Die Monopol-Redaktion

Kunstbiennale und Filmfest in Venedig

Deine Mudda!

09/08/2017 - 16:25

Gute Mütter, schlechte Mütter: Andy Hopes und Darren Aronofskys "Mother"-Bilder in Venedig

Goethes Faust erschrickt, als Mephisto im zweiten Teil der Tragödie von den "Müttern" spricht. In ihrem Reich wohnen die ursprünglichen Schöpfermächte. Mit Windeln oder Babysocken hat das Ganze also nichts zu tun; Goethe bezieht sich auf die Weltenmütter der griechischen Mysterien, auf Rhea, Demeter und Proserpina.

Es ist ein bisschen wie im Horrorfilm. Da kommen Mütter ins Spiel – von "Psycho" bis "Alien", die jedem halbwegs positiven Mutterbild widersprechen. Andy Hope 1930 zeigt auf der Kunstbiennale von Venedig auf dem Bild "Mother" (2017) eine Figur, von der weder warmer Haferbrei noch tröstende Worte zu erwarten sind.

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Die Monopol-Redaktion

Beobachtungen in Venedig

Im Zeitalter des Uploads

09/07/2017 - 20:58

Auf der Kunstbiennale und auf dem Filmfestival Venedig denken Künstler über die Zukunft des Buches nach

Ach, Bücher. Ihre mediale Bedeutung schwindet, weil Texte und Bilder heute eher aufs Display geholt werden. Für den 1964 in China geborenen Künstler Liu Ye sind Bücher schon lange eine bedrohte Art, seine Eltern haben während der Kulturrevolution Bücher gesammelt, natürlich auch verbotene.

Im Zentralpavillon der aktuellen Venedig-Biennale sind Lius präzise abgemalte Bücher zu sehen. Aufgeschlagene Bücher, Umschläge, einzelne Seiten wie die Buchstabe für Buchstabe nachgemalte erste Seite einer Pariser "Lolita"-Ausgabe. Einen Raum weiter sind Graphitbilder des Rumänen Ciprian Muresan ausgestellt, der Motive von Giotto, Tiepolo oder Morandi aus Künstlermonografien und Museumskatalogen kreuz und quer auf große Blätter gezeichnet hat.

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Surasi Kusolwongs Beitrag zur "Peace"-Ausstellung in Frankfurt

Im Goldrausch

09/06/2017 - 15:03

Während der "Peace"-Ausstellung stellt die Frankfurter Schirn Kunsthalle im Rahmen einer Medienpartnerschaft die Arbeiten der teilnehmenden Künstler vor. Diesmal:  Surasi Kusolwongs Installation  "Golden Ghost (The Future Belongs To Ghosts)". Der Künstler hat einen großen Berg Garnreste aufgetürmt, in dem Ausstellungsbesucher Goldketten finden können - so wird es jedenfalls versprochen

Text: Lisa Beißwanger

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"Peace"-Ausstellung in Frankfurt

Houellebecq richtet Gedenkraum für verstorbenen Hund ein

08/29/2017 - 17:57

Während der "Peace"-Ausstellung stellt die Frankfurter Schirn Kunsthalle im Rahmen einer Medienpartnerschaft die Arbeiten der teilnehmenden Künstler vor. Diesmal: Den Trauerraum, den Michel Houellebecq für seinen verstorbenen Hund eingerichtet hat

Corgis sind schwer zu übersehen und erst recht nicht zu verwechseln: Sie tragen den Kopf eines großen Hundes auf dem Körper eines sehr viel kleineren, und ihre unmöglichen Proportionen sind ein Attribut, das sie sehr charmant macht. Sie sind zu viel Hund für zu wenig Körper, zu viel kluger Hund (großer Kopf!), und gleichzeitig verbergen sie nicht, dass sie trotz allem und zugleich recht kleine Wesen sind. Die einen auch in die Fersen zwicken, wenn es ihnen zu langsam vorangeht. Das ist eine weniger schöne Eigenart dieser Hunderasse.

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"Peace"-Ausstellung in Frankfurt

Minerva Cuevas "Égalité"

08/24/2017 - 17:36

In roten Lettern prangt das Wort "égalité" an der Wand des Ausstellungsraums. Minerva Cuevas ahmt in Gestaltung und Farbwahl ihrer großformatigen Wandarbeit das ansonsten in sanften blauen, rosa und weißen Tönen gehaltene Werbelogo der Wassermarke Evian nach. Über dem dominanten Schriftzug erscheinen die blau eingefärbten Umrisse einer Bergkette inmitten der französischen Alpen, wo im abgelegenen Ort Évian-les-Bains seit 1826 das stille Mineralwasser abgefüllt wird. Trotz des ausgetauschten Schriftzugs ist der Verweis auf das weltweit bekannte Wasser in Flaschen unmittelbar zu erkennen. Indem die Künstlerin den Text manipuliert – "evian" wird zu "égalité", die darunterliegende Zeile "Eau Minérale Naturelle" zu "Une Condition Naturelle" –, füllt sie das Produktlogo des multinationalen Lebensmittelgiganten Danone mit neuem Inhalt. Durch das Aufbrechen des gewohnten Kontexts dieses visuellen Zeichens kommt eine neue Bedeutungs- und Informationsebene hinter der Fassade des Images des alltäglichen Konsums zum Vorschein.

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Anika Meier

Angst vor sozialen Medien

Kalendersprüche für Kulturpessimisten

08/18/2017 - 14:02

In dieser Woche schrieben Zeitungen den Tod der Fotografie durch  Digitalisierung herbei und mäkelten am Van-Gogh-Facebook-Event "#SunflowersLive" herum. Doch von sozialen Medien geht keine Gefahr für die Kunst aus – im Gegenteil! Ein Kommentar

Am Sommerloch kann es nicht liegen. Wenn einem nämlich gar nichts mehr einfällt, könnte man sich einfach noch einmal über die Documenta und die angebliche Unfähigkeit ihrer Kuratoren beschweren. Das geht schließlich nicht jedes Jahr. Umso erstaunlicher, dass gerade jetzt in der "NZZ" ein Text unter dem Titel "Das Ende einer Kunstgattung: Die Fotografie versinkt im Massengrab" erschienen ist. Eine Ansammlung von Kalendersprüchen für Kulturpessimisten.

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"PEACE"-Ausstellung

Jan de Cock: "Everything for you, Frankfurt"

08/17/2017 - 16:24

Text: Viktoria Draganova

Die Ausstellung "PEACE"versteht sich als eine "diskursive" Ausstellung, denn sie wird von der Frage geleitet, wie Frieden eigentlich geht. Sie formuliert auch eine These, die anstatt einer Antwort vielmehr einen Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung bietet: Frieden ist ein Prozess und wird durch Interaktion und Kommunikation zwischen allen im Ökosystem existierenden Akteuren bestimmt. Die eingeladenen Künstler und gezeigten Arbeiten sind als Teil dieses Diskurses zu verstehen – und bestenfalls ist die Rolle, die sie spielen, jede Erstarrung des kommunikativen Austausches zu verhindern.

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"Peace"-Ausstellung in Frankfurt

Lee Mingwei: "The Letter Writing Project"

08/08/2017 - 14:53

Text: Lisa Beißwanger

Wann haben Sie zuletzt einen Brief geschrieben? Keinen Beschwerdebrief oder einen Brief ans Finanzamt, sondern einen richtigen, persönlichen Brief? Für lange Zeit (seit Erfindung des Postwesens und bis zur Erfindung der Telekommunikation) waren Briefe das Langstrecken-Kommunikationsmedium schlechthin. Heute, in Zeiten von Facebook, WhatsApp und E-Mail wirken Briefe irgendwie anachronistisch, beinahe nostalgisch. Briefeschreiben erfordert Zeit und Sorgfalt und die investiert man im digitalen Zeitalter nicht mehr so ohne weiteres. Deshalb sind Briefe etwas Besonderes geworden und höchstens noch zu Anlässen wie Geburten, Hochzeiten oder Todesfällen üblich. In Lee Mingweis konzeptueller und prozessualer Arbeit "The Letter Writing Project" geht es, wie der Titel bereits verrät, um eine Rehabilitierung des analogen Briefeschreibens.

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Anika Meier

Parodie auf soziale Medien

Cindy Sherman ist jetzt auf Instagram – na und?

08/07/2017 - 11:17

Cindy Sherman, Meisterin der Selbstinszenierung und eine der erfolgreichsten Künstlerinnen der Welt, ist auf Instagram aktiv. Cool oder uncool?

Am 24. Mai hat der amerikanische Magnum-Fotograf Alec Soth ein Selfie-Video mit folgender Bildunterschrift geteilt: "Something about Twin Peaks being back on TV and Cindy Sherman being on Instagram --- @misterfriedas_mom @twinpeaks". Mir ist vor lauter Schreck fast das Smartphone aus der Hand gefallen.

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"Peace"-Ausstellung in Frankfurt

Ulay: "Whose Water Is It?"

08/02/2017 - 18:01

Text: Natalie Storelli

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Anika Meier

Virtual-Reality-Ausstellung

"Es ist okay, geflasht zu sein"

07/28/2017 - 12:57

In virtuellen Welten herumzulaufen fühlt sich noch ein wenig an wie ein Computerspieleabend früher. Aber die Virtual-Reality-Ausstellung "Unreal" im NRW-Forum Düsseldorf lässt erahnen, wie anders die Kunstwelt für kommende Generationen aussehen wird

Eigentlich schaue ich mir Ausstellungen nur einmal an. Eine Ausnahme war vor einigen Jahren die Ausstellung von Gerhard Richter im Centre Pompidou. Damals lebte ich in Paris und es war schön, abends mit der Rolltreppe außen am Gebäude entlang ganz nach oben durch die Dunkelheit zu fahren, um dann fast ganz allein mit den Bildern von Richter im Museum zu sein. 

Gerade habe ich wieder mehrmals eine Ausstellung besucht, genau drei Mal. Nicht weil es einfach zu schön war, sondern weil ich mir nicht sicher war, wie "Unreal", eine Virtual Reality-Ausstellung, so der Untertitel, im NRW-Forum Düsseldorf überhaupt ist.

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