Daluma-Gründer Lukas Bossert

"Wenn du dich für Gesundheit entscheidest, kann es einsam werden"

Mit Daluma hat Lukas Bossert ein Unternehmen geschaffen, das Ernährung, Longevity und ganzheitliches Wohlbefinden verbindet. Mit adaptogenen Drinks, Supplements und modernen Health-Protokollen verfolgt Daluma einen Ansatz, der Wellness nicht als kurzfristigen Trend, sondern als Lebensstil versteht. Im Gespräch mit dem Gründer Lukas Bossert geht es um die Berliner Wellness-Szene, Balance zwischen Hedonismus und Gesundheit, Biohacking, Einsamkeit im Healthy Lifestyle und darüber, warum echtes Wohlbefinden weit über grüne Säfte hinausgeht

Lukas Bossert, sind Wellness und Longevity Ihrer Meinung nach heutzutage nur eine Trenderscheinung?

Das ist für mich immer schwer zu beantworten. Ich finde nicht, dass Wellness etwas Temporäres sein sollte, sondern Teil des Lebensstils. Man sollte sich grundsätzlich immer damit beschäftigen, aber trotzdem in Balance leben. Für mich kann Wellness vieles sein: ein Buch lesen, ins Spa gehen, aber auch im Club tanzen. In dem Moment entspannst du dich ja und tust dir etwas Gutes. Auch ein gutes Restaurant kann Wellness sein, wenn du dir bewusst etwas gönnst. Longevity ist für mich etwas anderes. Das ist eher eine Art Routine oder ein wissenschaftlich fundiertes Protokoll – Dinge, die nachweislich gut für den Körper sind. Dazu gehören Schlaf, Eisbäder, Infrarotlicht, Supplements und Ernährung. Wenn man das konsequent macht, führt das langfristig zu einem besseren Leben.

Es gibt ja auch extreme Beispiele aus der Biohacking-Szene wie Bryan Johnson, der zwei Millionen Dollar pro Jahr für sein Anti-Aging-Programm ausgibt und beispielsweise seine letzte Mahlzeit oft schon um elf Uhr morgens ist, Bluttransfusionen von seinem Sohn erhält und keinen Alkohol trinkt. Ausgeglichen wirkt dieses rigide Programm eher weniger. Was heißt Balance für Sie?

Zum Beispiel habe ich Anfang letzten Jahres mit Alkohol aufgehört. Und interessanterweise war ich manchmal sogar gestresster als früher, weil es mir geholfen hat, mit Freunden zu trinken, zu lachen und abzuschalten. Wenn man sich die sogenannten Blue Zones anschaut, zum Beispiel in Sardinien, dort trinken die Menschen regelmäßig Wein und werden trotzdem sehr alt. Das zeigt, dass Stress eine enorme Rolle spielt. Gleichzeitig kommt es auf den Kontext an. In Berlin bleibt es selten bei einem Glas – es wird schnell exzessiv. Bei mir hat das dazu geführt, dass mein Training gelitten hat. Es war immer ein Schritt vor, dann einer zurück.

Wie nehmen Sie die Wellness- und Healthszene in Berlin wahr?

Berlin ist speziell. Ich habe mit einem Freund darüber gesprochen, und er meinte, dass hier oft eher dunkle oder destruktive Themen gefeiert werden. Dinge wie Gesundheit oder stabile Beziehungen sind weniger interessant. Es wirkt fast so, als wäre es hier nicht "cool", gesund zu sein. Ich habe das selbst gemerkt: Seit ich nicht mehr trinke, bin ich viel öfter alleine. Wenn du feiern gehst, bist du ständig unter Leuten. Wenn du dich für Gesundheit entscheidest, kann es einsam werden. Das ist ganz anders als in Städten wie Los Angeles oder New York, wo Gesundheit fast notwendig ist, um überhaupt zu funktionieren.

Warum haben Sie sich trotzdem dazu entschieden, ursprünglich in Berlin zu starten und seit Kurzem auch einen Standort in München zu eröffnen?

Wir sind aus Deutschland, daher war es logisch, hier zu starten. Berlin war damals eine der internationalsten Städte in Europa. Langfristig wollen wir aber auch außerhalb Deutschlands expandieren, weil wir glauben, dass unser Konzept in anderen Großstädten noch besser verstanden wird. Unsere Zielgruppe ist sehr international und kosmopolitisch. Es sind Menschen, die sich intensiv mit Gesundheit beschäftigen, viel lesen und sich für Themen wie Biohacking interessieren. Das ist eigentlich überall dieselbe Crowd – egal ob in Berlin, New York oder London.

Daluma hat auch eine eigene Skincare-Linie entwickelt. Wie kam es dazu?

Wir glauben, dass im Körper alles zusammenhängt, besonders Darm und Haut. Viele Produkte auf dem Markt sind nicht wirklich wissenschaftlich fundiert. Deshalb wollten wir etwas Eigenes entwickeln: Produkte, die Ernährung, Supplements und Skincare verbinden. Zum Beispiel Probiotika, präbiotische Seren und funktionale Getränke wie Kombucha. Unser Ansatz ist ganzheitlich – nicht nur Symptome behandeln, sondern die Ursache.

Wie sieht Ihre persönliche Wellness-Routine aus?

Es ist eine Mischung aus Dingen, die ich vermeide, und Dingen, die ich aktiv mache. Ich verzichte auf Alkohol und reduziere Zucker, weil ich glaube, dass er den Alterungsprozess beschleunigt. Sehr wichtig ist für mich Schlaf – früh ins Bett gehen und 8–9 Stunden schlafen. Außerdem mache ich Digital Detox: kein Handy vor dem Schlafengehen oder direkt nach dem Aufwachen. Manchmal habe ich sogar Tage, an denen ich gar nicht aufs Handy schaue – das ist für mich echter Luxus. Außerdem mache ich regelmäßig Eisbäder, schon seit 2018/19, also bevor es zum Trend wurde. Während Corona hatten wir Gruppen von bis zu 150 Leuten, die zusammen in Berliner Seen gegangen sind. Heute mache ich das wöchentlich mit Freunden. Zusätzlich nutze ich Infrarotlicht, nehme täglich Supplements und achte auf meine Ernährung – viel Grünzeug, viel Wasser, Bewegung wie CrossFit, Laufen oder Yoga.