Frankfurter Städel präsentiert Sammlung neu

Alte Meister im neuen Licht

Plötzlich leuchten die Alten Meister: Das Frankfurter Städel Museum hat in seiner Sammlungspräsentation die Hängung, das Licht und das Farbkonzept der Wände überarbeitet. Ein Rundgang

Der Reiz des Städelmuseums, befand der Kunsthistoriker Alfred Lichtwark bereits 1905, liege in der "ungeheuren Energie auf engem Raum. Es ist fast alles da, (..) und alles in Gipfelwerken." Das Städel, das sich als Bürgermuseum zu 80 Prozent selbst trägt, ist im Besitz vieler Schlüsselwerke aus 500 Jahren Malereigeschichte. Jan van Eycks Lucca-Madonna, Sandro Botticellis "Weibliches Idealbildnis", Werke von Albrecht Dürer, Tizian und Rembrandt gehören dazu.

Jetzt wurden die Hängung, das Licht und das Farbkonzept der Wände überarbeitet. War man früher über die fast brutalistisch anmutende Steintreppe in den zweiten Stock gegangen, leuchtete ein tiefer Beerenton von den Wänden, auf denen in Petersburger Hängung sogleich historische und materielle Fülle suggeriert wurde, als befände man sich in einem Schloss oder im Kunsthistorischen Museum Wien. Der Direktor des Städelmuseums Philipp Demandt geht mit seiner neuen Gestaltung im Treppenhaus an die klare Formensprache des Architekten Johannes Krahn aus den 50er-Jahren ein. Das Städel war im Krieg stark zerstört worden, und auch wenn die Fassade zum Main hin wilhelminisch aussieht, finden sich in den Innenräumen verschiedene Zeitlichkeiten wieder.

Die Wände des Treppenhauses sind jetzt staubschwarz verputzt und gewachst, mit einer deutlichen dynamischen Struktur, und setzten einen präsenten und zugleich zurückhaltenden Ton, der durch die verschiedenen Ausstellungssäle erhalten bleibt. Wo vorher abgetönte Varianten von Grün, Blau und Rot Herrschaftlichkeit heraufbeschworen, setzt Demandt auf Grau. Und ausgerechnet diese Unfarbe erweist sich hier als die aufregendste und variantenreichste von allen möglichen. Abgemischt mit Violett, mit Grün oder Blau, hat jeder Saal seine eigene Lichtstimmung, seine eigene Emotionalität, die durch die Gemälde verstärkt werden - oder umgekehrt. Genau können sich auch die beiden Sammlungsleiter, Jochen Sander und Bastian Eclercy, auch nicht erklären, was hier gerade passiert ist. Aber die Gemälde leuchten, manche strahlen auch, als sehe man sie zum ersten Mal.

Jeder Saal mit eigener Schattierung

Jeder Saal hat seine eigene Schattierung. Mit dem Vermeer sei man wie im Postershop herumgelaufen und habe die passende Wandfarbe gesucht, sagt Demandt. Und Tiepolo brauche einfach weißlich abgemischte Blautöne, denn das sei die Farbe schlechthin, durch die sich die Venezianische Malerei auszeichne.

Zugleich werden zum ersten Mal drei Neuerwerbungen gezeigt. Was im Städel immer heißt, der von Lichtwark 1905 beschriebenen Qualität auch weiter zu genügen und sie sich dennoch leisten zu können. Für das brillante "Stilleben mit gerösteten Maronen" (circa 1630) von Gottfried de Wedig habe man die ganze Tefaf, die Messe in Maastricht für Alte Meister, gegen sich gehabt, sagt Demandt, aber den Zuschlag bekommen. Außerdem neu sind zwei Porträts von Michiel van Mierevelt, "Der Winterkönig" und "Die Winterkönigin". Besonders das Bildnis der Elisabeth Stuart in ihrem von frostigen Perlen verkrusteten schwarzen Gewand strahlt vor dem matten Grau der Wände ein kaltes Gleißen aus, das sehr zeitgenössisch ist.

Neuen Leuchten tun den bisweilen früher höhlenhaften Kabinetten sehr gut – das Tageslicht der Oberlichter wird mit Lichtkacheln nachgeahmt, bisweilen werden mit einzelnen dezenten Strahlern nochmal Highlights gesetzt.

So sind die Alten Meister dezent, aber ganz fantastisch ins Licht gesetzt, wenn zeitgleich ein Meister der Lichtregie mit großem Pomp ins Städel einzieht: Im selben Moment wie die Neupräsentation eröffnet jetzt die große Rembrandt-Ausstellung "Nennt mich Rembrandt" und wird eine Weile alles Licht auf sich ziehen, die Meister aber werden auch darüber hinaus leuchten.