Die Monopol-Redaktion

Unterwegs in London

Stadt mit Schnappatmung

07/16/2018 - 11:22

Brexit-Chaos, WM-Aus, Trump-Baby: Saskia Trebing unterwegs in London, einer Stadt mit Schnappatmung

London war in den letzten paar Tagen eine Stadt mit Schnappatmung. Zuerst die Rücktritte der Brexit-Hardliner David Davis und Boris Johnson, dann der sportliche Brexit der Engländer aus der Weltmeisterschaft (theatralisch trauernd oder volltrunken auf dem kochenden Asphalt liegende Briten inklusive) und dann der Staatsbesuch von Donald Trump, der sich mit seinen Protokollbrüchen bei der Queen die medienwirksamste Majestätsbeleidigung seit Morrissey und den Sex Pistols geleistet hat.

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Die Monopol-Redaktion

Shilpa Gupta in Baku

"Träume sind unzerstörbar"

07/10/2018 - 11:47

Die indische Künstlerin Shilpa Gupta hat im aserbaidschanischen Baku eine Ausstellung eröffnet, die um Redefreiheit kreist – in dem Land am Kaspischen Meer ein brisantes Thema

Die Show beginnt auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum. Die neuen Hochhäuser von Baku leuchten nicht einfach, sie sind Riesen-Screens für bewegte Bilder. Geometrische Lichtmuster huschen über die Fassaden, auf den Animationen werden Fahnen geschwenkt oder Großfeuer entfacht. Andererseits scheint eine geisterhafte Leere in der Hauptstadt Aserbaidschans zu herrschen. Als würde in der Metropole am Kaspischen Meer gar nicht für die Bewohner gebaut. Im kommenden Jahrzehnt sollen in Baku 500 neue Gebäude entstehen. Die drei "Flame Towers", die bis zu 200 Metern hohen Glastürme, sind bereits hochgezogen. Die Aserbaidschaner haben es eilig, ihre UdSSR-Vergangenheit hinter sich zu lassen. In einigen Vierteln dominieren noch die Betonklötze aus der Sowjetzeit. Was sich zumindest nachts mit Lichtkaskaden ganz gut überspielen lässt.

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Anna Gien

Das wird schon

Aktmodell für Zoë Claire Miller

07/03/2018 - 11:59

Ich war noch nie Aktmodell. Nur einmal aus Versehen, und das ist schon ziemlich lange her. Etwas an der Idee erschien mir, zumindest aus verklärt-abstrakter Perspektive, immer schon irgendwie reizvoll. Nachdem ich mich damit abgefunden hatte, dass ich nicht in alle Ewigkeit auf den Brief aus Hogwarts würde warten können, dass das mit der Popstarkarriere nicht wirklich realistisch war und meine Mathelehrerin mir bereits in der fünften Klasse klar machte, dass man ab hier nur noch Schadensbegrenzung betreiben könne, war mein erster ernstgemeinter Berufswunsch Muse. Dafür muss man einfach nur man selbst sein, dachte ich, und imaginierte mir ein Leben in verstaubten Ateliers zwischen leeren Rotweinflaschen und amourös aufgeladenen, hochtrabenden Konversationen. Trotz exzessiven Flanierens in den richtigen Gegenden wurde ich nicht früh genug entdeckt, und weil es keine offiziellen Agenturen für Musenvermittlung gab, und ich mir die Chancen einer Initiativbewerbung mit Lebenslauf und Motivationsschreiben nicht sehr hoch ausmalte, legte ich das Ganze vorübergehend auf Eis. 

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Die Monopol-Redaktion

Eröffnung im Barberini

Gerhard Richter verschwindet durch die Tiefgarage

07/02/2018 - 09:48

Gerhard Richter hat am Wochenende seine Ausstellung "Abstraktion" in Potsdam eröffnet. Silke Hohmann hat die Vernissage besucht und sich gewundert: Wo sind seine Malerkollegen?

Gerhard Richter hat gesagt, dass seine Bilder sich gegen die Realität behaupten können müssen. Gegen das, was man sieht, wenn man aus dem Fenster schaut, denn draußen stimme immer alles.

Das gilt vielleicht für die gesamte Welt, aber nicht für Potsdam. Denn wenn man im Auditorium im zweiten Stock auf der Fensterbank Platz genommen hat und nicht nach vorne zu Norbert Lammert schaut, der eine Laudatio hält, sondern nach draußen auf den gepflasterten Platz, dann stimmt nichts: Das Alte Rathaus im Stil einer Renaissance-Villa, die klassizistische Kirche, das Stadtschloss und das Gebäude, in dem man selbst sich befindet, das Museum Barberini, sind von einer kulissenhaften Makellosigkeit und erdrückendem Repräsentationswillen.

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Anika Meier

Debatte

Kunstkritik und Museen in Zeiten sozialer Medien

06/29/2018 - 12:15

Social Media hat alles verändert. Bloß muss das noch in der Kunstwelt ankommen, denn Museen verkennen oft die Wichtigkeit von Twitter, Instagram und Facebook. Bei der Kunstkritik ist es komplizierter, aber auch hier gilt: Besser mitmachen!

Das Internet geht wieder weg. Im Basler Historischen Museum ist man sich da offenbar sehr sicher. Anders ist es nicht zu erklären, dass Anfang Juni gemeldet wurde, die Sache mit den "Tweeds" und irgendwas mit Blog werde fortan nicht weitergeführt. Zitiert wurde aus dem aktuellen Jahresbericht des Museums:

Die Effizienzanalyse der bisherigen Aktivitäten der Abteilung Kommunikation führte allerdings zu dem Entscheid, das Projekt "e-culture" mit Tweeds (sic!) und Blogbeiträgen 2018 nicht weiterzuführen. Die Auswertung der letzten Jahre hat nämlich gezeigt, dass es nicht gelungen ist, mit den sozialen Medien derart zielgruppenspezifisch zu kommunizieren, dass am Ende mehr Besucherinnen und Besucher an der Kasse oder auf unserer Webpage verzeichnet werden konnten.

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs auf der Manifesta 12 in Palermo

Die Welt von morgen

06/21/2018 - 12:06

Während das stinkreiche Deutschland über die Flüchtlingspolitik streitet, feiert die Manifesta in Palermo Vielfalt als kulturellen Reichtum. Ein Rundgang von Sebastian Frenzel

Vor der Chiesa di Sant'Anna stimmen schwarzgekleidete Frauen ein Lied an, Kinder tanzen dazu in loser Choreografie. Hibiskus, Orangen- und Zitronenbäumchen flankieren eine Steintreppe, an deren Ende Menschen ohne ersichtlichen Grund in die Hände klatschen. Auf der Piazza Vincenco Bellini hat sich derweil eine Festgesellschaft versammelt – es ist an diesem Frühsommerabend beim besten Willen nicht auszumachen, ob man sich noch auf der Manifesta befindet oder schon im ganz normalen Alltag Palermos, in dem von der Künstlerin Marinella Senatore initiierten Umzug oder in einer katholischen Prozession oder auf einer Feier zum Ende des Ramadans. Und vielleicht ist das ja auch ganz egal.

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Die Monopol-Redaktion

Unterwegs in Basel, Basel

Selbstparodie inklusive

06/18/2018 - 14:49

Bei anderen Messen haben wir mehr gefeiert, dafür kippen auf der Art Basel schon mal Menschen um vor lauter Kunst. Eine Woche in der temporären Haupstadt des Kunstmarkts, aufgeschrieben von Elke Buhr

Basel ist schon an normalen Tagen eine seltsame Mischung aus Puppenstube und unglaublich viel Geld, und wenn die Art-Basel-Woche die reichen Menschen in die Stadt ruft, wird das nicht besser. Die französischen Fluglotsen versuchten mit einem Streik am vergangenen Montag noch kurzfristig das Schlimmste zu verhindern, aber trotz abgesagter Flüge – einige Berliner mussten ihren Platz im Easyjet-Flieger gegen acht Stunden in einem ICE der Deutschen Bahn tauschen – waren dann irgendwann doch alle eingetroffen in der perfekt renovierten Stadt am Rhein, fuhren mit dem perfekt funktionierenden Nahverkehr zu ihren Hotels (900 Franken pro Nacht, warum nicht?) und bereiteten sich auf den entscheidenden Moment vor: das Austernschlürfen am Dienstagmorgen.

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Die Monopol-Redaktion

Eröffnungswochenende der 10. Berlin Biennale

Good bye, old BRD!

06/11/2018 - 11:33

Wo vor zwei Jahren noch blasse Hipster das Bild bestimmten, fühlt sich die Stadt zur 10. Ausgabe der Berlin Biennale an, als hätte sie endlich Anschluss an eine wirklich globale Szene gefunden. Beobachtungen am Eröffnungswochenende

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Anika Meier

Künstler Dullaart über Fake-Follower auf Instagram

"Menschen werden abhängig von Bestätigung"

06/08/2018 - 11:55

Der niederländische Künstler Constant Dullaart hat als künstlerische Intervention 2,5 Millionen Follower gekauft und auf Kunstwelt-Protagonisten verteilt. Darüber gesprochen wird selten

Herr Dullaart, Sie haben im Jahr 2014 für 5.000 Dollar 2,5 Millionen Follower gekauft und auf Protagonisten in der Kunstwelt verteilt, so dass ausgewählte Galerien, Künstler, Magazine und Kritiker alle auf 100.000 Follower kamen. Wie lief das ab?
Ich wusste, dass es möglich ist, Follower zu kaufen. Anfangs kaufte ich Follower aus Recherchegründen weil ich mich mit neuen Typen von Materialität mit Bezug zur Fotografie beschäftigte. Wenn man etwas kaufen kann, kann es als Material gesehen werde. Damals lief das noch über eBay, was heute meines Wissens nach nicht mehr möglich ist. Heute gibt es andere Dienste. Wenn man im Internet auf die Suche geht, landet man auf verschiedenen Websites.

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Die Monopol-Redaktion

Eine Form der Ekstase

Unterwegs auf der ersten Riga-Biennale

06/04/2018 - 17:53

Jetzt hat auch Riga eine eigene Biennale. An den Eröffnungstagen und -nächten schwärmen die angereisten Besucher von einer Stadt, in der offenbar noch Platz ist, vom Licht, vom Meer - und harten Alkoholika. Daniel Völzke war dabei

Wenn niemand das Licht abdreht, geht auch keiner schlafen. Anfang Juni ist es in Riga um 23 Uhr immer noch hell, naja, jedenfalls nicht richtig dunkel. Die Sonne taucht nur ein paar Stunden in die Ostsee und kommt schnell mit einer neuen Zartheit zurück. Die Künstler und Gäste der Preview-Tage der ersten Riga-Biennale hangeln sich von Ausstellungsort zu VIP-Empfang, von Eröffnungsparty zum nächsten Ausstellungsort – und keiner klagt über Müdigkeit. "Die Geschwindigkeit ist die Form der Ekstase, mit der die technische Revolution den Menschen beschenkt hat", dieses Milan-Kundera-Zitat steht als Motto auf der ersten Seite des Biennale-Handbuchs, und wenn es neben den britischen Junggesellenhorden jemand schafft, in der eher beschaulichen lettischen Hauptstadt Ekstase und Geschwindigkeit zusammenzubringen, dann doch jutebeuteltragende Kunstwelt-Professionals.

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Anika Meier

"Excellences & Perfections"

Endlich erscheint das Buch zu Amalia Ulmans Instagram-Meisterwerk

06/01/2018 - 11:26

Amalia Ulmans Performance "Excellences & Perfections", in der sie sich monatelang als vermeintliches Dummchen inszenierte, gilt als das erste Instagram-Kunstwerk. Jetzt, fast fünf Jahre später, erscheint endlich das Buch dazu. Monopol-Bloggerin Anika Meier hat es sich angesehen

Vor ein paar Wochen habe ich ein Interview mit Amalia Ulman für das Monopol Magazin (3/2018) geführt. Nachdem es kurz in der Leitung klickte und wir uns noch kürzer begrüßten, sagte sie: "Hat Dir meine Galeristin gesagt, dass ich keine Fragen zu 'Excellences & Perfections' beantworte?" Nein, hatte sie nicht. Macht nichts, dachte ich. Wie sich schnell herausstellte, lag ich damit falsch. Ich versuchte mich also an meiner ersten Frage, die sehr beiläufig – vielleicht auch nicht ganz so beiläufig – mit dem Erfolg ihrer Instagram-Performance "Excellences & Perfections" zu tun hatte. Amalia Ulman legte auf. Allerdings nicht bevor sie mich wissen ließ, dass ich mich gleich wieder melden könne, wenn ich mir neue Fragen überlegt hätte.

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