Videokunst in Düsseldorf

Cineastische Träume

Der private GHB Space in Düsseldorf-Flingern zeigt ambitionierte Videokunst und ist zum ersten Mal Teil des DC-Open-Programms. Zu sehen gibt es Arbeiten der Künstlerin Montika Kham-on

Eigentlich kommen sie aus der Architektur, erzählt Florian Geddert am Telefon. Er gestaltete zum Beispiel das Apartment des Künstlers Simon Denny oder das großartige Over­kill-Geschäft in Köln, mit großem Marmorblock aus Carrara in der Mitte. Und seine Partnerin Andrea Hronjec ist Architektin und Immobilienökonomin.

Gemeinsam fingen sie an, Kunst zu sammeln. Vor allem aus der Richtung Post-Internet-Art. "Aber nicht in dem Umfang wie Christian Boros oder Julia Stoschek", sagt Geddert. Und was macht man, wenn man Kunst hat? Man eröffnet einen Kunstraum. Oder zwei. Neben einem kleineren Raum in Berlin gibt es seit 2023 den GHB Space in Düsseldorf-Flingern, wo sie zeitgenössische künstlerische Positionen zeigen – auch weil die Anzahl an Kunsträumen dort überschaubarer ist als in Berlin.

"Die Idee zum GHB Space ist aus unserer Begeisterung für Kunst und dem Wunsch entstanden, diese mit anderen zu teilen", sagt Hronjec. Dafür laden sie meist befreundete Kuratorinnen ein. Die Zusammenarbeit mit Kuratorinnen sowie Künstlerinnen und Künstlern eröffne ihnen immer wieder neue Blickwinkel auf bekannte und neue Werke, so Hronjec.

Renommierte Namen

Da war etwa Anna-Lisa Scherfose vom Berlin Program for Artists. Sie hat eine Schau von Aids-3D und Anan Fries kuratiert, wo es um Technologie als Projektionsfläche für radikale Möglichkeiten ging. Arbeiten, die sich mit dem techno-utopischen Internet-Optimismus der späten 2000er-Jahre oder spekulativen Zukunftsvisionen beschäftigen. Und in der Berliner Dependance wurden zum Beispiel schon die iPhone-Arbeiten von Britta Thie gezeigt, die Wischspuren auf dem dunklen Display des Smartphones zu abstrakten Bildern vergrößern.

2026 ist der GHB Space zum ersten Mal Teil des offiziellen DC-Open-Programms. Für die Ausstellung konnten Geddert und Hronjec Anna-Catharina Gebbers vom Hamburger Bahnhof in Berlin als Kuratorin gewinnen. Sie zeigt die erste europäische Einzelausstellung der Künstlerin und Filmemacherin Montika Kham-on. Die 1999 in Thailand geborene Kham-on nennt ihre Praxis Post-Tropical-Cinema, sie löst sich darin von exotisierenden Bildern des Tropischen.

Ihre Arbeiten sind eine Hommage auf cineastische Träume, wirken sinnlich hypnotisch und wenden sich an Wahrnehmung und Imagination. Es geht um Animismus, Traum und Ritual. Für Kuratorin Gebbers gehört Montika Kham-on zu den eigenständigsten Videokünstlerinnen einer neuen internationalen Künstlergeneration. Und so steht die Ausstellung exemplarisch für das Programm des Kunstraums mit seiner Ausrichtung auf ein Kunstverständnis voll von Zeitgenossenschaft.

Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 9/2026