Die Monopol-Redaktion

Ausstellung in Berlin

Aida im Parkhaus

05/28/2018 - 11:05

Der Künstler David Krippendorff lässt die Verdi-Figur Aida in einem seiner Filme auftreten. Doch funktioniert das künstlerische Großformat Oper in der Galerie?

Wie kriegt man große Oper in den kleinen Kasten – in den Fernsehkasten zum Beispiel? Im Fall von Shirin Neshats "Aida"-Inszenierung – Sommer 2017 in Salzburg – ging die Verwertung von Musiktheater als TV-Event wieder gründlich schief. Aber die iranische Künstlerin Neshat schien als Opernregisseurin ohnehin fehlbesetzt. Von ganz anderem Kaliber ist "Looking for Oum Kulthum", Neshats demnächst anlaufender Spielfilm über eine berühmte ägyptische Sängerin (die mit dem Musiktheater westlicher Prägung aber nichts am Hut hatte).

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs in Südwestengland

Notting Hill mit Kühen

05/22/2018 - 15:45

Jenseits der royalen Hochzeit: Monopol-Redakteur Daniel Völzke auf einem Pfingstausflug in die südenglische Landidylle, wo nicht nur Hauser & Wirth Kunst zeigt

Jetzt hat Harry doch hetero geheiratet. 2011, kurz vor der Hochzeit seines Bruders, sagte uns das britische Künstlerduo Gilbert & George: "Wir freuen uns schon sehr darauf, zur Coming-out-Party von Prinz Harry eingeladen zu werden. Wir wissen nicht, ob sie in Westminster Abbey stattfinden wird. Aber es wird sicher ein rauschendes Fest." Von wegen!

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Frieze-Woche in New York

"In den USA ist Kunst immer noch etwas Freakiges"

05/07/2018 - 17:33

Selfies mit Carl Andre, Mikroben von Walter De Maria und eine gut gelaunte Tracey Emin: Silke Hohmann war für unseren "Kunst und Leben"-Blog zur Frieze-Woche in New York und Beacon unterwegs

Randalls Island sei doch überhaupt keine Adresse, beschwert sich der Taxifahrer am Flughafen in Newark. Dabei schlägt seit 2014 die Kunstmesse Frieze New York ihr großes weißes Zelt auf der Parkinsel zwischen Manhattan und Queens auf. An der Südspitze weht von weitem sichtbar eine schwarze Flagge von Adam Pendleton: "BLACK LIVES MATTER" steht auf der "Black Dada Flag", der Flaggenmast ist in einen Ort gerammt, der in Schifffahrtskarten bis in die 80er-Jahre noch "Negro Point" hieß.

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs auf dem Gallery Weekend

Love Letter to Berlin

04/30/2018 - 12:40

Im "Kunst und Leben"-Blog schreibt die Monopol-Redaktion regelmäßig über ihre Ausflüge in die Kunst und das Drumherum. Diesmal: Das Gallery Weekend Berlin. Elke Buhr berichtet

"Art Leaders Network" hieß die Konferenz, die die ehrwürdige "New York Times" am Mittwoch vor dem Gallery Weekend erstmals in Berlin veranstalten wollte. Warum nicht vorbeigehen. Am Tag vorher allerdings kam die Mail der Pressestelle: Journalisten seien in einem separaten Presseraum, den sie bitte nicht verlassen sollten. Die Talks könnten sie auf einem Bildschirm verfolgen. Glauben die, dass sie das Weltwirtschaftsforum in Davos sind? Da schaue ich doch lieber Ted Talks auf Youtube. Auf meine entsprechende Mail an die Veranstalter kam die gequälte Versicherung: Man werde versuchen, den Journalisten noch Stehplätze hinten in der Halle zu organisieren. Nein danke!

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Kunstbiennale und Filmfest in Venedig

Deine Mudda!

09/08/2017 - 16:25

Gute Mütter, schlechte Mütter: Andy Hopes und Darren Aronofskys "Mother"-Bilder in Venedig

Goethes Faust erschrickt, als Mephisto im zweiten Teil der Tragödie von den "Müttern" spricht. In ihrem Reich wohnen die ursprünglichen Schöpfermächte. Mit Windeln oder Babysocken hat das Ganze also nichts zu tun; Goethe bezieht sich auf die Weltenmütter der griechischen Mysterien, auf Rhea, Demeter und Proserpina.

Es ist ein bisschen wie im Horrorfilm. Da kommen Mütter ins Spiel – von "Psycho" bis "Alien", die jedem halbwegs positiven Mutterbild widersprechen. Andy Hope 1930 zeigt auf der Kunstbiennale von Venedig auf dem Bild "Mother" (2017) eine Figur, von der weder warmer Haferbrei noch tröstende Worte zu erwarten sind.

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Die Monopol-Redaktion

Beobachtungen in Venedig

Im Zeitalter des Uploads

09/07/2017 - 20:58

Auf der Kunstbiennale und auf dem Filmfestival Venedig denken Künstler über die Zukunft des Buches nach

Ach, Bücher. Ihre mediale Bedeutung schwindet, weil Texte und Bilder heute eher aufs Display geholt werden. Für den 1964 in China geborenen Künstler Liu Ye sind Bücher schon lange eine bedrohte Art, seine Eltern haben während der Kulturrevolution Bücher gesammelt, natürlich auch verbotene.

Im Zentralpavillon der aktuellen Venedig-Biennale sind Lius präzise abgemalte Bücher zu sehen. Aufgeschlagene Bücher, Umschläge, einzelne Seiten wie die Buchstabe für Buchstabe nachgemalte erste Seite einer Pariser "Lolita"-Ausgabe. Einen Raum weiter sind Graphitbilder des Rumänen Ciprian Muresan ausgestellt, der Motive von Giotto, Tiepolo oder Morandi aus Künstlermonografien und Museumskatalogen kreuz und quer auf große Blätter gezeichnet hat.

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Künstlerin Judith Bernsteins Trump-Bild

Triumph of the Willy

11/12/2016 - 14:54

Judith Bernsteins auf Donald Trump gemünztes Bild "Cockman #5" passt zur Lage wie der gezielte Tritt in die empfindlichste Zone eines Chauvinisten

Judith Bernstein malt und zeichnet Schwänze, seit fünf Jahrzehnten. Man kann die Arbeiten der feministischen Künstlerin geschmacklos finden, aber vielleicht muss man den Geschmack, die Contenance, den Stil in bestimmten Momenten hintanstellen.

Der deutsche Außenminister hat Donald Trump nicht zum Wahlsieg gratuliert. Ein kleiner, menschlicher Fauxpas oder ein starkes Stück für einen Diplomaten? Über Steinmeiers Weigerung gibt es zu Recht eine politische Diskussion. In der Kunst muss die Fuck-Off-Geste so oder so erlaubt sein: Bernsteins "Cockman #5", eine auf Trump gemünzte Wiederholung ihres "Cockman always rises"-Motivs, passt jedenfalls zur Lage wie der gezielte Tritt in die empfindlichste Zone eines Chauvinisten.

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Alte Meister, immer geliebt

"Kruzifix noch einmal!"

10/24/2016 - 11:36

Jens Hinrichsen entdeckt das schönste Bild von Danzig

"Nichts auf dieser Welt ist viraler als ein gekreuzigter Jesus ... und das schon für so lange Zeit", sagt Maurizio Cattelan im Monopol-Interview in der Novemberausgabe. "Das sei absoluter Rekord" fügt der Künster hinzu. Richtig: Immer noch ist das Kreuz ein global immens verbreitetes Zeichen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es den Menschen noch viel bedeutet – in meinem Umfeld jedenfalls ist der Kruzifix zum abstrakten Zeichen geworden.

Zurzeit bin ich in Polen unterwegs, da ist es anders. An jeder zweiten Straßenkreuzung steht eine Heiligenfigur hinter Glas, überall sieht man Kreuze, sogar in Fischerbooten. In den Kirchen von Danzig prallen Welten aufeinander: Touristen wie ich, die das Interieur bewundern und Einheimische, die zum Beten kommen.

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Poesie nach Strickanleitung

Wie ich einmal ein Gedicht für einen Künstler schrieb

09/29/2016 - 20:40

Der Künstler Saâdane Afif gibt hin und wieder bei Kritikern, Kuratoren und Kollegen Songtexte in Auftrag. Für Monopol-Redakteur Daniel Völzke war es ein Kampf

Mit 14 habe ich angefangen mit dem Dichten, mit 16 – immer noch verkannt! – empört und beleidigt wieder aufgehört. Aber ich habe damals nicht einfach aufgegeben, sondern dichtend aufgegeben. Ich schrieb eine zehnstrophige Elegie, die mit den Zeilen begann: „Feuer, nimm an meine Schriften / auf dass sie nicht die Menschheit vergiften!“ Wie es weiterging, weiß ich nicht mehr, und ich kann auch nicht nachschauen, weil ich die Blätter tatsächlich verbrannt habe, im Garten beim Grab unseres Hundes Mopsi-Strupsi, auch so ein armes, verstoßenes Biest wie ich.

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Die Monopol-Redaktion

Berlinale-Tagebuch

In der Pause wird gestritten

02/18/2016 - 18:38

Vier, fünf Leute sind wir, eine kleine Gemeinschaft von leicht schläfrigen Filmkritikern, die sich spätmorgens während der Berlinale in einem Café einfinden. Man hat die Neun-Uhr-Presseaufführung der Wettbewerbsschiene gesehen und schiebt sich dann zur mittäglichen Presseaufführung wieder in die Filmabfertigungshalle namens Berlinale-Palast.

Aber zwischendurch der Kaffee. Und immer kleine Auseinandersetzungen. Ob die Performance Jude Laws als genialischer Schriftsteller Thomas Wolfe subtil oder aufgeblasen-theatralisch war ("Genius"). Oder: Was Bjarne Mädel mit Julia Jentsch in "24 Wochen" getrieben hat, war doch kein Analverkehr! Entgegnung: Doch! Astreiner Analverkehr! Oder: Deine oberkritische Art nervt! Antwort: Besser als so eine Filmversteherin wie Katja Nicodemus – die ja immer alles gut findet! Retourkutsche: Hast wohl nicht auf das Berlinale-Ranking im Tagespiegel geguckt, Nicodemus bewertet "Alone in Berlin" mit "sehr schlecht"!!

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Jens Hinrichsens Berlinale-Tagebuch

Sie bekommen Flügel wie Adler

02/13/2016 - 21:29

In den ersten Tagen eines Festivals sind die Kritiker noch frisch, und manch einer schlägt über die Stränge. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das gibt sich. Wenn du über die ersten 15 Filme drüber bist, wirst du pragmatisch. Filme sind nur Filme. In ihnen sind seltener wichtige Botschaften versteckt als du denkst. Man kann zufrieden sein, wenn ein Film wie ein besserer Roman von Ian McEwan ist, elegant und fesselnd erzählt. Muss es gleich die Bibel sein?

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