Das hat uns ja gerade noch gefehlt: Att Poomtangon macht in Zuversicht

Sich mit einer Angel an den Main bei Frankfurt zu setzen wäre wohl nur etwas für hoffnungslose Optimisten. Vor 100 Jahren war der Main noch einer der fischreichsten Gewässer Mitteleuropas, aber Flussbegradigungen und Abwässer haben den Fischen den Garaus gemacht.
Trotzdem kann man sich jetzt am Main auf Fischfang machen. Att Poomtangon hat den Ausstellungsraum Portikus, mitten auf einer Maininsel gelegen, in eine dunkle Höhle voller Wasser verwandelt. Die Fische sind allerdings aus Plastik und hängen von der Decke, einige mit Lampen im Maul: Das ist die einzige Beleuchtung im schummrigen Ausstellungsraum.


Im Wasser schwimmen kleine Boote aus einer Plastikschüssel und einem aufgeblasenen Autoreifen. Solche Boote benutzen die Fischer in Thailand, wo Poomtangon 1973 geboren wurde. Jetzt kann man als Ausstellungsbesucher darin herumschippern und in den Fischhimmel blicken, bis man in der hintersten Ecke auf einen an die Wand geklebten Zeitungsausschnitt stößt: Es ist die Geschichte des allerletzten Fischers von Frankfurt, der sich im dreckigen Mainwasser Gelbsucht holte, bevor er seinen Beruf wechselte.


Att Poomtangon, ehemaliger Meisterschüler von Tobias Rehberger an der Städelschule in Frankfurt, macht regelmäßig solche Recherchen zum Ausgangspunkt seiner Kunst, und oft beziehen seine Installationen das Publikum intensiv mit ein. Auf der diesjährigen Venedig-Biennale hat Poomtangon den Besuchern eine bunte Ausruh- und Trinkstation gebaut, die mittels Fahrradantrieb Wasser hervorpumpt. Es geht ihm um ökologische Zusammenhänge und um den Vergleich der Kulturen, deren Unterschiede im Portikus bei der Fahrt in den wackligen Lowtech-Booten nach thailändischer Bauweise offensichtlich werden.
Aber all das wird nicht mit dem didaktischen Zeigefinger, sondern mit einem denkbar freundlichen Grundton vermittelt. Die Plastikfische wirken eher rührend als zynisch, die dunkle Höhle beruhigend und warm – thailändische Tempelbauten waren Poomtangons Vorbild. „On the Way to the Alps I see Sand“ ist der Titel der Portikus-Installation. Unter dem Abwasser liegt der Strand: welch tröstliche Botschaft.