Biennale in Usbekistan

Eine berauschende Fülle an Zutaten

In der usbekischen Stadt Buchara steht eine neu gegründete Biennale für die Öffnung der Region. Bei aller Trauer über den Zustand der Welt durchzieht Hoffnung die Kunst wie ein feines Gewürz 

Zur Eröffnung der neu gegründeten Bukhara Biennale war ich nicht angereist. (Hat eigentlich jemals jemand zugegeben, dass es keine "erste Biennale" geben kann – dass eine Ausstellung erst dann diesen Namen verdient, wenn zwei Jahre später tatsächlich eine zweite Ausgabe folgt? Hoffen wir, dass diese hier Bestand hat.) Stattdessen entschied ich mich für den Auftakt der Biennale von São Paulo

Doch nun, nach meinem verspäteten Besuch in Usbekistans siebtgrößter Stadt, fällt mir auf, wie viel diese beiden, sonst so unterschiedlichen Veranstaltungen tatsächlich gemeinsam haben. Beide stellen den Ort und die Region als metaphorischen Motor für die Entstehung heterodoxer Kunstgeschichten und alter Modernismen in den Mittelpunkt: São Paulo als Knotenpunkt einer globalen, aber dezidiert afrozentrischen Kunstszene – und Buchara, vielleicht weniger offensichtlich, als Dreh- und Angelpunkt dicht verwobener, spannungsreicher Geschichten, die sich von der Nordsee bis zum Ochotskischen Meer und vom Atlasgebirge bis zur Straße von Malakka erstrecken.

Kuratiert von der in Los Angeles geborenen und in Brüssel lebenden Diana Campbell, basiert die Schau lose auf der köstlichen Metapher des typisch usbekischen Reisgerichts Pilaw oder Plov. Der übergreifende Titel "Rezepte für gebrochene Herzen" durchzieht die Schau wie ein feines Gewürz – eine Handvoll kulinarischer Analogien ist umsichtig über die Ausstellung verteilt.

Sinnlich überwältigendes Geflecht

Das Ergebnis: eine berauschende Fülle an materiellen und visuellen Zutaten. Besonders die Verbindung internationaler Künstlerinnen und Künstler mit lokalem Handwerk verleiht dieser vielbesuchten Schau in der malerischen Kulisse zerstörter Moscheen, mittelalterlicher Madrasas und Karawansereien ihren unverwechselbaren Charakter.

Großformatige Webarbeiten von Khadim Ali, Samah Hijawi, Eva Jospin und Tavares Strachan entstanden in enger Zusammenarbeit mit usbekischen Künstlerinnen und Künstlern wie Sanjar Nazarov, Said Kamalov, Ahmad Arabov, Madina Kasimbaeva und Sabina Burkhanova. Eine monumentale Installation aus modularen Lehmziegelfiguren von Antony Gormley wurde gemeinsam mit Temur Jumaev realisiert; ein Pavillon aus massenproduziertem sowjetischem Geschirr und traditioneller usbekischer Keramik stammt von Subodh Gupta und Baxtiyor Nazirov; und die riesige, mit Kurkuma überzogene Pyramide der kolumbianischen Künstlerin Delcy Morelos entstand in Kooperation mit Baxtiyor Akhmedov.

Das Resultat ist ein sinnlich überwältigendes Geflecht aus Materialien, Farben und Geschichten – ebenso lokal verwurzelt wie kosmopolitisch. Passend zu einer Stadt, die seit Jahrhunderten für ihre strategische Lage innerhalb eines dichten Netzes von Handelswegen (Papier, Seide, Gewürze) und kulturellen Austauschkanälen bekannt ist.

Sprengung der alten Hierarchien

Die Verbindung von "Künstlern" und "Handwerkern" entlang einer global-lokalen Achse mag auf den ersten Blick herablassend wirken – aber nur, wenn man an der alten Hierarchie von Kunst und Handwerk festhält. Diese mag in Berlin, Paris oder New York Sinn ergeben, kaum jedoch in einem doppelten Binnenland, das sich erst allmählich aus Jahrzehnten kultureller und politischer Isolation löst.

Das Letzte, was ich mir hier ansehen würde, wäre eine Skulptur von Anish Kapoor – was nicht heißen soll, dass Buchara sie nicht verdient hätte. Glücklicherweise boten gerade die Begegnungen mit kasachischen und usbekischen Künstlerinnen wie Jazgul Madazimova, Gulnur Mukazhanova und Zi Kakhraonova die größten Entdeckungen.

Tatsächlich ist es dieser Prozess der langsamen, aber stetigen Öffnung gegenüber der Welt im Osten, Süden und Westen des Landes, der den hoffnungsvollen Grundton der Biennale prägt. Nirgendwo kam das schmerzlicher zum Ausdruck als in der ergreifenden Installation der in Saudi-Arabien geborenen und in New York lebenden palästinensischen Künstlerin Dana Awartani, entstanden in Zusammenarbeit mit Bezhod Turdiyev. Sie besteht aus drei Keramikbodenstücken, deren Muster dem historischen Hamam al-Sammara in Gaza nachempfunden sind – einem Gebäude, das im Dezember 2023 durch einen israelischen Luftangriff zerstört wurde. Wir alle sind untröstlich, ja – aber hier gibt es zumindest ein Rezept für den Beginn einer Heilung.