Von Künstlern aus der arabischen Welt verlange das Publikum Wurzeln, poetische Tiefe, historisch-politische Relevanz – und eine traumatische Geschichte im Hintergrund, die mit einem netten visuellen Twist präsentiert werde, so beschreibt die Kuratorin Media Farzin in der Zeitschrift "Bidoun" die Zumutungen, die sich aus gängigen Stereotypen ergeben. Und in einer Mail an den Chefkurator des New Museum, Massimiliano Gioni, meinte die Künstlerin Latifa Echakhch: "Ich habe mich am Anfang meiner Karriere entschieden, niemals an Ausstellungen teilzunehmen, die mit der arabischen Welt zu tun haben. Ich möchte nach meinen Entscheidungen als Künstlerin beurteilt werden, nicht nach Dingen, die ich nicht beeinflussen kann, wie mein Geschlecht oder meine Herkunft."
Das New Museum wagt mit "Here and Elsewhere" trotzdem eine Schau über arabische Gegenwartskunst – zum Beispiel, weil zahlreiche Künstlerinnen und Künstler aus der Region jenseits enger Zirkel immer noch viel zu unbekannt seien, so Gioni und seine Kokuratorin Natalie Bell. Und auch, weil das Publikum in den USA oft zu wenig über die Verhältnisse außerhalb ihres Landes wisse.
Um zu betonen, dass es dennoch nicht um platte Reduktion und Politunterricht gehen soll, bemühen die Kuratoren Godards Film "Hier und anderswo" als namengebende Inspiration ihrer Schau. Der Regisseur hatte Anfang der 70er-Jahre in jordanischen Palästinenserlagern gedreht. Kurz danach wurden viele seiner Protagonisten getötet – und das, was der Franzose 1976 aus diesen Aufnahmen, Medienbildern und anderen Kommentaren montierte, war eher eine Reflexion über den Status des Bildes und die Ethik der Repräsentation als eine Dokumentation.
In diesen Tagen kocht der Gaza-Konflikt wieder hoch, und so kann die Schau die tagesaktuelle Politik nicht ausblenden. Wie die "The Art Newspaper" meldet, kann der palästinensische Künstler Khaled Jarrara nicht zur Ausstellungseröffnung kommen, da er von den israelischen Behörden an der Ausreise nach Jordanien gehindert wurde.
Umso wichtiger tritt das Vorhaben der Kuratoren in der Vordergrund: Das verbindende Element bei "Here and Elsewhere" soll weniger die geografische Herkunft der vertretenen Künstlerinnen und Künstler sein als ihr reflektierter Umgang mit Bildern. Akram Zaatari ist bekannt für seine intelligente Verarbeitung von gefundenem Material, etwa Fotos und Videos, mit denen er exemplarische Geschichten erzählt. Und die autodidaktischen Filmemacher des Kollektivs Abounaddara aus Syrien lassen in ihrer Darstellung des Bürgerkriegslandes persönliche Standpunkte durchscheinen.
Gezeigt werden in New York auch Installationen und Malerei, doch Film und Fotografie sind die vorherrschenden Medien der Ausstellung, und oft geht es darin um Abwesenheiten. In Hrair Sarkissians Fotoserie "Execution Squares" (2008) hält die Kamera teilweise sehr pittoreske Orte in Damaskus fest, die aber Schauplätze von Hinrichtungen waren. Ziad Antar benutzt für seine Stadtansichten schadhafte analoge Filme, sodass die Aufnahmen unter dem Blick zu zerfallen scheinen.
Latifa Echakhch wird übrigens wirklich nicht zu der Schau beitragen. Teil der Diskussion, die im Übrigen im Katalog mit mehreren Round Tables weitergeführt wird, ist sie vielleicht gerade deshalb.
"Here and Elsewhere", New Museum, New York, 16. Juli bis 28. September
Das New Museum wagt mit "Here and Elsewhere" trotzdem eine Schau über arabische Gegenwartskunst – zum Beispiel, weil zahlreiche Künstlerinnen und Künstler aus der Region jenseits enger Zirkel immer noch viel zu unbekannt seien, so Gioni und seine Kokuratorin Natalie Bell. Und auch, weil das Publikum in den USA oft zu wenig über die Verhältnisse außerhalb ihres Landes wisse.
Um zu betonen, dass es dennoch nicht um platte Reduktion und Politunterricht gehen soll, bemühen die Kuratoren Godards Film "Hier und anderswo" als namengebende Inspiration ihrer Schau. Der Regisseur hatte Anfang der 70er-Jahre in jordanischen Palästinenserlagern gedreht. Kurz danach wurden viele seiner Protagonisten getötet – und das, was der Franzose 1976 aus diesen Aufnahmen, Medienbildern und anderen Kommentaren montierte, war eher eine Reflexion über den Status des Bildes und die Ethik der Repräsentation als eine Dokumentation.
In diesen Tagen kocht der Gaza-Konflikt wieder hoch, und so kann die Schau die tagesaktuelle Politik nicht ausblenden. Wie die "The Art Newspaper" meldet, kann der palästinensische Künstler Khaled Jarrara nicht zur Ausstellungseröffnung kommen, da er von den israelischen Behörden an der Ausreise nach Jordanien gehindert wurde.
Umso wichtiger tritt das Vorhaben der Kuratoren in der Vordergrund: Das verbindende Element bei "Here and Elsewhere" soll weniger die geografische Herkunft der vertretenen Künstlerinnen und Künstler sein als ihr reflektierter Umgang mit Bildern. Akram Zaatari ist bekannt für seine intelligente Verarbeitung von gefundenem Material, etwa Fotos und Videos, mit denen er exemplarische Geschichten erzählt. Und die autodidaktischen Filmemacher des Kollektivs Abounaddara aus Syrien lassen in ihrer Darstellung des Bürgerkriegslandes persönliche Standpunkte durchscheinen.
Gezeigt werden in New York auch Installationen und Malerei, doch Film und Fotografie sind die vorherrschenden Medien der Ausstellung, und oft geht es darin um Abwesenheiten. In Hrair Sarkissians Fotoserie "Execution Squares" (2008) hält die Kamera teilweise sehr pittoreske Orte in Damaskus fest, die aber Schauplätze von Hinrichtungen waren. Ziad Antar benutzt für seine Stadtansichten schadhafte analoge Filme, sodass die Aufnahmen unter dem Blick zu zerfallen scheinen.
Latifa Echakhch wird übrigens wirklich nicht zu der Schau beitragen. Teil der Diskussion, die im Übrigen im Katalog mit mehreren Round Tables weitergeführt wird, ist sie vielleicht gerade deshalb.
"Here and Elsewhere", New Museum, New York, 16. Juli bis 28. September