"Akademie [Arbeitstitel]" in Düsseldorf

Archiv und Akribie

02/09/2018 - 14:47

Es lässt sich nicht bestreiten, der Begriff Archiv klingt auch immer ein wenig nach Staub, nach Daten, Akten, Zahlen, nach Versessenheit und Akribie, oder anders formuliert: nach Liebe zum Detail. Im Emporensaal der Kunsthalle Düsseldorf ist zum Ende der Ausstellung eine Hängung zu sehen, in der genau das auf verschiedene Weise umgesetzt wird

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"Akademie [Arbeitstitel]" in Düsseldorf

Das Archiv performen

02/06/2018 - 17:26

Mit der Programmreihe "Performing Archive", die an mehreren Wochenenden parallel zur Ausstellung "Akademie [Arbeitstitel]" in der Kunsthalle Düsseldorf stattfindet, wird das Archiv buchstäblich zum Leben erweckt

Als die Ausstellung im November 2017 eröffnete, stand der 11.11., der Auftakt des Rheinischen Karnevals unmittelbar bevor – wenige Tage nach Ausstellungsende beginnt die fünfte Jahreszeit dann offiziell. Was liegt näher, als sich diesem Ritual von künstlerischer Seite zu nähern. Der Choreograf Ben J. Riepe blickt mit seinem Stück CARNE VALE! auf den mittelalterlichen Karneval, der Feier des Fleisches, bevor man ihm für die Dauer der Fastenzeit entsagt. Das Fleisch ist in dem Fall der menschliche Körper, den Riepe ausstellt, verhüllt, entblößt und als Projektionsfläche nutzt, für aktuelles Zeitgeschehen, aber auch, um tief verborgene Instinkte hervorzulocken.

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Anika Meier

Studie

Künstlerinnen in Zeiten sozialer Medien

02/02/2018 - 11:05

Eine neue Studie zeigt, dass Frauen in der Kunst im Vergleich zu Männern noch immer stark benachteiligt sind. Was hat sich durch die sozialen Medien geändert?

Die Guerrilla Girls fragten in den 80ern, ob Frauen nackt sein müssen, um ins Museum zu kommen. Bei einer ihrer Schniedelzählungen ("weenie counts") im Metropolitan Museum fanden sie heraus, dass nur 5 Prozent der Künstler in der Abteilung für Moderne weiblich waren, während 85 Prozent der Akte Frauen zeigten. Vor einigen Jahren zählten sie noch einmal nach. Jetzt waren es nur noch 4 Prozent, dafür gab es plötzlich mehr männliche Akte. Vielleicht müssen also zuerst mehr Männer nackt ins Museum, bevor es dort mehr Künstlerinnen gibt, scherzen die Guerrilla Girls gerne mal.

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Anika Meier

Geplantes Museum of Selfies

Die Hölle ist Millennial Pink

01/30/2018 - 12:15

In Los Angeles eröffnet am 1. April für zwei Monate das Museum of Selfies. Muss das sein? Ein Kommentar

Die Antwort klingt plausibel. Brauchen Selfies tatsächlich ein eigenes Museum? Die Antwort wird in der Rubrik häufig gestellte Fragen auf der Website des Museums of Selfies gegeben. Und sie klingt deshalb so plausibel, weil man genau weiß, wie sie lautet: Jeden Tag werden mehr als eine Million Selfies in den Sozialen Medien geteilt. Das deutet also eine gewisse Relevanz des Themas schon an. Deshalb, egal, wie man das Phänomen Selfie beurteilt, ob man es nun großartig oder total überflüssig findet, ein Museum ist es wert.

Am 1. April eröffnet das Museum of Selfies. Zu gerne würde man jetzt rufen: "Ha, Aprilscherz!" Nur leider geht das nicht, weil schon Eintrittskarten gekauft werden können. Für 25 Dollar die Karte. Für einen Museumsbesuch in Los Angeles. Für einen Zeitraum von zwei Monaten.

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"Akademie [Arbeitstitel]" in Düsseldorf

Das Archiv als Performance

01/23/2018 - 17:29

Die Klasse Suchan Kinoshita von der Kunstakademie Münster übernimmt die Kunsthalle Düsseldorf

Unter der Treppe vor dem Kinosaal steht ein Turm aus Tabletts. Grauer Kunststoff, ein genormtes, auf Körpermaße abgestimmtes Format, wie es in tausenden Bürokantinen und Unimensen täglich im Einsatz ist. Die Tabletts sind der Beitrag "table/t" der Klasse Suchan Kinoshita von der Kunstakademie Münster. Aufeinander gestapelt sind sie so hoch, dass die kleinste Person in der Klasse mit ausgestreckter Hand gerade noch so an das oberste Tablett heranreicht. Bis zum Ende der Laufzeit werden auf und mit den Tabletts immer wieder Performances und künstlerische Arbeiten gezeigt und präsentiert, die sich zwischen die temporären Installationen in den Ausstellungsräumen drängen – in between, in Anlehnung an die legendäre Ausstellungsreihe der Kunsthalle.

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"Akademie [Arbeitstitel]" in Düsseldorf

Ich bin das Archiv

01/19/2018 - 16:51

Der Kinosaal der Kunsthalle Düsseldorf ist zurzeit Atelier, Experimentallabor, Schnittraum, Studio und Archiv in einem

Im hinteren Teil des Raums zeigt Béla Pablo Janssen eine Serie von Bildern, in denen sich Anklänge von Aktzeichnungen zwischen flüchtigen Linien finden. Die skizzenhaften Szenen, jede mit einer persönlichen Geschichte verknüpft, hat er in großformatigen Siebdrucken auf Leinwand zu Stillleben arrangiert. Eine Reihe, die sich ähnelt, aber nie gleicht. Auf der linken Wand hängt seine persönliche Künstlerbiografie in Form von selbst gestalteten Postern, die er zu jeder Ausstellung, oder Präsentation gestaltet, aber auch als künstlerische Aktion einsetzt. Auf einem aus 2010 hat er den eigenen Namen mit ironischer Nonchalance über einen Pablo Picasso-Schriftzug auf einem Ausstellungsplakat "getaggt", Béla Pablo Janssen reiht sich da zwischen die großen Stars der Klassischen Moderne in der Kunstsammlung NRW.

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"Akademie [Ar­beits­ti­tel]" in Düsseldorf

Alles nur gemalt?

01/08/2018 - 11:07

Zum Jahreswechsel blieb es außergewöhnlich ruhig in der Kunsthalle. Statt lärmender, stauberzeugender Aufbauarbeiten hat die Malerei, genauer gesagt die Klasse von Klaus Merkel, Einzug in die Ausstellungsräume gehalten

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Anika Meier

Jahresrückblick 2017

Was schön war auf Instagram

12/29/2017 - 16:29

2017 ist das Jahr, in dem wir uns sicherlich alle ein wenig wohler gefühlt hätten. Leicht war das nicht, die Sache mit dem Wohlfühlen, weil plötzlich Trump im Weißen Haus saß und bis heute nicht ganz klar ist, ob er mit Politik oder Satire auf Dauersendung ist. 2017 wurde dann auch viel über Feminismus und die Rechte von Frauen gesprochen, weil Trump es irgendwie völlig okay findet, Frauen zwischen die Beine zu greifen und das ist natürlich alles andere als okay.

2017 ist auch das Jahr, in dem viel gebasht wurde: Merkel, Influencer und Kuratoren beispielsweise. Alle sollen sie weg, hörte man, weil sie wenig besser, dafür aber viel schlimmer machen: die Politik, den Alltag, die Kunst. Und während sich die Kritiker noch den Kopf über die Documenta 14 zerbrachen, zeigte Britney Spears auf Instagram wie einfach das mit der Kunst sein kann. Ein bisschen Mozart, ein bisschen Pleinairmalerei, fertig. Über die Documenta hat sie sich vermutlich eher weniger Gedanken gemacht, aber damit waren ja auch schon andere beschäftigt.

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"Akademie [Ar­beits­ti­tel]" in Düsseldorf

Der Shop

12/22/2017 - 11:59

Je mehr der Verkäufer am Produkt hängt, desto teurer ist es: Der Künstler Zauri Matikashvili hat in der Kunsthalle Düsseldorf einen Museumsshop eingerichtet, in dem die Preise sich nach dem persönlichen Wert richten, den die Waren für ihn haben

Es soll Menschen geben, für die das Schönste am Museumsbesuch die abschließende Runde durch den Museumsshop ist. Ein Buch schöner als das andere, dazu jede Menge hübscher aber unnötiger Kleinkram und natürlich Postkarten für alle Lebenslagen.

In der Kunsthalle Düsseldorf fehlte dieses i-Tüpfelchen bislang oder wurde von den MitarbeiterInnen an der Kasse abgefangen, wo die Kataloge neben Eintrittstickets angeboten werden.

Eine temporäre Lösung hat der Künstler Zauri Matikashvili, der in Münster bei Aernout Mik studiert, als Beitrag für die Ausstellung im Gepäck: Sein persönlicher Shop erwartet die Besucher bis zum 4. Februar jeden Sonntag und am letzten Donnerstag im Monat. Der Laden ist nicht zu übersehen im Foyer und lockt mit Postern, Broschüren, Radiergummis, Stickern, Postkarten und Jutebeuteln. Was allerdings fehlt sind Preisschilder.

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Anika Meier

Ren Hang in Leipzig

Ein Riss in jedem Herzen

12/20/2017 - 11:43

Mit Ren Hang verlor die Kunstwelt 2017 einen Fotografen, der die Jugend in China so zeigt, wie sie gesehen werden will: frei, schön und mutig. In Leipzig ist die erste Einzelausstellung nach seinem frühen Freitod zu sehen

"Am 24. Februar 2017 entschied sich Ren Hang, Fotograf und Dichter, sein Leben im Alter von 29 Jahren in Peking zu beenden." Das steht als letzter Eintrag auf seiner Website geschrieben. Seine Bilder haben nicht nur ein Nachleben in den Sozialen Medien, aber dort haben sie es besonders schwer. Wer eins seiner etwas expliziteren Bilder postet, schließt meist gleich eine Wette mit ab, wie lange es dauern wird, bis Instagram löscht.

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"Akademie [Arbeitstitel]" in Düsseldorf

Partizipation als Prinzip

12/08/2017 - 16:13

Können wir das Archiv der Kunsthalle mit unserer persönlichen Erinnerung und Erfahrung verweben?

Diese Frage steht über den künstlerischen Beiträgen der Studierenden aus der Klasse von Mariana Castillo Deball von der Kunstakademie Münster. Aktuell bespielen sie den großen "Kinosaal" (der Name trügt – nur eine Videoarbeit ist hier zu sehen) und die darüberliegende Empore. Wenn die Kunsthalle Düsseldorf ein Körper ist, bildet ihr Archiv das Erinnerungsorgan, das über eine eigene Dynamik und Wahrnehmungsweise verfügt, so heißt es in der Einführung der teilnehmenden KünstlerInnen.

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