Er komme sich vor wie der Organisator einer Hochzeit, scherzte der Co-Direktor des Hamburger Bahnhofs, Sam Bardaouil, kurz bevor das Event begann – den ganzen Tag bekomme er SMS mit Fragen, neben wem man denn nun sitze und wer alles komme. Auch der Dresscode hatte die sehr ausgewählten eingeladenen Gäste – nur 120 hatten Platz – vorher beschäftigt, schließlich musste man sich plötzlich an Pariser Standards orientieren.
Nun hat Berlin das Format des festlichen Dinners zum Gallery Weekend ja durchaus geübt. Aber der Empfang zur ersten Chanel Commission im Hamburger Bahnhof war dann doch etwas Besonderes. Die Kooperation mit dem Chanel Culture Fund ist für das Museum, wie der andere Direktor Till Fellrath in seiner Eröffnungsrede betonte, ein großer Schritt: Für mindestens drei Jahre wird Chanel bei der Realisierung einer Ausstellung in der großen Halle des Hamburger Bahnhofs dabei sein, eine internationale Kooperation von der Qualität, wie man sie bislang eher von Häusern wie der Tate Modern oder US-amerikanischen Museen kannte.
Auch für den Chanel Culture Fund ist es das bislang größte Projekt. Und schließlich war da noch das, was man an diesem Abend eigentlich feierte: Die Ausstellung "Embrace" der Künstlerin Klára Hosnedlová, die die große Halle auf geradezu magische Art in einen Ort zwischen Vergangenheit und Zukunft verwandelt.
Diese mutige Installation, so sagte Yana Peel, Global Head of Art and Culture bei Chanel, hätte der kunstbegeisterten Gründerin Coco Chanel bestimmt gefallen. Und sie zitierte Karl Lagerfeld: Berlin sei die Stadt der Zukunft, und die Zukunft gehöre denen, die den Mut haben, sich neu zu erfinden.
Tafeln zwischen Kunst
Nicht nur was die Kunst, sondern auch was die Tischdekoration angeht, hat das an dem Abend schon mal geklappt: Das Blumenarrangement war geradezu skulptural, und das Problem, dass man in den Museumsräumen keine echten Kerzen verwenden darf, wurde mit eleganten kleinen Leuchten aus Muranoglas gelöst.
Die Gäste durften an zwei langen Tafeln direkt in der Ausstellungshalle hinter der Installation speisen – auch das eine Neuerung für das Haus. Zu den Eingeladenen gehörten Künstlerinnen und Künstler wie Jill Mulleady, Marianna Simnett, Nairy Baghramian, Petrit Halilaj und Alvaro Urbano, Simon Fujiwara und Katharina Grosse, die neue Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Marion Ackermann, Nationalgalerie-Direktor Klaus Biesenbach, Sammlerinnen Julia Stoschek, Karen Boros und Patricia Sandretto Re Rebaudengo, prominente Galeristinnen und Galeristen wie Esther Schipper und Amadeo Kraupa-Tuskany, die neue Berlinale-Direktorin Tricia Tuttle sowie internationale Pressevertreter.
Kultursenator Joe Chialo oder der Regierende Bürgermeister Kai Wegner waren zu Recht nicht zu sehen – der Aufbruch in der Berliner Kulturszene muss, wenn er Schwung haben soll, gerade ohne sie stattfinden.