Die Monopol-Redaktion

Künstlerfiguren auf den Filmfestspielen Venedig

Vom Bling-Bling zur Überlebenskunst

09/09/2015 - 14:43

Beinahe hätte ich die Köcherfliegenlarve übersehen. Der Künstler Hubert Duprat hat der Larve, die sauerstoffhaltiges Wasser mag, den Panzer weggenommen und ihr mit Gold- und Perlmuttstaub neues Baumaterial in das Aquarium gestreut. "Caddis Worms building their Case" ist in der großartigen Biennalen-Kollateralschau "Slip of the Tongue" in der Punta della Dogana zu sehen, kuratiert von Danh Vo.

Beuys würde sagen: Jeder Wurm ist ein Künstler. Mindestens als Schmuckdesigner geht die Larve durch. Das bringt mich zum Lido und zu Julie Delpy, die in ihrer selbst inszenierten Komödie "Lolo" eine Mode-Managerin in Paris spielt. Der Langzeitsingle verliebt sich in einen von Dany Boon verkörperten Computerexperten, der nicht so ganz in ihre Lebenswelt passt.

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Die Monopol-Redaktion

Filmfestspiele in Venedig

Leading Ladies, der Führer als Kind und flennende Superstars

09/08/2015 - 14:15

Wenigstens Shia LaBeouf war ergriffen. Am Ende der Premiere von "Man Down" verbarg der Star des Films das Gesicht in den Händen. Dann hob er den Kopf und man sah ein tränennasses Gesicht in der Sala Darsena. Oder war das eine Fortsetzung der Performance, vor der Leinwand? Der Film über einen traumatisierten Afghanistan-Krieger war Action-Dutzendware mit einem – zugegeben – unerwarteten Twist. Wen das rührselige Finale im zweitgrößten Kino am Lido wirklich rührte, war kaum auszumachen: Scheinwerfer und Aufmerksamkeit waren auf den aufgelösten LaBeouf gerichtet. Das muss auch so sein, denn ohne Starpower würde ein A-Festival wie das in Venedig seine internationale Ausstrahlung verlieren.

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Am Wasser

Schöne Ausblicke und Reinfälle auf den Venedig-Festspielen

09/07/2015 - 12:19

Der Ausblick ist immer wieder toll. Bei guter Sicht sind von Venedig aus die Alpen zu sehen, diesmal sogar der Himalaya. Natürlich nur auf der Festivalleinwand, es wurde ja "Everest" als Eröffnungsfilm der 72. Mostra gegeben. Ein 3D-Bergdrama, aber nicht unbedingt ein Gipfel der Filmkunst. Hoffentlich kein Menetekel für die diesjährige Competition-Sparte. Über die Hälfte von 20 Filmen, die um den Goldenen Löwen kämpfen, ist schon gelaufen. Bisher dümpelt der Wettbewerb nur so dahin.

Drei Filme dieser Sektion fand ich wirklich gut: "Beasts of No Nation", "L’attesa" und "El Clan" – um eine Mafiafamilie zur Zeit der Militärdiktatur in Argentinien: Oben in der Badewanne quält der Familienvater einen Gekidnappten, unten erledigen die Kinder ihre Hausaufgaben. Wo gibt’s den sowas? Unfassbar, aber Pablo Traperos dicht an der Groteske vorbeischrammender Thriller beruht auf einer wahren Familienstory. In dieser Saison, darauf hat auch Alberto Barbera hingewiesen, finden sich quer durch die Sektionen Filme, die auf Fakten beruhen.

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Die Monopol-Redaktion

Herr Gott, du bist unsere Zuflucht

08/18/2015 - 15:30

Heute Morgen informierte mich mein Telefon über eine Nachricht von Klaus Lemke. Der Filmemacher macht das manchmal: Er verschickt Nachrichten an Menschen wie mich, obwohl wir uns noch nie begegnet sind und ich erst ein Mal für circa zwei Minuten mit ihm telefoniert habe. Auch das ist jetzt zwei Jahre her. Seitdem erreicht mich alle paar Monate ein kurzer Text. Ich finde sie oft sehr rührend, besonders die Zeilen heute am Morgen haben mein müdes Herz ergriffen. Da schrieb er um 7.10 Uhr in der Früh, dass er einem Blogger auf die Frage, ob Warhol oder Godard für ihn wichtiger war, geantwortet habe: "In den 60er-Jahren waren wir alle in dasselbe verliebt: in uns. Und dass uns das Leben vor lauter Begeisterung aus der Hand fressen müsste, wenn wir nur immer so weitermachen. Bis wir dann in den 80er-Jahren selbst zum Futter wurden. Niemand konnte sich eine Welt vorstellen, in der wir nicht selbst die Größten waren. Kissez. Yours. Lemke."

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Die Monopol-Redaktion

Panne bei Videodreh im Wald

Künstlerin kann sich nicht mehr aus Selbstfesselung befreien

07/17/2015 - 18:54

Die in London lebende Künstlerin Hilde Krohn Huse hat sich für eine Videoperformance in einem Wald nackt an einen Baum gefesselt – und konnte sich danach nicht mehr befreien.

Eine Kamera filmte die Fesselung und die anschließende Notlage, in der die 26-Jährige um Hilfe rief. Nach über einer halben Stunde (britische Medien wissen sogar, dass es dreieinhalb Stunden waren) konnte sie von einer Freundin, die die Hilferufe gehört hatte, erlöst werden.

Das Video, das die Künstlerin "Hanging in the Wood" genannt hat, ist jetzt ausgewählt für die  Nachwuchs-Ausstellung Bloomberg New Contemporaries in London, die jährlich Arbeiten von Absolventen britischer Kunsthochschulen präsentiert; die Juroren sind Simon Starling, Jessie Flood-Paddock und Hurvin Anderson.

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Die Monopol-Redaktion

Juergen Tellers Kimye-Fotos irritieren die Netzgemeinde

07/11/2015 - 23:48

Für das System Magazine fotografierte Juergen Teller den TV-Star Kim Kardashian, ihren Mann Kanye West - und sich selbst

Eine idyllische Landschaft im französischen Château d'Ambleville: Kim Kardashian räkelt sich in fleischfarbener Unterwäsche im Gras, posiert vor einem Erdhügel oder neben einem gelben Traktor. Das Outfit wählte ihr Mann Kanye West; seit einiger Zeit versucht sich der Musiker und Produzent als Teilzeit-Stylist für seine Frau.

Da geht ein Raunen durch das Internet, die Modemagazine finden es "peinlich" und die "hautfarbene Wurst" in dem banalen Setting alles andere als sexy. Verwirrend auch die Selbstporträts von Fotograf Juergen Teller in Unterhose, Wollmütze und roter Daunenjacke, mit Skistöcken watet er durchs Wasser. Der Fotograf aus dem fränkischen Bubenreuth bricht mit seiner Ästhetik erneut unsere Vorstellungen von Glamour. 

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Die Monopol-Redaktion

Malerin des Queen-Geschenks stellt neues Werk vor

Das wird ja immer bunter!

07/10/2015 - 13:35

Das Gastgeschenk der Hamburger Malerin Nicole Leidenfrost an Königin Elisabeth II. sorgte für viel Aufregung: Hat der Queen das Geschenk etwa nicht gefallen? Jetzt stellt die Künstlerin ein neues Werk und ein selbstironisches T-Shirt vor

Während ihres Berlin-Besuches im Juni überreichte Bundespräsident Joachim Gauck Königin Elisabeth II. ein Gemälde als Gastgeschenk: "Pferd in Royalblau" zeigt die Queen als Kind mit Pferd und Vater. Die Malerin, Nicole Leidenfrost aus Hamburg (hier im Interview mit Monopol), sah sich im Anschluss einem großen Presserummel ausgesetzt: Die Reaktionen waren nicht gerade positiv, doch die Künstlerin sah es gelassen.

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Die Monopol-Redaktion

Berlinische Galerie feiert die 60er

Wir Salon-Modernen

06/23/2015 - 14:46

Die Ausstellung "Radikal Modern" in der Berlinischen Galerie​ versucht eine Neubewertung der 60er-Jahre-Architektur. Aber ist der Zug nicht längst abgefahren?

Ich bin nicht über das Röhrensystem aus rollenden Gesteigen gekommen, mit dem die Architekten Georg Kohlmaier und Barna von Sartory Passanten quer durch die Stadt transportieren wollten. Auch die sechsspurige Autobahn, die Hans-Georg Krumbholz einst für die Innenstadt imaginierte, habe ich nicht benutzt, denn ich besitze keinen schnittigen Straßenkreuzer, sondern ein Fahrrad. Auf dem ich aus jenem Teil Kreuzberg zur Berlinischen Galerie fuhr, der nach dem Willen avancierter Städteplaner längst Hochhäusern Platz gemacht hätte.

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Die Monopol-Redaktion

Milo Moirés Performance in Basel

Man trägt wieder nackt

06/18/2015 - 14:35

Am Rande der Kunstmesse Art Basel führte die Schweizer Künstlerin Milo Moiré erneut eine Guerilla-Performance auf, in der sie sich nackt mit Passanten fotografieren ließ

Die 1983 geborene Künstlerin, die mit einer Maltechnik bekannt wurde, in der sie farbgefüllte Eier aus ihrer Vagina presst und sie auf Leinwänden zerspringen lässt, stand am Mittwoch eine Dreiviertelstunde unbekleidet auf dem Barfüsserplatz (passender Name!), bevor es ihr zu kalt geworden sei. Schon im vergangenen Jahr ist Moiré vor den Toren der Art Basel nackt herumgelaufen. "Sie verkörpert durch ihre Performance die freiwillige Entblössung unserer Gesellschaft in den sozialen Medien", heißt es auf ihrer Website  - was genauso viel Sinn macht, wie mit Exekutionen gegen die Todesstrafe zu protestieren.

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Die Monopol-Redaktion

Performance-Jahrmarkt vor der Venedig-Biennale

Fest der Martern

05/10/2015 - 21:56

"Blues Blood Bruises" steht über dem Eingang zum zentralen Pavillon der Venedig-Biennale, aber das eigentliche Fest der Matern wird nur ein paar Meter weiter, außerhalb der Giardini gefeiert: Auf der schönen Viale Giuseppe Garibaldi und am Wasser neben den Luxusyachten liefern sich in der Eröffnungswoche der Kunstschau hartgesottene Performance-Künstler einen regelrechten Wettstreit in Drastik, Ausdruckskraft und Authentizität. Die wenigsten von ihnen leiden im offiziellen Programm der Biennale, sondern legen ohne Auftrag und Honorar ihr Können und Wollen den angereisten Kunstexperten vor die müden Füße.

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Die Monopol-Redaktion

Venedig-Biennale 2015

The last Man on Earth

05/08/2015 - 11:10

Dies sei die Biennale der Postapokalypse, erklärt die geschätzte Kritikerkollegin von Sleek gut gelaunt bei einem abendlichen Empfang: Überall gehe es um Schrecken und Tod. Und der Mensch käme eigentlich nicht mehr vor.

Die Diagnose ist nachvollziehbar: Okwui Enwezors hat die Fassade seines zentralen Pavillon in den Giardini mit schwarz gefärbten Fahnen von Oscar Murillo verhängt, Glenn Ligon löscht an der Fassade die gewohnte Inschrift mit den Neonworten "Blues Blood Bruises" aus, bei den Schweizern löst Pamela Rosenkranz das Humane in einem rosa blubbernden Meer auf, bei den Österreichern räumt Heimo Zobernig gleich alles aus und klotzt einen schwarzen Balken an die Decke – der Mensch hat keinen guten Stand hier.

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