kunst, eintauchen, loslassen. Mich erfüllt diese Vorstellung allerdings mit Entsetzen. 

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"Between Points"

Nachtfahrt mit Waschbär

09/24/2018 - 12:35

Wie bringt man Fluxus in die Gegenwart? Mit einer Bootsfahrt! Unterwegs durch Berlin mit der Performance Agency und dem Archivio Conz

Waschbären sollen ja sehr scheu sein. Die beiden im Archivio Conz schauen jedenfalls nur sehr kurz um die Ecke und hoppeln dann sofort hinter die Regale – etwas unbeholfen, denn ein Mensch in einem Waschbärkostüm erreicht einfach niemals die huschende Eleganz des Originaltiers. Macht nichts, der Effekt ist trotzdem lustig.

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Various Others in München

Wer reinkommt, ist drin

09/17/2018 - 16:50

Junge Galeristen wollen den Kunststandort München über die Stadtgrenzen bekannter machen. Das Rezept: Internationale Kooperationen und ein neues Galerienwochende. Ein Bericht

"Mir kommt es ein bisschen so vor, als ob Sie hier mit Papas Mercedes vorfahren", sagte die Galeristin Gudrun Spielvogel zu Johannes Sperling in einem Streitgespräch, das die Münchner "Abendzeitung" abgedruckt hat. Sperling gehört zu den Mitorganisatoren von Various Others, dem Galerienwochenende in München. Eigentlich müsste man genauer sagen, einem Galerienwochenende. Denn in der bayerischen Hauptstadt gibt es außerdem noch die Open Art. 

Sperling, junger Galerist, gründete den "Verein zur Förderung der Außenwirkung Münchens als Kunststandort", und damit hänge er sich an die Open Art, findet Spielvogel. Daher der Mercedes-Vergleich. "Im Grunde ist alles schon da", sagt sie. Damit meint sie: die Infrastrukturen, die Sammler. 

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Die Monopol-Redaktion

Filmfestival Venedig

In der Endlosschleife

09/06/2018 - 13:20

Monopol-Redakteur Jens Hinrichsen reiht sich in venezianische Kinoschlangen ein, grummelt angesichts von Überlängen und lobt einen unterschätzten Massenchoreographen

Der beste Regisseur dieser Mostra ist zweifellos Umberto. Cecil B. DeMille würde keine überzeugenderen Massenszenen hinbekommen. Umberto heißt er wahrscheinlich gar nicht. Den Namen habe ich mir ausgedacht, aber wie Umberto wirklich heißt, ist ja egal: Dieser Mann hat Format, Größe, er ist ein Künstler. Fantastisch, wie Umberto mit natürlicher Autorität und kräftiger Stimme die Journalistenmenge vor dem Sala Grande dirigiert. Ohne Umberto würde das Chaos ausbrechen. Dank ihm wissen wir, in welche Schlange wir uns einreihen müssen. Er schickt die Fachbesucher mit roten, blauen oder grünen Marken in verschiedene Warteschlangen. Und er sorgt dafür, dass die Schlangen sich wirklich schlängeln, weil neben dem größten Kino am Lido nur beschränkt Platz ist. Ohne Umberto wäre für Passanten kein Durchkommen.

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs in Kopenhagen

Demokratie und Geschäft

09/03/2018 - 13:55

Am Wochenende fand zum dritten Mal die Code Art Fair in Kopenhagen statt. Ein Rundgang über die Messe und in der dänischen Hauptstadt

Das Messezentrum liegt wie eine kleine Satellitenstadt vor dem Stadtzentrum Kopenhagens, und die Fläche der Code Art Fair ist überschaubar: Die Verkaufsschau bedeckt gerade einmal das Erdgeschoss einer Halle. Dehydriert, weil man vergisst, etwas anderes zu trinken als Schaumwein und Kaffee, verengt sich die Wahrnehmung auf das, was da an den weißen Stellwänden hängt oder davor steht. 

Ganz vergessen lässt sich der Rest der Welt jedoch nicht, weil die Politik ihren Weg in den Kunstbetrieb findet, in den letzten Wochen mehr als sonst. Daniela Steinfeld von der Düsseldorfer Galerie Van Horn sagt zumindest, wenn man sie fragt, ob jemand mit antidemokratischen Ansichten überhaupt Kunst machen könne, das sei ja überhaupt nicht möglich. Denn, so Steinfeld, die Freiheit, Kunst machen zu können, und es dann auch zu tun, sei schon ein Bekenntnis zur Demokratie. 

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Wagner-Festspiele

Surreales Bayreuth mit Neo Rauch und Rosa Loy

08/05/2018 - 20:23

Eindrücke von den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth: Uwe Eric Laufenbergs "Parsifal" läuft im dritten Jahr, Neo Rauch und Rosa Loy haben sich "Lohengrin" atemberaubend ausgemalt

Der Glaube lebt, die Taube schwebt? Ach was, stattdessen flattert eine Fledermaus durch das Finale des "Parsifal". Das Tier hat sich offenbar ins Bayreuther Festspielhaus verirrt, passt aber gut in Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung. In seiner Regie von Richard Wagners Abschiedswerk leistet die Gralsgesellschaft von Anfang an Flüchtlingshilfe. Am Ende tanzt eine Multikulti-Gesellschaft durch prasselnden Bühnenregen, Riesenpflanzen wachsen wild durcheinander. Und diverse Gläubige werfen ihre Kultgegenstände in einen Sarg. Weg mit Menora, Kruzifix oder Gebetskette. Mitleid verbindet alle Religionen. So verbrüdert sich der "Parsifal"-Chor am Ende auf der offenen Hinterbühne.

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs im Ruhrgebiet

Auskommen mit dem, was da ist

07/30/2018 - 14:21

Im Ruhrgebiet kommt man traditionellerweise ganz gut mit dem aus, was schon da ist. Das zeigt sich auf produktive Weise in der Kunstwelt. Elke Buhr war in Essen, Bochum und Dortmund unterwegs

Vier gelbe Striche auf grauem Beton ergeben ein Heim. Die Punks jedenfalls, die sich im Raucherbereich des Ankunftsgleises auf dem Dortmunder Hauptbahnhof gerade lachend ein Bier öffnen, sehen aus, als würden sie hier nicht nur sitzen, sondern wohnen. Es ist ungefähr 37 Grad warm, die jungen Menschen drumherum wollen noch schnell zum Juicy Beats Festival in den Westfalenpark, aber ich werde mich an diesem Abend in meiner alten Heimat Ruhrgebiet auf die Suche nach Kunst machen. Bei der Mutter in Bochum leihe ich mir erst einmal ein Auto aus, das bevorzugte Verkehrsmittel der Region. Autobahnauffahrten sind hier so häufig wie anderswo Straßenkreuzungen, und der so genannte Ruhrschnellweg zwischen Dortmund und Mülheim ist so etwas wie das Wohnzimmer der Anwohner – wobei man dort häufig so unbeweglich im Stau steht, als säße man auf dem heimischen Sofa.

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs in Berlin

Durch die Nacht mit Tee

07/23/2018 - 17:39

In der Kunst wird gerade gerne Tee zubereitet: Er hat Komplexität, Tiefe, Konsumierbarkeit und eine langanhaltende Wirkung

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs in London

Stadt mit Schnappatmung

07/16/2018 - 11:22

Brexit-Chaos, WM-Aus, Trump-Baby: Saskia Trebing unterwegs in London, einer Stadt mit Schnappatmung

London war in den letzten paar Tagen eine Stadt mit Schnappatmung. Zuerst die Rücktritte der Brexit-Hardliner David Davis und Boris Johnson, dann der sportliche Brexit der Engländer aus der Weltmeisterschaft (theatralisch trauernd oder volltrunken auf dem kochenden Asphalt liegende Briten inklusive) und dann der Staatsbesuch von Donald Trump, der sich mit seinen Protokollbrüchen bei der Queen die medienwirksamste Majestätsbeleidigung seit Morrissey und den Sex Pistols geleistet hat.

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