Die Monopol-Redaktion

"Carnegie International" in Pittsburgh

15 Minuten Ruhm, dann allgemeiner Aufbruch

10/15/2018 - 11:09

Der Industrielle Andrew Carnegie gründete 1896 eine Ausstellung, die alle zwei bis fünf Jahre in Pittsburgh den Stand der Kunst in der Gegenwart abbilden sollte. Die "Carnegie International" wurde am Wochenende zum 57. Mal eröffnet - und auch in dieser Traditionsschau stellen sich neue Fragen nach dem Kanon. Ein Besuch

Pittsburgh ist bekannt für seine Stahlindustrie, die über 400 Brücken über die unaussprechlichen Flüsse Allegheny und Monongahela, sowie die Produktionsstätten des Heinz-Ketchup, den die Bewohner schon zum Frühstück in großzügigen Mengen verzehren. Allerdings lässt sich in der zweitgrößten Stadt des Bundesstaates Pennsylvania auch einiges an Kunst entdecken. Das Andy Warhol Museum zeugt davon, dass im Stadtteil Oakland vor 90 Jahren der polnische Immigrantensohn Andy Warhola geboren wurde, der schon während seines Illustrationsstudiums an der Pittsburger Universität das zweite a seines Nachnamens verschwinden ließ und später in New York seine 15 Minuten Ruhm zu ein paar Jahrzehnten ausweitete. 

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Die Monopol-Redaktion

"Between Points"

Nachtfahrt mit Waschbär

09/24/2018 - 12:35

Wie bringt man Fluxus in die Gegenwart? Mit einer Bootsfahrt! Unterwegs durch Berlin mit der Performance Agency und dem Archivio Conz

Waschbären sollen ja sehr scheu sein. Die beiden im Archivio Conz schauen jedenfalls nur sehr kurz um die Ecke und hoppeln dann sofort hinter die Regale – etwas unbeholfen, denn ein Mensch in einem Waschbärkostüm erreicht einfach niemals die huschende Eleganz des Originaltiers. Macht nichts, der Effekt ist trotzdem lustig.

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Various Others in München

Wer reinkommt, ist drin

09/17/2018 - 16:50

Junge Galeristen wollen den Kunststandort München über die Stadtgrenzen bekannter machen. Das Rezept: Internationale Kooperationen und ein neues Galerienwochende. Ein Bericht

"Mir kommt es ein bisschen so vor, als ob Sie hier mit Papas Mercedes vorfahren", sagte die Galeristin Gudrun Spielvogel zu Johannes Sperling in einem Streitgespräch, das die Münchner "Abendzeitung" abgedruckt hat. Sperling gehört zu den Mitorganisatoren von Various Others, dem Galerienwochenende in München. Eigentlich müsste man genauer sagen, einem Galerienwochenende. Denn in der bayerischen Hauptstadt gibt es außerdem noch die Open Art. 

Sperling, junger Galerist, gründete den "Verein zur Förderung der Außenwirkung Münchens als Kunststandort", und damit hänge er sich an die Open Art, findet Spielvogel. Daher der Mercedes-Vergleich. "Im Grunde ist alles schon da", sagt sie. Damit meint sie: die Infrastrukturen, die Sammler. 

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Die Monopol-Redaktion

Filmfestival Venedig

In der Endlosschleife

09/06/2018 - 13:20

Monopol-Redakteur Jens Hinrichsen reiht sich in venezianische Kinoschlangen ein, grummelt angesichts von Überlängen und lobt einen unterschätzten Massenchoreographen

Der beste Regisseur dieser Mostra ist zweifellos Umberto. Cecil B. DeMille würde keine überzeugenderen Massenszenen hinbekommen. Umberto heißt er wahrscheinlich gar nicht. Den Namen habe ich mir ausgedacht, aber wie Umberto wirklich heißt, ist ja egal: Dieser Mann hat Format, Größe, er ist ein Künstler. Fantastisch, wie Umberto mit natürlicher Autorität und kräftiger Stimme die Journalistenmenge vor dem Sala Grande dirigiert. Ohne Umberto würde das Chaos ausbrechen. Dank ihm wissen wir, in welche Schlange wir uns einreihen müssen. Er schickt die Fachbesucher mit roten, blauen oder grünen Marken in verschiedene Warteschlangen. Und er sorgt dafür, dass die Schlangen sich wirklich schlängeln, weil neben dem größten Kino am Lido nur beschränkt Platz ist. Ohne Umberto wäre für Passanten kein Durchkommen.

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Unterwegs in Kopenhagen

Demokratie und Geschäft

09/03/2018 - 13:55

Am Wochenende fand zum dritten Mal die Code Art Fair in Kopenhagen statt. Ein Rundgang über die Messe und in der dänischen Hauptstadt

Das Messezentrum liegt wie eine kleine Satellitenstadt vor dem Stadtzentrum Kopenhagens, und die Fläche der Code Art Fair ist überschaubar: Die Verkaufsschau bedeckt gerade einmal das Erdgeschoss einer Halle. Dehydriert, weil man vergisst, etwas anderes zu trinken als Schaumwein und Kaffee, verengt sich die Wahrnehmung auf das, was da an den weißen Stellwänden hängt oder davor steht. 

Ganz vergessen lässt sich der Rest der Welt jedoch nicht, weil die Politik ihren Weg in den Kunstbetrieb findet, in den letzten Wochen mehr als sonst. Daniela Steinfeld von der Düsseldorfer Galerie Van Horn sagt zumindest, wenn man sie fragt, ob jemand mit antidemokratischen Ansichten überhaupt Kunst machen könne, das sei ja überhaupt nicht möglich. Denn, so Steinfeld, die Freiheit, Kunst machen zu können, und es dann auch zu tun, sei schon ein Bekenntnis zur Demokratie. 

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Wagner-Festspiele

Surreales Bayreuth mit Neo Rauch und Rosa Loy

08/05/2018 - 20:23

Eindrücke von den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth: Uwe Eric Laufenbergs "Parsifal" läuft im dritten Jahr, Neo Rauch und Rosa Loy haben sich "Lohengrin" atemberaubend ausgemalt

Der Glaube lebt, die Taube schwebt? Ach was, stattdessen flattert eine Fledermaus durch das Finale des "Parsifal". Das Tier hat sich offenbar ins Bayreuther Festspielhaus verirrt, passt aber gut in Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung. In seiner Regie von Richard Wagners Abschiedswerk leistet die Gralsgesellschaft von Anfang an Flüchtlingshilfe. Am Ende tanzt eine Multikulti-Gesellschaft durch prasselnden Bühnenregen, Riesenpflanzen wachsen wild durcheinander. Und diverse Gläubige werfen ihre Kultgegenstände in einen Sarg. Weg mit Menora, Kruzifix oder Gebetskette. Mitleid verbindet alle Religionen. So verbrüdert sich der "Parsifal"-Chor am Ende auf der offenen Hinterbühne.

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Unterwegs im Ruhrgebiet

Auskommen mit dem, was da ist

07/30/2018 - 14:21

Im Ruhrgebiet kommt man traditionellerweise ganz gut mit dem aus, was schon da ist. Das zeigt sich auf produktive Weise in der Kunstwelt. Elke Buhr war in Essen, Bochum und Dortmund unterwegs

Vier gelbe Striche auf grauem Beton ergeben ein Heim. Die Punks jedenfalls, die sich im Raucherbereich des Ankunftsgleises auf dem Dortmunder Hauptbahnhof gerade lachend ein Bier öffnen, sehen aus, als würden sie hier nicht nur sitzen, sondern wohnen. Es ist ungefähr 37 Grad warm, die jungen Menschen drumherum wollen noch schnell zum Juicy Beats Festival in den Westfalenpark, aber ich werde mich an diesem Abend in meiner alten Heimat Ruhrgebiet auf die Suche nach Kunst machen. Bei der Mutter in Bochum leihe ich mir erst einmal ein Auto aus, das bevorzugte Verkehrsmittel der Region. Autobahnauffahrten sind hier so häufig wie anderswo Straßenkreuzungen, und der so genannte Ruhrschnellweg zwischen Dortmund und Mülheim ist so etwas wie das Wohnzimmer der Anwohner – wobei man dort häufig so unbeweglich im Stau steht, als säße man auf dem heimischen Sofa.

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs in Berlin

Durch die Nacht mit Tee

07/23/2018 - 17:39

In der Kunst wird gerade gerne Tee zubereitet: Er hat Komplexität, Tiefe, Konsumierbarkeit und eine langanhaltende Wirkung

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs in London

Stadt mit Schnappatmung

07/16/2018 - 11:22

Brexit-Chaos, WM-Aus, Trump-Baby: Saskia Trebing unterwegs in London, einer Stadt mit Schnappatmung

London war in den letzten paar Tagen eine Stadt mit Schnappatmung. Zuerst die Rücktritte der Brexit-Hardliner David Davis und Boris Johnson, dann der sportliche Brexit der Engländer aus der Weltmeisterschaft (theatralisch trauernd oder volltrunken auf dem kochenden Asphalt liegende Briten inklusive) und dann der Staatsbesuch von Donald Trump, der sich mit seinen Protokollbrüchen bei der Queen die medienwirksamste Majestätsbeleidigung seit Morrissey und den Sex Pistols geleistet hat.

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Shilpa Gupta in Baku

"Träume sind unzerstörbar"

07/10/2018 - 11:47

Die indische Künstlerin Shilpa Gupta hat im aserbaidschanischen Baku eine Ausstellung eröffnet, die um Redefreiheit kreist – in dem Land am Kaspischen Meer ein brisantes Thema

Die Show beginnt auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum. Die neuen Hochhäuser von Baku leuchten nicht einfach, sie sind Riesen-Screens für bewegte Bilder. Geometrische Lichtmuster huschen über die Fassaden, auf den Animationen werden Fahnen geschwenkt oder Großfeuer entfacht. Andererseits scheint eine geisterhafte Leere in der Hauptstadt Aserbaidschans zu herrschen. Als würde in der Metropole am Kaspischen Meer gar nicht für die Bewohner gebaut. Im kommenden Jahrzehnt sollen in Baku 500 neue Gebäude entstehen. Die drei "Flame Towers", die bis zu 200 Metern hohen Glastürme, sind bereits hochgezogen. Die Aserbaidschaner haben es eilig, ihre UdSSR-Vergangenheit hinter sich zu lassen. In einigen Vierteln dominieren noch die Betonklötze aus der Sowjetzeit. Was sich zumindest nachts mit Lichtkaskaden ganz gut überspielen lässt.

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Die Monopol-Redaktion

Eröffnung im Barberini

Gerhard Richter verschwindet durch die Tiefgarage

07/02/2018 - 09:48

Gerhard Richter hat am Wochenende seine Ausstellung "Abstraktion" in Potsdam eröffnet. Silke Hohmann hat die Vernissage besucht und sich gewundert: Wo sind seine Malerkollegen?

Gerhard Richter hat gesagt, dass seine Bilder sich gegen die Realität behaupten können müssen. Gegen das, was man sieht, wenn man aus dem Fenster schaut, denn draußen stimme immer alles.

Das gilt vielleicht für die gesamte Welt, aber nicht für Potsdam. Denn wenn man im Auditorium im zweiten Stock auf der Fensterbank Platz genommen hat und nicht nach vorne zu Norbert Lammert schaut, der eine Laudatio hält, sondern nach draußen auf den gepflasterten Platz, dann stimmt nichts: Das Alte Rathaus im Stil einer Renaissance-Villa, die klassizistische Kirche, das Stadtschloss und das Gebäude, in dem man selbst sich befindet, das Museum Barberini, sind von einer kulissenhaften Makellosigkeit und erdrückendem Repräsentationswillen.

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